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Kraftwerksbetreiber Uniper-Chefkontrolleur Bernhard Reutersberg schließt Frieden mit Fortum

Lange hat der Aufsichtsratschef den Kampf des Uniper-Vorstands gegen Fortum gestützt. Das ist vorbei. Jetzt leitet er die Friedensgespräche ein.
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Der Uniper-Aufsichtsratschef hat den Kampf gegen Fortum beendet. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Bernhard Reutersberg

Der Uniper-Aufsichtsratschef hat den Kampf gegen Fortum beendet.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

DüsseldorfTreuebekenntnisse sind in der Regel mit Vorsicht zu genießen. Die Worte, die der Chefkontrolleur von Uniper am 21. November 2017 wählte, waren aber ganz offensichtlich ehrlich gemeint: „Wir stehen voll und ganz hinter Klaus Schäfer und dem gesamten Vorstand“, hielt Bernhard Reutersberg vor Journalisten fest.

Seite an Seite mit Schäfer äußerte sich der groß gewachsene, schlanke Manager damals zum kurz zuvor eingereichten Übernahmeangebot des finnischen Energiekonzerns Fortum für den Stromproduzenten. In einer scharf formulierten Rede hielt er fest, dass Aufsichtsrat und Vorstand eine Linie verfolgten: Sie wiesen die Offerte gemeinsam zurück.

Jetzt ist das Treuebekenntnis allerdings Geschichte. Am Dienstagabend gab der 64-Jährige die Trennung von Schäfer und Finanzvorstand Christopher Delbrück bekannt – er selbst hatte sie maßgeblich vorangetrieben.

Zwischen Treuebekenntnis und Entlassung liegt ein erbitterter Abwehrkampf von Uniper gegen den Fortum-Konzern, der sich inzwischen 49,99 Prozent der Anteile gesichert hat. Den Kampf hatten Schäfer, Delbrück und Reutersberg zuerst gemeinsam geführt.

Im Gegensatz zu seinen Vorständen erkannte der Chefkontrolleur aber, dass der Kampf verloren ist und sich seine Vorstände verrannt hatten. Deshalb sprach Reutersberg jetzt ein Machtwort. Ein „Weiter-so“ könne es nicht mehr geben, erklärte er. „Es wird Zeit, entschlossen die nächsten Schritte anzugehen und sich aufeinander zuzubewegen.“ Ab jetzt soll Uniper mit Fortum zusammenarbeiten – unter seiner Anleitung.

Dabei hatte sich Reutersberg von Fortums Offerte damals genauso brüskiert gefühlt wie Schäfer. Vor allem aber fühlten sich beide von ihrem ehemaligen Vorstandskollegen bei Eon, Johannes Teyssen, getäuscht.

Teyssen hatte Anfang 2016 das notleidende Geschäft mit den Kohle- und Gaskraftwerken und den Großhandel im neuen Unternehmen Uniper abgespalten. Seine Eon sollte sich ganz auf die schöne neue Energiewelt konzentrieren. Aber auch die konventionelle Stromproduktion sollte so ihre Kräfte bündeln. Schäfer, damals Finanzvorstand von Eon, übernahm den Vorstandsvorsitz. Reutersberg, unter Teyssen Vertriebsvorstand, wurde Aufsichtsratschef.

Reutersberg entschied sich bewusst für Uniper

 Beide hatten jahrelang eng mit dem Eon-Chef zusammengearbeitet. Reutersberg saß im Vorstand von Eon Energie in München, als Teyssen die für Deutschland zuständige Tochter leitete, und er wurde 2010 in den Konzernvorstand geholt, als Teyssen dort den Vorsitz übernahm.

Obwohl Uniper als Resterampe galt, entschied sich Reutersberg bewusst für das neue Unternehmen. Schließlich hatte er selbst jahrelang den Gasgroßhändler Eon Ruhrgas geleitet, dessen Geschäft in Uniper aufging. Und tatsächlich überraschte Uniper die Kritiker. Der Börsengang gelang, die Aktie legte rasant zu.

Aber gerade als sich Reutersberg mit Schäfer an eine Vorwärtsstrategie wagte, wurde das Projekt jäh gestoppt. Reutersberg hatte am 20. September 2017 den Aufsichtsrat zu einer Strategieklausur nach Bayern gerufen, als eine Meldung über den Ticker lief, die Uniper die Selbstständigkeit kosten sollte: Eon hatte Fortum das restliche Paket von knapp 47 Prozent zugesagt. Reutersberg fühlte sich von Teyssen getäuscht. Teyssen habe doch versprochen, die Anteile an der Börse zu platzieren, schimpfte er.

Tatsächlich war der Abwehrkampf zum Teil erfolgreich. Den Finnen gelang zwar der Einstieg, der Griff nach der Mehrheit ist ihnen aber vorerst verwehrt. In Russland wurde die Transaktion zwar gebilligt, aber nur unter der Auflage, dass Fortum unter 50 Prozent bleibt.

Aber während das Uniper-Management das Patt als Erfolg empfand, musste Reutersberg schon qua Amt die Interessen des größten Aktionärs endlich auch berücksichtigen – zumal der langfristig ohnehin die Kontrolle erwerben wird –, mit oder gegen das Management.

Und so übernahm Reutersberg selbst die Initiative, führte Gespräche mit Fortum-Chefaufseher Matti Lievonen und CEO Pekka Lundmark – und kam zum Schluss: Es braucht einen Neuanfang. Die zwei verbliebenen Vorstände sollen jetzt in einer Arbeitsgruppe ausloten, wie Uniper und der Großaktionär künftig kooperieren können. Reutersberg selbst hat seine Vorbehalte zwar auch noch nicht abgebaut: „Sind wir jetzt beste Freunde? Vielleicht später einmal. Jetzt sind wir es nicht“, hielt er am Mittwoch gegenüber Analysten fest. Aber er ist sich seiner Verantwortung bewusst – und wird den Prozess entschlossen vorantreiben.

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