Klaus Engel Neuer Chemiepräsident reicht einstigen Feinden die Hand

Erst Kniefall vor der Öko-Bewegung, jetzt Hand in Hand mit den Grünen: Klaus Engel, der neue Präsident des Verbands VCI kann nach eigener Aussage vor der Ökobewegung nur den Hut ziehen. Nicht alle Chemiebosse sind davon begeistert.
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Klaus Engels Aussage ist schon jetzt intern umstritten. Quelle: Pressebild

Klaus Engels Aussage ist schon jetzt intern umstritten.

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DÜSSELDORF. Es war eine große Geste, ein Kniefall vor dem einstigen Gegner. "Ich kann vor der Ökobewegung nur den Hut ziehen. Gerade die chemische Industrie muss zugeben, dass sie die hohe Effizienz und den weitreichenden Umweltschutz ohne den gesellschaftlichen Druck - aus eigenem Antrieb - nicht so weit vorangetrieben hätte", hat Klaus Engel, der neue Präsident des Branchenverbands VCI, in seiner Antrittsrede Ende Oktober gesagt.

Der 54-jährige Manager, im Hauptberuf Vorstandschef des Essener Mischkonzerns Evonik, weiß, dass er ein Tabu gebrochen hat - weil er dem einstigen Feind demonstrativ die Hand reicht. Nicht alle Chemiebosse sind davon begeistert, intern gibt es durchaus Kritik, ist in VCI-Kreisen zu hören.

Engel weiß aber auch: Nach seinem Vorstoß, mit dem er ein hohes Risiko eingegangen ist, gibt es kein Zurück mehr. Doch nur wenn die Umweltbewegung sein Angebot zum Dialog aufgreift, kann er mit seiner Initiative Erfolg haben.

Der ranghöchste Vertreter der Branche auf Roadshow: Heute trifft sich Engel mit Spitzenpolitikern der Grünen - mit Renate Künast, Jürgen Trittin und Fritz Kuhn. Seine Botschaft: Nicht nur die Industrie, auch die Politik - namentlich die Grünen - müsse sich bewegen, um Deutschland als attraktiven Standort zu stärken. Mit Thilo Bode, dem Gründer von Foodwatch und früheren Greenpeace-Chef, hat er vor Wochen ein Streitgespräch geführt.

Das ist ein neuer Stil: Engel setzt sich mit den Kritikern der Industrie an einen Tisch und trägt die Konflikte direkt aus. Mit diesem Pragmatismus des Praktikers führt er auch Evonik, den Konzern, an dessen Spitze der Mann mit der bulligen Statur seit Anfang 2009 steht.

Im Gegensatz zu seinem Mentor und Amtsvorgänger Werner Müller - ein politischer Stratege und patriarchalischer Typ -, bevorzugt Engel das Mannschaftsspiel. Eine schlechte Vorbereitung vor wichtigen Entscheidungen duldet der ungeduldige Teamchef nicht: "Da kann es schon mal laut werden", heißt es in seinem engsten Umfeld.

Aber Engel polarisiert nicht, er vermittelt. Die mächtige Gewerkschaft IG BCE hat deshalb zunächst seinem harten Sparkurs in der Krise und jetzt auch dem Verkauf der Energiesparte zugestimmt.

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