Jacques Gounon Raus aus dem Tunnel

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Der neue Tunnel-Chef wirft als Erstes die alte Verhandlungstaktik über den Haufen. Vor dem Poker mit den Gläubigern analysiert er, wie viel Schulden der Tunnel-Betreiber überhaupt schultern kann: rund vier Milliarden Euro lautet das Ergebnis. Anschließend setzt er sich mit den wichtigsten Gläubigergruppen nacheinander und nicht gleichzeitig an den Verhandlungstisch. Im Mai dieses Jahres einigt er sich mit den Inhabern der so genannten Senior-Schuld-Titel (das sind die gut besicherten Schulden), denen über die Hälfte der Tunnel-Schulden gehört. Der Rettungsplan sieht vor, die Schulden von 9,1 auf 4,24 Milliarden Euro abzusenken. Vor der Presse baut Gounon eine Drohkulisse auf. „Dieser Plan ist Eurotunnels letzte Chance“, sagt er. Dass zuvor die Wirtschaftsprüfer angesichts einer drohenden Zahlungsunfähigkeit von Eurotunnel der Unternehmensbilanz das Testat verweigert haben, passt in die Dramaturgie. Doch die Besitzer der Anleihen mit schlechteren Sicherheiten wollen nicht mitspielen. Sie sollen mit 125 Millionen Euro abgespeist werden – viel zu wenig, schäumt Jean-Pierre Mattei, der die Vereinigung Arco leitet, in der sich Schuldner wie die Deutsche Bank zusammengetan haben. Sie lehnen Gounons Plan ab, der nun nicht in Kraft tritt. Es folgen gegenseitige Schuldzuweisungen. Inzwischen reden beide Seiten mehr miteinander, statt übereinander. Sollte das Pariser Gericht heute im Sinne von Eurotunnel entscheiden, hat Gounon mehr Zeit, die streitenden Schuldner zu einer Einigung zu bewegen. Der Tunnel-Chef zeigt sich kämpferisch: „Ich werde bis zur letzten Minute verhandeln.“

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