Kevin Rollins Verfluchte Karriere!

Seit Kevin Rollins den Computerbauer Dell führt, geht es bergab. Die jüngste Serie von Hiobsbotschaften trägt nicht dazu bei, die Kritiker des Mannes mit seitlich gescheitelten Haar zu beschwichtigen. An der Wall Street wird immer lauter Rollins Ablösung gefordert.
Dell-Chef Kevin Rollins. Foto: dpa Quelle: dpa

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ROUND ROCK. Von seinem Schreibtisch aus kann Kevin Rollins seinem Chef direkt in die Augen schauen. Nur eine Glaswand trennen die Schreibtische von Michael Dell, dem Gründer des größten Computerbauers der Welt, und Rollins, seinem zweiten Mann – ein nahezu perfektes Duo, das Dell zu immer neuen Höhen treibt.

So ist es bis zum 16. Juli vor zwei Jahren in der Konzernzentrale im texanischen Round Rock. Dann macht Rollins Karriere und steigt zum Vorstandschef auf, Michael Dell zieht sich in den Verwaltungsrat zurück. Seit Rollins' Beförderung häufen sich die Probleme. Das Unternehmen verfehlt mehrfach seine Ergebnisprognosen, der Dell-Kurs hat sich mehr als halbiert – und in der Wall Street fordern immer mehr, Michael Dell solle Rollins an der Konzernspitze ablösen. Die Karriere als Fluch.

Die jüngste Serie von Hiobsbotschaften trägt nicht dazu bei, die Kritiker des Mannes mit seitlich gescheitelten Haar zu beschwichtigen. Im abgelaufenen Quartal ist der Reingewinn um 51 Prozent eingebrochen, das Umsatzwachstum ist trotz aggressiver Preispolitik mit fünf Prozent anämisch. Darüber hinaus muss Dell wegen Brandgefahr die Batterien von 4,1 Millionen Laptops austauschen und gibt bekannt, dass die US-Finanzaufsicht SEC seit einem Jahr wegen „Unregelmäßigkeiten in der Buchführung“ ermittelt.

In Telefonkonferenzen mit Analysten und Journalisten versuchen Rollins und Finanzchef Jim Schneider, den Ball flach zu halten. Finanziell sei Dell von dem Rückruf „nicht wesentlich“ betroffen, weil der Zulieferer Sony für die Kosten aufkomme. Auf die Frage, ob das dadurch beschädigte Image das wichtige Herbstgeschäft beeinträchtigen könnte, antwortet Rollins nur: „Wir rechnen nicht damit.“

Er hat offenbar weiter die volle Unterstützung von Michael Dell, dessen Macht als Vorsitzender des Verwaltungsrates ungebrochen ist. Sein Nachfolger sei ein „hervorragender Manager“, lässt Dell die Öffentlichkeit wissen. Dafür ist das über Jahre gewachsene Vertrauen wohl zu groß in den Mann, der Michael Dell half, den Konzern auch durch die schwierige Zeiten zu führen. Rollins stammt aus dem von Mormonen gegründeten Bundesstaat Utah. Als gläubiger Mormone studiert er an der Brigham-Young-Universität in der Nähe von Provo, wo er auch seine spätere Ehefrau, Debra, kennen lernt. Anfang der 70er-Jahre, als für viele Altersgenossen Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll im Vordergrund stehen, absolviert er in Alberta und Saskatchewan, Kanada, seine beiden für Mormonen obligatorischen Missionsjahre.

Rollins geht im April 1996 zu Dell, nachdem er vorher als Partner in der Unternehmensberatung Bain & Co. wesentlich an der Entwicklung des Direktverkaufs-Geschäftsmodells von Dell beteiligt gewesen ist, mit dem der texanische Computerbauer zum Weltmarktführer aufsteigt. Bei Dell übernimmt er die Führung des Amerika-Geschäfts und sitzt dann als Präsident und Chief Operating Officer mit Michael Dell Tür an Tür, als die High-Tech-Blase platzt und viele Technologiefirmen abstürzen. Durch den Direktverkauf und eine schlanke Produktion hat Dell die bei weitem niedrigsten Kosten. Der Konzern gewinnt Marktanteile und verdient Geld, während bekannte Wettbewerber wie IBM, Hewlett-Packard und Compaq mit Personalcomputern Verluste schreiben.

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