Jimin Wang Weißer Ritter aus China – Warum der Juniorchef von Ningbo Jifeng bei Grammer willkommen ist

Chinesische Investoren werden in Deutschland derzeit kritisch beäugt. Der Juniorchef von Ningbo Jifeng ist da eine Ausnahme.
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Wang hat mittlerweile seinen Vater bei Ningbo Jifeng abgelöst und das Tagesgeschäft übernommen.
Jimin Wang

Wang hat mittlerweile seinen Vater bei Ningbo Jifeng abgelöst und das Tagesgeschäft übernommen.

München, DüsseldorfAuf den ersten Blick ist Jimin Wang ein Bilderbuch-Investor. Der 32-Jährige arbeitet sich tief in Themen ein, geht auf die Menschen zu und zeigt sich auch im Dialog mit Arbeitnehmervertretern interessiert und offen. Auch seine Liebe zu deutschem Brot bekennt er dann gerne.

Doch für chinesische Investoren wie Wang ist derzeit mehr nötig, um in Deutschland Vertrauen entgegengebracht zu bekommen, sie werden zunehmend kritisch betrachtet. Der Einstieg eines Staatsunternehmens bei 50Hertz ist gerade erst zum zweiten Mal gescheitert. „Wang bekommt das mit, er fragt viel nach“, sagt ein Vertrauter.

Denn der 32-jährige Juniorchef von Ningbo Jifeng schickt sich gerade an, den deutschen Autozulieferer Grammer zu übernehmen. In dieser Woche wird verkündet, wie viele Aktionäre die Offerte angenommen haben. Die selbst gesetzte Mindestannahmeschwelle von 36 Prozent der Aktien ist bereits erreicht.

Lange Kooperation

Bei Grammer aus dem oberpfälzischen Amberg ist Ningbo Jifeng nicht der gefürchtete, schwer durchschaubare Angreifer aus China. Im Gegenteil, der chinesische Familienkonzern aus Ningbo ist der weiße Ritter. Seit Längerem gibt es eine Kooperation, der Einstieg soll eine Machtübernahme durch die umstrittene bosnische Familie Hastor verhindern.

Auch wenn es am Anfang schwierig war, genug Aktien einzusammeln: Ningbo ist vielen willkommen, und das liegt auch an Wang. Misstrauische hat er eingeladen, seine Werke in China anzusehen. Den Wirtschaftsminister von Bayern, Franz Josef Pschierer, hat er getroffen. An den Details der Übernahme ist er sehr interessiert. „Er ist bei jedem Call dabei, stellt viele Fragen“, heißt es aus Pfisters Team.

Von seiner Art her sei Wang kein typischer Chinese. Er spricht geschliffen Englisch und hat in den USA studiert. Besucher empfängt er freundlich und leger im offenen Hemd – und wirkt dabei noch jünger als 32.

Bescheidenheit wurde ihm anerzogen. Als er aus Übersee zurückkehrte, fing er als einfacher Arbeiter an der Werkbank an. Erst später übernahm er die Leitung eines Werks. Heute führ er das Tagesgeschäft, sein Vater hält sich bei der Übernahme im Hintergrund.

Ningbo Jifeng wurde 1996 von Vater Wang Yiping gegründet. Ji ist die erste Silbe im Namen seines Sohnes Jimin, Feng das zweite Zeichen im Vornamen von Gattin Wu Bifeng. Mit etwa 250 Millionen Euro Umsatz ist das Unternehmen deutlich kleiner als Grammer. „Wir haben eine sichere Finanzierung mit einem hohen Eigenkapitalanteil. Banken garantieren die Finanzierung“, sagte er dem Handelsblatt.

Dass die Wellen im Fall Grammer nicht so hoch schlagen, liegt natürlich auch am Übernahmeobjekt. „Kopfstützen gehören ja nicht gerade zur kritischen Infrastruktur eines Landes“, heißt es in Industriekreisen. Zudem sei Ningbo Jifeng kein Staatsunternehmen, sondern im Privatbesitz mit einer Minderheit an der Börse.

Aber Wang hat auch die Arbeitnehmer überzeugt: Er lud sie nicht nur zu einem Besuch in seinen Werken ein, sondern garantierte ihnen auch über siebeneinhalb Jahre ihre Arbeitsplätze und Standorte. Beide Zulieferer arbeiten schon heute gut zusammen, bei Grammer geht man davon aus, dass Ningbo Jifeng tendenziell als stiller Gesellschafter agiert und das Management, das die Chinesen schätzen, im Amt lässt.

Fast am Ziel

All das finden viele attraktiver als eine Mehrheit der Hastors. Auch bei den Kunden, also den Autobauern, war die Sorge groß, dass Hastors Prevent auch bei Grammer mit Lieferbeschränkungen drohen könnte.

Es sieht so aus, als käme der freundliche Herr Wang so bald ans Ziel. 44 Prozent hatte er bis zum Wochenende eingesammelt, eine zweiwöchige Nachfrist kommt noch hinzu. So könnte es noch die Stimmrechtsmehrheit werden – aber auch nicht die 75 Prozent, die einen Beherrschungsvertrag möglich machen würden. Den haben die Chinesen bislang aber auch nicht geplant.

Das wäre dann für alle Beteiligten eine gute Lösung. Nur die Hastors müssen sich noch überlegen, ob auch sie an Wang verkaufen. Erst wenn das passiert ist, dürfte in Amberg wieder Ruhe einkehren.

Korrektur: In einer ursprünglichen Version dieses Artikel hieß es, Wang habe den Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Ernst Pfister, getroffen. Das war leider nicht korrekt. Es handelte sich um den Wirtschaftsminister von Bayern, Franz Josef Pschierer. Wir bitten darum, den Fehler zu entschuldigen.

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