Jacques Gounon Raus aus dem Tunnel

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Nach seinem Wechsel in die Privatwirtschaft zum Alstom-Konzern erbt er erneut einen schwierigen Fall. Er muss das Werk Belfort restrukturieren. Zur Belohnung wird er Generaldirektor der Sparte für Ingenieur-Dienstleistungen. Damals sind seine Verhandlungspartner schäumende Gewerkschafter. Heute muss er sich härteren Gegnern stellen: Bankenvertretern und Hedge-Fonds-Managern, denen der Großteil der Eurotunnel-Schulden gehört.

Gounons Verhandlungsstil oszilliere zwischen sturer Entschlossenheit und Diplomatie, garniert mit viel Kommunikationsarbeit, sagen Beobachter. Womit sich der Musikliebhaber nicht nur Freunde gemacht hat. „Ein Teil des Verwaltungsrats ist gegen ihn, das macht die Aufgabe noch schwerer“, sagt Colette Neuville, Präsidentin der Aktionärsvereinigung Adam, die im Verwaltungsrat sitzt.

Joseph Gouranton, Chef der Vereinigung der frustrierten Eurotunnel-Aktionäre Adacte, hat seine Wahl bisher nicht bereut. Er war es, der Gounon im Frühjahr 2005 auf den Chefstuhl bei Eurotunnel hievte. „Wir suchten jemanden mit Führungserfahrung und guten Kenntnissen des Transportsektors. Er ist die Idealbesetzung in der derzeitigen Situation.“

Rückblende: Auf der Eurotunnel-Hauptversammlung im April 2004 setzen Gouranton und seine Mitstreiter das gesamte Management vor die Tür und befördern zunächst Jacques Maillot, Gründer der Reisebürokette Nouvelles Frontières, an die Spitze von Eurotunnel. Doch er ist überfordert mit den komplexen Details der Schuldenstruktur und tritt Anfang 2005 ab. Händeringend sucht Gouranton einen neuen Präsidenten für den Verwaltungsrat – und findet ihn in Jacques Gounon. Doch nur Präsident zu sein reicht dem wortgewandten Top-Manager nicht. Er will die volle Macht. Wenige Monate später ist er am Ziel. Der damalige Generaldirektor Jean-Louis Raymond gibt entnervt auf.

Sein Durchmarsch hat ihm Kritik eingebracht. „Gounon hat viel versprochen, doch der von ihm vorgestellte Rettungsplan ist schlechter als das, was Raymond vorbereitet hatte“, sagt ein interner Gegner des Tunnel-Chefs. „Gounon hört nur auf einen: sich selbst.“

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