Josef Ackermann „Sehe ich traurig und enttäuscht aus?“

Josef Ackermann wechselt nicht in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank - und lächelt trotzdem. Der Bankchef gibt sich am Abend nach seiner Ankündigung keine Blöße. Auch Wolfgang Schäuble ist zufrieden.
Update: 14.11.2011 - 20:26 Uhr 34 Kommentare
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

(Foto: dpa)

FrankfurtAm Morgen prophezeit er Europas Banken ein „unruhiges Jahrzehnt“, am Abend ist klar: Josef Ackermanns Tage als Gesicht einer Branche sind gezählt. Der 63-Jährige verzichtet auf den Aufsichtsratsvorsitz und verlässt im Mai 2012 die Deutsche Bank. Eine Ära geht zu Ende. Die Nachricht kommt überraschend.

Ganz Profi geht Ackermann am Montag seinen Verpflichtungen nach, „business as usual“. Er spricht vor der versammelten Finanzelite in Frankfurt, verleiht am Abend seinem Kollegen Peter Sands (Standard Chartered Bank) den Preis „European Banker of the Year“, umrahmt von klassischer Musik.

Kurz vor der Preisverleihung lässt die Deutsche Bank die Bombe platzen und verkündet per ad-hoc-Mitteilung Ackermanns Verzicht auf den Aufsichtsratsposten. Die aktuellen Aufgaben in Krisenzeiten seien zu viele, darum könne sich Ackermann nicht angemessen auf die neue Aufgabe vorbereiten. Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner soll es statt seiner richten.

„Sehe ich traurig und enttäuscht aus?“ - das ist alles, was Ackermann über die Mitteilung hinaus zu entlocken ist. Dann wendet sich der Schweizer lächelnd ab und plaudert vertraulich mit seinem Vorvorgänger Hilmar Kopper.

Noch im Sommer war ein Abschied von Ackermann nach zehn Jahren an der Spitze praktisch undenkbar. Er stärkte das Privatkundengeschäft und machte den Konzern so unabhängiger von Schwankungen im Investmentbanking, er steuerte das Institut ohne Staatshilfe durch die Krise, er ist bis heute gefragter Ansprechpartner der Politik.

Schäuble nicht unglücklich
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34 Kommentare zu "Josef Ackermann: „Sehe ich traurig und enttäuscht aus?“"

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  • deltaone made my day!

  • @Realist: Ich sonne mich in meinem Erfolg von gestern und erspare mir vorerst weitere Prognosen. :-) Immerhin bin ich bisher unfehlbar.

  • ... und nun sage einer, beim Dax-Artikel wären die Trolle los. Im HB ist das offenbar normal, denn es gibt praktisch keine Redaktion.

    Zur Sache: Achermann hat, was auch immer aus den angelaufenen Prozessen raus kommt, einen tollen Job gemacht. Wenn er nun versucht haben sollte, den unsäglichen Blackout Breuers aus 2002 vor laufender TV-Kamera zu "neurtalisieren", wie gesagt, wenn er das versucht haben sollte, dann ist das eine Elend. Er hätte damit sein Ansehen ruiniert. Nicht sein Werk, nur sein Ansehen.

    Am meisten bin ich gespannt, wer für die vielen Kleingeister das neue Feindbild Nr. 1 werden wird, wenn Ackermann weg sein sollte. So einen findet man ja so schnell nicht wieder.....

    @ KeepColl: Gilt die tolle DAX-Analyse von gestern auch für heute? ;-)

  • Nein habe ich nicht begriffen - Schweineecke?? Versuchen Sie es doch mal mit einer Erklaerung. Bestimmt interessant!

  • Muss Ackermann gehen oder darf er? Die nächsten Jahre werden auf der ursprünglich avisierten Position sicher kein Zuckerschlecken.

    P.S.: Die letzten Diskussionsbeiträge lassen gewaltig an Niveau zu wünschen übrig. Auf deltaone lasse ich nichts kommen. Der hat was drauf und redet ziemlich vernünftig.

  • @neutral
    neid wäre in der Tat ein contraincidicuum.
    agreed.
    Längst geht es nicht mehr um Neid.
    Falls Sie das noch nicht begriffen haben sollten würden Sie in die Schweine-ecke zum Schämen gehören.
    schwer vorstellbar.

  • So isses!! Leider - und keine Besserung in Sicht.

  • Ackermann hat recht - warum sollte er sich das laenger antun und in der "Neid-Republik" verweilen und sich Amateurpolitikern aussetzen. Er hat einen guten Job gemacht - Kollegen unter Staatsaufsicht(Steuerzahler) sind nicht so erfolgreich. Schaeuble freut sich natuerlich, denn Ackermann spielte in der 1. Liga, Schaeuble kickt eher in der Kreisklasse.

  • In den letzten Jahren sind nicht nur viele Regierungschefs gestürzt worden, es sind auch sehr viele zurückgetreten. Dasselbe gilt für Bankenbosse und andere Wirtschaftsführer. Was glaubt ihr, hat das zu bedeuten? Gut, dass ihr dasselbe denkt! Aber wohin führt das - zur gemeinsamen Bankrotterklärung? Warum stottert die sonst so selbstsichere Kanzlerin zunehmend? Was, das ist euch noch gar nicht aufgefallen?! Dann habt ihr ihr in den letzten Tagen zuwenig zugehört.

    Aber: Was soll's! Wir brauchen die gemeinsame Entschuldung, den gemeinsamen Bankrott, wenn wir nicht über Jahrzehnte leiden wollen. - Und es scheint zunehmend so, dass es kommt, wie's kommen muss. Wir können nur auf die Gerechtigkeit hoffen, dass den Kleinsparern die Einlagen gerettet werden, obwohl es das erstemal wäre, dass so etwas geschieht, weshalb die Chancen eher als gering einzuschätzen sind.

  • ganz_anders_gesagt

    fukushima wurde teuer.

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