Leo Apotheker Das Comeback eines Gescholtenen

Ist er nur eine Notlösung, jemanden, den sich Hewlett-Packard mangels Alternativen mit üppigen finanziellen Zusagen holen musste? Die Berufung des früheren SAP-Chefs Leo Apotheker an die Spitze des nach Umsatz weltgrößten IT-Konzerns sorgt für Gesprächsstoff. Doch dem 57-Jährigen selbst kann das, so paradox es klingen mag, nicht ganz unrecht sein.
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Leo Apotheker: Der ehemalige SAP-Chef rückt nun an die Spitze von Hewlett-Packard. Quelle: Gaby Gerster/laif

Leo Apotheker: Der ehemalige SAP-Chef rückt nun an die Spitze von Hewlett-Packard.

FRANKFURT. Nicht nur eine Antrittsprämie von vier Millionen Dollar sowie eine mit 4,6 Millionen Dollar dotierte "Umzugshilfe" tragen zu der Beunruhigung bei. Auch die Tatsache, dass Apotheker erst im Februar bei SAP seinen Rücktritt erklärt hatte, weil der Aufsichtsrat seinen Vertrag nicht verlängern wollte, ist wenig hilfreich.

Doch dem 57-Jährigen könnte das, so paradox es klingen mag, gar nicht ganz unrecht sein. Denn nun sind die Erwartungen an den "Neuen" gedämpft, kann der zweifache Vater mit Wohnung mitten im Zentrum von Paris zeigen, was wirklich in ihm steckt.

Bei SAP konnte er das zuletzt nicht wirklich. Im Mai 2009 übernahm er die Führung des weltgrößten Anbieters von Programmen zur Steuerung von Unternehmen. Doch die Krise ließ auch ihn nicht reüssieren. Die Software-Verkäufe rauschten in den Keller.

Apotheker zog die Notbremse, und beschloss, 3 000 Stellen zu streichen. Niemals zuvor waren beim Wachstumskonzern SAP so viele Jobs gestrichen worden. Der Unmut in der Belegschaft, die schon die Berufung von Apotheker skeptisch beäugt hatte, wuchs. Und dann fingen auch noch die Kunden an zu rebellieren. Denen hatte der neue Frontmann von SAP ziemlich brüsk und kurzfristig höhere Wartungspreise vorgesetzt. Am Ende musste SAP klein beigeben.

Apotheker polarisiert. Mal ist er ganz Charmeur, dann wieder der harte Vertriebsprofi, der auch Mitarbeiter bloßstellt. Da wird schon mal vergessen, dass der leidenschaftliche Weinkenner über 20 Jahre maßgeblich zum Erfolg der SAP beigetragen hat und etwa das schwierige US-Geschäft sanierte.

"Apotheker ist ein brillanter Analytiker. Er kann sehr gut strukturieren, das ist gut für HP", glaubt ein früherer Wegbegleiter. Auch SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner scheint von Apothekers Zukunft überzeugt zu sein, trotz des Misstrauensvotums zu Jahresbeginn: "Ich gratuliere Leo Apotheker zu seiner Ernennung als Vorstandsvorsitzenden." Eine weitere Seltsamkeit dieser Personalie.

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