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Leifheit-Chef Thaller Mit dem Wischmopp gegen das angestaubte Image

Leifheits neuer Vorstandschef Georg Thaller will den traditionsreichen Hausgerätehersteller mit einem umweltfreundlichen Sortiment wieder in Fahrt bringen. Nach einem drastischen Restrukturierungsprogramm seines Vorgängers, setzt der erfahrene Manager nun vor allem auf Innovationen.
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Der neue Leifheit-Chef Georg Thaller will den Wischmopp neu erfinden. Quelle: Pressefoto Fissler

Der neue Leifheit-Chef Georg Thaller will den Wischmopp neu erfinden.

DÜSSELDORF. Der Flachwischer, hebt Georg Thaller dozierend den Zeigefinger, komme meist in Deutschland und Skandinavien zum Einsatz. „Der Südeuropäer dagegen favorisiert den Wischmopp.“ Zu welchem Reinigungsmaterial die Hausfrau greift, entscheide stets „die Kultur im Lande“.

Was für die einen klingt wie ein Sketch von Loriot, ist für den 49-Jährigen bitterer Ernst. Seit November nämlich steht der gebürtige Hannoveraner mit der markanten Brille und dem leicht ergrauten Kurzhaarschnitt dem Hausgeräteproduzenten Leifheit vor. Auf der Frankfurter Branchenmesse Ambiente lüftete er gestern seinen Plan, wie es mit dem Nassauer Markenartikler weitergehen soll.

Thallers neues Reich, dem der Teppichkehrer „Regulus“, die „Telegant“-Wäschespinne und der „Lifty“-Dosenöffner in Wirtschaftswunderzeiten zu Ruhm und Anerkennung verhalf, verpasste in den letzten Jahren den Anschluss. Nach beständigem Umsatzschwund und hohen Verlusten verordnete der damalige Vorstandschef Hans-Georg Franke dem Unternehmen 2004 eine drastische Restrukturierung. Jeder fünfte Mitarbeiter unter den damals 2 000 Beschäftigten musste gehen, die Produktion wanderte zu erheblichen Teilen in Richtung China. Der erhoffte Durchbruch aber blieb aus. Lieferengpässe, eine Folge des China-Projekts, drückten 2005 erneut den Umsatz um fast fünf Prozent. Vergeblich warteten die Aktionäre – 45 Prozent hält ein Pool der Familie Schuler-Voith, zusätzliche zehn Prozent das Familienmitglied Manuel Knapp-Voith – auf eine Dividende.

Erst Frankes Nachfolger Denis Schrey stoppte 2008 die Dauertalfahrt. Bevor er sich in die Geschäftsleitung des Molkereifürsten Theo Müller nach Aretsried verabschiedete, hinterließ Schrey für 2009 ein Jahresergebnis, das für Leifheit-Verhältnisse geradezu üppig ausfiel: Bei 272 Mio. Euro Umsatz blieben mehr als sechs Mio. Euro Betriebsgewinn (Ebit).

Georg Thaller, der nach kurzer Führungsvakanz vor drei Monaten den Staffelstab übernahm, will beweisen, dass die Traditionsmarke nicht allein durch Sparprogramme am Leben zu halten ist. „Die Phase der Restrukturierung ist abgeschlossen“, sagte er schon kurz nach seinem Amtsantritt dem Handelsblatt, „jetzt müssen wir wieder Innovationen schaffen.“ Firmengründer Günter Leifheit habe damit schließlich seit 1959 das Unternehmen groß gemacht, bevor er es 1972 an den amerikanischen Konzern ITT verkaufte.

Bereits Fissler, wo Thaller zuvor sieben Jahre die Geschäfte führte, brachte der Markenexperte durch Innovationen und hohe Qualitätsanforderungen erfolgreich auf Wachstumskurs. „Der Mann weiß, was er will“, berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter. Entscheidungen bereite er vorzugsweise im Team vor, anschließend aber erwarte er bedingungslose Gefolgschaft.

Der Glaube an die Kraft der Innovation treibt Thaller auch bei Leifheit. Umweltfreundlicher soll es künftig beim Hausputz zugehen, gibt er die Richtung vor. Ausbauen will Thaller nicht nur die firmeneigenen Badartikelmarken Meusch, Kleine Wolke und Spirella oder das Geschäft mit Soehnle-Haushaltswaagen und Dr.-Oetker-Backgeräten. Zum Verkaufsschlager will er außerdem den Wischmopp „Twister“ machen, ein Feudel, der im Wischeimer seine Feuchtigkeit nach dem Prinzip eines Kinderkreisels abgibt und im Laden 35 Euro kostet. Für das Wunderding lässt Thaller seit Januar Fernsehwerbung schalten. Alles andere als ein Umsatzplus in diesem Jahr, meint er deshalb, wäre eine Blamage.

Um Wettbewerbern wie Vileda Marktanteile zu entreißen, hat der neue Chef die Entwicklungsabteilung unter Artenschutz gestellt. Zwar kaufen die Nassauer – anders als noch vor zehn Jahren – heute zwei Drittel ihres Sortiments bei Fremdfirmen zu, und nur noch ein Drittel der Arbeitsplätze unterhält Leifheit an den deutschen Standorten Nassau und Zuzenhausen am Neckar.

Die Zahl der Tüftler aber blieb im Unternehmen unangetastet. „Wir müssen immer eine Idee besser sein“, zitiert Thaller den eigenen Reklamespruch.

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