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Kommentar Wertschätzung fördert die Leistung mehr als jeder Gratiskaffee

Das Büro ist eine Wellnesszone, der Chef ein Duzfreund: Die Arbeitswelt ist im Wandel. Doch es braucht mehr, um die Mitarbeiterleistung zu fördern.
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Das Erscheinungsbild deutscher Büros hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Desksharing wird großgeschrieben. Quelle: Imago/Westend61
Büro

Das Erscheinungsbild deutscher Büros hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Desksharing wird großgeschrieben.

(Foto: Imago/Westend61)

Montagmorgens wird der mächtige Obstkorb in den Teeküchen frisch aufgefüllt, der Espresso kommt den ganzen Tag über gratis aus teuren Vollautomaten geschossen, der Nachwuchs tobt sich im betriebseigenen Kindergarten aus, und ein mehrere Quadratmeter großes Bällebad am Rande des Großraumbüros sorgt für Zerstreuung – falls sich der Mitarbeiter trotz des Rundum-Verwöhnprogramms seines Arbeitgebers doch einmal verspannen sollte.

Das Erscheinungsbild deutscher Büros hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert: Workbenches und Glasboxen statt Einzelbüros, ausladende Sofas und flauschige Teppiche statt grauer Schreibtische auf gesprenkeltem Linoleum. Desksharing wird großgeschrieben, Teilen statt Besitzen ist angesagt, der Begriff „Denkzonen“ ist geläufig.

Die neuen Arbeitsplätze erinnern an Wellnessoasen. Firmen möchten, dass ihre Mitarbeiter sich wohlfühlen und das Berufliche mit dem Privaten verwischt. Dazu passt, dass Chefs heute gern geduzt werden. Augenhöhe statt Ansagen, so lautet das Mantra der neuen Mitarbeiterführung.

Der rasche Wandel der Arbeitswelt ist offenkundig. Gestartet im Silicon Valley, wo Tech-Konzerne wie Google und Facebook exerzieren, wie modernes Arbeiten auszusehen hat. Doch das bunte Bild darf den Blick auf die nüchterne Realität nicht verstellen. Und die ist häufig noch ziemlich grau, weil hinter der zur Schau gestellten Fassade Mitarbeiter nicht selten frustriert zwischen Entgrenzung, Überforderung und Bevormundung agieren.

Denn bei allem Glauben an Modernität, bei allem Jubel über neue Arbeitsformen sollte eines nicht vergessen werden: Die Wertschätzung des Vorgesetzten ist noch immer der beste Antreiber für die eigene Leistung. Nur wer sich und seine Arbeitsleistung wahrgenommen und geschätzt fühlt, identifiziert sich tatsächlich mit seinem Arbeitgeber. Dieses Gefühl ist ein weit besserer Antreiber als jeder Gratiskaffee oder jedes Bällebad.

Fakt ist: Der „War for Talents“, der Kampf um die besten Köpfe, hat die Fantasie beflügelt. Neben kuscheligen Arbeitsplätzen locken Unternehmen dringend benötigte Nachwuchskräfte mit vielen Goodies: firmeneigenen Akademien, aufregenden Skifahrten mit den Kollegen, Grillabenden in der angesagten Event-Location, Firmenwagen selbstverständlich auch, oder, ganz aktuell, E-Bikes auf Firmenkosten.

Auch die Besoldung hat sich modernisiert: Immer mehr Firmen rücken in ihrer Bezahlung von der Huldigung der Einzelkämpfer ab. Unternehmen wie Deutsche Bahn, Bosch und Infineon setzen auf kollektive Erfolgsbeteiligungen statt – so wie früher – auf individuelle Boni.

Auch das ist ein Resultat der neuen Arbeitswelt: Die Arbeit in kleinen Teams, die sich immer neu zusammensetzen, macht eine Messung der Leistung immer schwieriger. Nicht der Einzelkämpfer ist gefragt, das Team zählt.

Der Anspruch an die Mitarbeiter – und auch an das Topmanagement – hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Tradierte Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle radikal ändern, aus Autoherstellern werden Mobilitätsanbieter, aus Verlagen werden Content-Anbieter, aus Händlern Medienplattformen.

Planbarkeit ist ein rares Gut geworden. Managementberater bezeichnen dies als „Vuca-Welt“. Der Begriff ist ein Akronym aus den Anglizismen Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity.

Schon das Wort löst zwangsläufig Verunsicherung aus. Doch wer die Antwort auf diese Herausforderung im Bällebad, Flauschteppich oder Kollektivbonus zu finden glaubt, der ist auf einem falschen Weg.

Es gilt, die Führung der Mitarbeiter neu auszurichten. Die nun vor allem Mitarbeitermotivation sein sollte. Ob der Chef dabei zum Duzkollegen wird, ist zweitrangig. Wichtig ist, ob der Vorgesetzte in der Lage ist, die Talente von morgen zu motivieren – und den Wert ihrer Arbeit zu schätzen.

Wertschätzung äußert sich beispielsweise in der Freiheit, die ein Unternehmen seinen Mitarbeitern zugesteht. Freiheit wiederum funktioniert nur mit Eigenverantwortung. Wenn Firmen dem Wunsch der Mitarbeiter nach Homeoffices oder nach Arbeitssouveränität nachkommen, steigert dies deren Motivation – und deren Arbeitsleistung.

Der moderne Chef ist mehr Coach als Ansager. Er muss die Motive seiner Mitarbeiter kennen, um sie fördern zu können. Das bedeutet aber auch, dass er um seine eigenen Motive wissen muss.

Viele Topmanager buchen inzwischen Ausbildungen als Coaches und als Mediatoren – und finden darin tatsächlich die geeigneten Instrumente für die neue Arbeitswelt. Fachlich können sie ihre Mitarbeiter oft nur noch wenig unterstützen, dafür ist die Arbeit zu speziell geworden. Sie müssen vertrauen – und moderieren.

„Vertrauen ist der Anfang von allem“, warb die Deutsche Bank in den 1990er-Jahren. Ein Slogan, der gut die Agenda des modernen Chefs bestimmen könnte. Vertrauen heißt, Handlungs- und Entscheidungsspielräume abzugeben – und die volle Kontrolle über alle Prozesse freiwillig aufzugeben.

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