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Konjunkturabschwung Immer mehr Hiobsbotschaften: Zahl der Gewinnwarnungen auf Zehnjahreshoch

Im ersten Halbjahr haben so viele deutsche Unternehmen ihre Ertragsprognosen gesenkt wie noch nie seit der Krise 2009. Doch es geht nicht für alle bergab.
04.09.2019 - 09:03 Uhr 1 Kommentar
Deutsche Wirtschaft: Zahl der Gewinnwarnungen auf Zehnjahreshoch Quelle: Reuters
Autoexporte

Großer Schwachpunkt der deutschen Wirtschaft ist ausgerechnet die so wichtige exportorientierte Industrie.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Mit 86,9 Milliarden Euro haben die 30 Dax-Konzerne im abgelaufenen Geschäftsjahr nur neun Prozent weniger Nettogewinn eingefahren als im Jahr davor. Dieses Minus bedeutete immer noch das zweitbeste Ergebnis in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Trotz Handelskonflikt und schwächerer Weltwirtschaft. Noch besser war nur das Boomjahr 2017, als die Unternehmen 95,5 Milliarden Euro verdienten.

Doch die zunehmend schwächer werdende Konjunktur und die internationalen Konflikte machen immer mehr deutschen Unternehmen zu schaffen. Deshalb senken sie ihre Umsatz- oder Gewinnprognosen. So wie etwa der Autobauer Daimler, der Zulieferer Continental und der Chemieproduzent BASF im Dax oder etwa der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich, die Maschinenbauer Krones und Aumann, der Anlagenbauer Dürr und der Stahlhändler Klöckner in der zweiten und dritten Börsenliga. Daimler-Chef Ola Källenius kappte die Prognose innerhalb von vier Wochen gleich zweimal.

All diese Unternehmen und ihre Hiobsbotschaften sind keine Ausnahmen, sondern der große Trend in diesem Jahr. Im ersten Halbjahr gaben die 308 im Prime Standard notierten Unternehmen nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY 54 Gewinn- oder Umsatzwarnungen heraus. Das ist gut ein Drittel mehr (38 Prozent) als im Vorjahreszeitraum und zugleich ein neuer Höchststand seit der schwersten Nachkriegsrezession 2009. Im deutschen Prime Standard notieren unter anderem alle Unternehmen aus dem Dax, MDax, TecDax und SDax.

So gut wie alle betroffenen Konzerne eint, dass sie mehr als die Hälfte ihrer Umsätze und Gewinne im Ausland erwirtschaften – und deshalb besonders stark unter dem zurückgehenden Welthandel infolge der Handelskonflikte leiden. Weit verzweigte Lieferketten erhöhen die Kosten, etwa wenn Autoteile rund um die Welt verschifft werden - oder aber, wenn China Zölle auf in Amerika produzierte Limousinen von BMW und Daimler erhebt.

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    „Der Gegenwind für die deutschen Unternehmen nimmt zu“, beobachtet EY-Partner Martin Steinbach, „zahlreiche Unternehmen mussten schon zu Beginn des Geschäftsjahres feststellen, dass ihre ohnehin nicht übermäßig optimistischen Prognosen doch nicht erreichbar sind.“

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    Die Liste an schlechten Nachrichten ist lang: Weltweit verliert die Konjunktur an Kraft, in Deutschland schätzen Monat für Monat rund 9000 vom Forschungsinstitut Ifo befragte Unternehmen ihre Situation und Aussichten schlechter ein, der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt verunsichert zusätzlich, und in Europa scheint alles auf einen harten Brexit hinauszulaufen, wenn Großbritannien am 31. Oktober die Europäische Union verlässt.

    Großer Schwachpunkt der deutschen Wirtschaft ist ausgerechnet die so wichtige exportorientierte Industrie. Doch inzwischen droht die schwächere Auslandsnachfrage auch den immer noch robusten Binnenmarkt und damit andere, bislang stabile Sektoren in Mitleidenschaft zu ziehen. Begonnen hatte der Abschwung bereits im vergangenen Sommer bei den Autobauern, als diese ihre Produktion angesichts der Probleme bei der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP herunterfuhren.

