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Lafarge-Holcim Zementriese wirbt Chef des Konkurrenten ab

Der schweizerisch-französische Zementriese Lafarge-Holcim hat einen neuen Konzernchef. Der ehemalige Leiter des Bauchemiekonzerns Sika, Jan Jenisch, wird zukünftig den größten Baustoffhersteller der Welt leiten.
22.05.2017 Update: 22.05.2017 - 12:42 Uhr Kommentieren
Der 50-jährige Deutsche gilt als Architekt des Erfolgs von Sika. Quelle: Reuters
Jan Jenisch

Der 50-jährige Deutsche gilt als Architekt des Erfolgs von Sika.

(Foto: Reuters)

Zürich Der skandalgeplagte Zementriese Lafarge-Holcim hat die Lücke an der Konzernspitze überraschend schnell geschlossen. Am 16. Oktober übernimmt der Chef des Bauchemieunternehmens Sika, Jan Jenisch, das Steuer beim Weltmarktführer, wie Lafarge-Holcim am Montag mitteilte. Der 50-jährige Deutsche gilt als Architekt des Erfolgs von Sika, die in den vergangenen Jahren trotz eines feindlichen Übernahmeversuchs Umsatz und Margen kräftig steigern und den Börsenwert seit seinem Amtsantritt 2011 verdreifachen konnte. Die Anleger hoffen, dass Jenisch auch bei Lafarge-Holcim das Geschäft ankurbelt - die Aktien des Baustoffkonzerns kletterten um 6,6 Prozent.

„Jan Jenisch ist als CEO weit herum respektiert für seine nachhaltig erfolgreichen Geschäftsergebnisse und er verfügt über ein tiefes Verständnis für den Baumaterialsektor“, erklärte Lafarge-Holcim-Präsident Beat Hess. Beim Zementkonzern müsse er die Umsetzung der Strategie beschleunigen. Einem Insider zufolge war der Verwaltungsrat nicht zufrieden mit der Leistung von Konzernchef Eric Olsen, der das Unternehmen seit dem Zusammenschluss der französischen Lafarge mit der Schweizer Holcim im Sommer 2015 führte. „Er hat nicht das ganze Potenzial gehoben, da muss mehr kommen“, erklärte die mit der Sache vertraute Person.

Vor allem zu Beginn lief die Integration der grundverschiedenen Kulturen der Unternehmen nicht rund, und Lafarge-Holcim hatte gegenüber Rivalen wie Heidelberg Cement das Nachsehen. Dazu kam eine Affäre um Schutzgeldzahlungen im syrischen Bürgerkrieg, die Olsen vor vier Wochen schließlich zum Rücktritt zwang. Der Amerikaner will noch bis Juli bleiben, danach führt Hess den Konzern vorerst interimistisch. Eine Änderung der Strategie sei auch unter Jenisch nicht geplant, ergänzte ein Sprecher.

„Jenisch ist das Beste, was Lafarge-Holcim passieren konnte“, sagte Bernstein-Analyst Phil Roseberg. Er erfülle alle Anforderungen, die der neue Konzernchef angesichts der Probleme des Unternehmens mitbringen müsse. Zudem verkürze die rasche Ernennung Jenischs die Übergangszeit beträchtlich.

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    Ein Schlag ist sein Abgang dagegen für Sika, deren Aktie um 2,5 Prozent nachgab. Nachfolger Jenischs wird Paul Schuler. Der langjährige Manager verantwortet zurzeit das Geschäft in Europa und arbeitete Analysten zufolge bei der Ausarbeitung der Sika-Strategie eng mit Jenisch zusammen. Marktteilnehmer spekulierten, ob der Chefwechsel als Signal gewertet werden könne, dass die Chance einer Übernahme durch die französische Saint-Gobain steige. „Wer weiß, vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass die Abwehrlinie nun fällt und St. Gobain die Festung stürmt“, sagte ein Händler. Die Franzosen wollen seit Ende 2014 die Kontrolle bei Sika an sich reißen, sind bisher aber am Widerstand von Management und Verwaltungsrat gescheitert.

    • rtr
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