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Jobs-Nachfolger Cook Der Neue

Er ist der Nachfolger von Steve Jobs an der Apple-Spitze: Tim Cook tritt in riesige Fußstapfen. Doch das Arbeitstier hat sich jahrelang auf die Chefrolle vorbereitet.
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Jobs-Nachfolger Tim Cook. Quelle: Reuters

Jobs-Nachfolger Tim Cook.

(Foto: Reuters)

San FranciscoTim Cook ist ein Macher. Wenn es das Verdienst von Steve Jobs ist, dass Apple mit seinen Visionen die Welt verändert hat, ist es Cooks Verdienst, dass diese Visionen in Form fertiger Produkte auch bei den Kunden angekommen sind. Er hat die früher chronisch chaotische Lagerhaltung optimiert, gebundenes Kapital freigesetzt und strategisch wichtige Schachzüge ausgearbeitet wie einen mehrjährigen und milliardenschweren Vertrag für Speicherbausteine. So sicherte er die Lieferfähigkeit für iPods und später iPhones und iPads. Als sich alle Konkurrenten verzweifelt auf Flashspeicher-Bausteine  stürzten, um ebenfalls die Micro-Festplatten in ihren Geräten durch Flash-Speicher zu ersetzen, stiegen die Preise und nur Apple konnte sich beruhigt zurücklehnen.

Steve Jobs holte den hochgewachsenen, drahtigen 50-Jährigen 1998 von Compaq zu Apple, er hat also die gesamte Zeit des Wiederaufbaus begleitet und aktiv mitgestaltet. Er hat die Fertigung ausgelagert, Fabriken und Lager geschlossen, was heute als Grundstein für Apples hohe Profitabilität gilt. Vor Compaq war er unter anderem viele Jahre in leitender Funktion bei IBM tätig. Die Ernennung zum COO von Apple erfolgte 2007.

Seine Sporen als CEO-Lehrling bei Apple hat er sich 2004 und 2009 verdient. Er war der Mann der Wahl, als es darum ging Steve Jobs während seiner krankheitsbedingten Auszeiten zu vertreten. Spätestens da war klar, dass man ihn bei der Wahl eines Nachfolgers nicht mehr wird übergehen können. Seit Ende Januar war er erneut als Übergangschef im Einsatz und ist der mit Abstand bestbezahlte Top-Manager Apples. Zusammen mit Aktienoptionen und Bonuszahlungen lag sein Jahresgehalt 2010 bei rund 60 Millionen Dollar.

Mitarbeiter beschreiben ihn als Arbeitstier und kompromisslos zielorientiert. Legende ist eine Begebenheit, die das „Forbes“-Magazin kolportiert. Während eines Meetings zu ernsten Problemen in China sagte er nur: „Das ist ziemlich übel. Ich wünschte, wir hätten jemand da unten, der sich darum kümmert.“ Keine 30 Minuten später sprach er den damaligen Verantwortlichen für diesen Bereich,  Sabib Khan, ebenso ansatzlos seelenruhig an: „Warum sitzen Sie eigentlich noch hier?“ Khan soll daraufhin aufgestanden und ohne die Kleidung zu wechseln oder Koffer zu packen zum Flughafen San Francisco gefahren sein. Der nächste erreichbare Flieger Richtung China war seiner.

Die Schwächen von Tim Cook

Anders als Jobs, der sehr aufbrausend sein kann, wird Cook allgemein als ruhig beschrieben. Auch während aufgeheizter Diskussionen erhebt er niemals die Stimme, was aber nicht auf mangelnde Härte und Durchsetzungsvermögen schließen lassen sollte. Regelmäßig ließ er auch sonntags Meetings einberufen, um die Termine der Woche abzuarbeiten, er stellt gezielte Fragen und erwartet präzise Antworten. „Forbes“ zitiert einen ungenannten früheren Mitarbeiter von Cook damit, dass er in Meetings auch schon mal Teilnehmer „geschreddert“ habe. Er stelle dann Fragen, die der Betroffene garantiert nicht beantworten könne, und höre bis zum Schluss nicht damit auf.

Wie Jobs, oder genauer gesagt jeder bei Apple, trägt Cook keine Anzüge bei der Arbeit, bevorzugt T-Shirt, Rollkragenpullover, Jeans und Sneakers. Immer wieder wird gerne von einem Treffen mit hochrangigen Vertretern eines großen Telekom-Konzerns erzählt, nach der ein Manager dezent fragte, ob man nicht vielleicht beim nächsten Mal eine angemessene Kleidung tragen könnte. Jobs Antwort: „Wir sind Apple. Wir tragen keine Anzüge. Wir besitzen nicht mal welche.“

Wenig bekannt ist über das Privatleben von Tim Cook. Aufgewachsen in einfachsten Verhältnissen in Robertsdale im US-Staat Alabama machte er seinen MBA an der Duke Universität und studierte Maschinenbau an der Auburn Universität. Privat ist er begeisterter Radrennfahrer und lebt heute in Palo Alto.

Als seine schwache Seite gilt ein Mangel an Kreativität oder Visionen und wenig Gespür für Marketing, was sich allerdings geändert haben könnte. Mit der ausdrücklichen Genehmigung von Jobs sitzt Cook seit 2005 im Board des Konsumgüterherstellers Nike, bekannt für ein erfolgreiches Marketing und exzellente Kundennähe. Die Erfahrungen aus diesem Nebenjob könnten sich bald als außergewöhnlich nützlich erweisen.

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