    Großkonzerne sind stärker betroffen

    Im Juni produzierten 23 von 30 Industriesektoren weniger als im Vorjahr. Anstiege gab es nur noch in konjunktur-unempfindlichen Bereichen wie Nahrungsmittel, Kleidung und Möbel. „Damit kann in der Industrie von einem bloßen Durchhänger schon lange keine Rede mehr sein“, kommentiert Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen, „vielmehr befindet sie sich in einer der schwierigsten Phasen seit der Wiedervereinigung.“

    Allerdings leiden nicht alle unter der weltweit schwächeren Konjunktur. So verzeichnet der Dax-Neuling Wirecard, Spezialist für digitale Bezahlsysteme, ungebremstes Wachstum. Auch viele kleinere, hoch spezialisierte Technologie- und Biotechfirmen wie etwa der IT-Dienstleister Cancom und der Wirkstoffprüfspezialist Evotec präsentierten zuletzt gute Quartalsergebnisse – und hoben die Prognosen sogar an. Auch in der Immobilienbranche laufen die Geschäfte angesichts der historisch niedrigen Zinsen und des daraus resultierenden Baubooms und Mietpreissteigerungen gut.

    Die meisten Gewinnwarnungen kamen im ersten Halbjahr aus der Automobilbranche: Fünf der zwölf börsennotierten Autobauer oder Zulieferer mussten im ersten Halbjahr ihre Prognosen nach unten korrigieren. Im Dax sind neben Daimler auch BMW und Continental betroffen, einzig Volkswagen hielt an seinen Zielen fest.

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    Auffallend ist nach Analysen von EY, dass Großkonzerne den konjunkturellen Gegenwind offenbar deutlich stärker zu spüren bekommen als kleinere Unternehmen: So haben nur vier Prozent der Konzerne mit einem Jahresumsatz von mehr als fünf Milliarden Euro die eigene Prognose angehoben. Dazu zählt im Dax der Softwarehersteller SAP. In der Gruppe der Unternehmen mit höchstens 250 Millionen Euro Umsatz hat hingegen fast jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) seine Erwartungen angehoben.

    Anleger scheinen sich an die vielen Gewinnwarnungen aber inzwischen zu gewöhnen, denn mehr und mehr verpuffen die Hiobsbotschaften. Im Durchschnitt sanken die Kurse am Tag der Warnung um fünf Prozent – im Vorjahr lag der Kursverlust noch bei durchschnittlich acht Prozent.

    Handelsblatt-Berechnungen zeigen sogar, dass die Kurse nach den Schreckensnachrichten oftmals sogar gestiegen sind. So führten Continental-Aktien an einem Dienstag im Juli mit einem Zugewinn von fast fünf Prozent die Gewinnerliste im Dax an, obwohl der Autozulieferer am Abend davor nach Börsenschluss seine Ertragsziele gesenkt hatte. Auch die Daimler-Aktie war trotz Hiobsbotschaft gestiegen.

    Fakt ist, dass Gewinnwarnungen an der Börse im Moment wenig ausrichten. Grund dafür dürfte sein, dass sich Analysten und Aktionäre angesichts des weltweiten Konjunkturabschwungs längst darauf eingestellt haben, zudem sind die Kurse seit langem stark gefallen. Seit Anfang vergangenen Jahres verlor Daimler gut 40 Prozent, Continental über 50 Prozent. In vielen Kursen steckt bereits viel Enttäuschungspotenzial.

    Mehr: Spezialisten in Nischen heben sich im weltweiten Abschwung gegenüber den großen Allroundern ab, meint Handelsblatt-Reporter Ulf Sommer.

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    1 Kommentar zu "Konjunkturabschwung: Immer mehr Hiobsbotschaften: Zahl der Gewinnwarnungen auf Zehnjahreshoch"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist zu beobachten, dass Städte und Gemeinden ziemlich alte Transportmittel haben, Autos, Busse, Transporter etc.. Wie wäre es, die schwarze Null zu beenden und für die Gebietskörperschaften neue Fahrzeuge (Verbrenner) anzuschaffen, die man jahrelang nutzen kann? Das Zinsumfeld ist lächerlich gering. Die Industrie sollte endlich Druck auf die Politiker machen, die schwarze Null zu beenden. In China, Japan und in USA lacht man über den Blödsinn der schwarzen Null schon seit Jahren. Vom Ende der schwarzen Null profitieren die Unternehmen als erste und dann erst die Arbeitnehmer und der Service herum um die Industrie.

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