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Liquiditätsmanagement Rotstift bei den Investitionen – So halten Firmen ihr Geld zusammen

Unternehmen streichen ihre Ausgaben zusammen, um ihre Liquidität zu sichern. An Top-Projekten sollten sie dennoch festhalten, raten Experten
31.03.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Voller Ausgabenstopp in der Coronakrise. Quelle: dpa
Montage bei ZF

Voller Ausgabenstopp in der Coronakrise.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Stuttgart Im vergangenen Jahr hat Deutschlands drittgrößter Autozulieferer ZF noch so viel investiert wie nie zuvor: 1,9 Milliarden Euro flossen 2019 allein in neue Sachanlagen. Jetzt wird bei dem Friedrichshafener Unternehmen mitten in der Coronakrise jeder Cent umgedreht.

„Natürlich halten wir Investitionen gerade an, wir haben einen vollen Ausgabenstopp zurzeit mit allem, was wir tun“, sagt ZF-Chef Wolf-Hennig Scheider. Schließlich könnte der Produktionsstopp außerhalb Chinas seiner Befürchtung nach noch bis Mai andauern.

Deutschlands Unternehmen halten ihr Geld zusammen: Liquiditätsmanagement hat derzeit Priorität. Und da setzen viele Unternehmen nun bei ihren Investitionen an, wie eine dem Handelsblatt vorliegende Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigt.

PwC hat Finanzvorstände von Unternehmen aus Dax, MDax und SDax befragt, wie sie auf den wirtschaftlichen Einbruch reagieren: 64 Prozent wollen Investitionen verschieben oder komplett streichen. Dieser Eingriff stand in der Umfrage an erster Stelle – nach Kostensenkungen und der Aufstellung eines komplett neuen Finanzplans.

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    Den Trend bestätigen Sanierungsexperten. „Produzierende Branchen verfügen vor allem über zwei Bilanzhebel zur Liquiditätssicherung. Neben einem Einkaufsstopp und Abverkauf von Rohmaterialien eignet sich vor allem eine sofortige Überprüfung anstehender und ausgewählter laufender Investitionen“, sagt Ralf Moldenhauer, Managing Director und Restrukturierungsexperte bei der Boston Consulting Group.

    Davon machen viele Firmen nun Gebrauch: Sixt, Hugo Boss und Hapag-Lloyd verschieben oder überprüfen diese Ausgaben. Bei Lufthansa sind Investitionen von ursprünglich gedachten drei Milliarden Euro weitgehend gestrichen.

    Doch der Umgang mit Investitionen ist ein sensibles Thema: Schließlich müssen sich die Unternehmen für die Zukunft rüsten und für den Neustart der Wirtschaft nach der Krise – auch wenn daran gerade wenige denken mögen.

    Digitalprojekte schützen

    Unternehmen sollten in der aktuellen Phase zwischen „guten Kosten“, die es zu schützen gilt, und „schlechten Kosten“, die gesenkt werden sollten, unterscheiden, empfiehlt Ulrich Störk, Sprecher der Geschäftsführung von PwC Deutschland. „Das ist nicht einfach, aber es gibt Investitionen, die gerade in dieser Phase erst recht gemacht werden müssen.“

    Die PwC-Studie zeigt, wo die Unternehmen derzeit ansetzen: An erster Stelle werden geplante Erweiterungsinvestitionen oder Neubauten gestrichen. Dies planen 72 Prozent der befragten Firmen. 67 Prozent legen den vorgesehenen Ausbau der Geschäftsprozesse auf Eis, etwa im Vertrieb. 61 Prozent setzen bei der Personalarbeit an – also bei allem, was Neueinstellungen und externe Weiterbildung betrifft.

    Zugleich zeigt sich aber, dass viele Unternehmen trotz der schwierigen Lage an zukunftweisenden Investitionen und Transformationsprojekten festhalten. Beim Autozulieferer ZF etwa werden Entwicklungsprojekte für neue Modelle „ungebremst weitergeführt“, wie CEO Scheider unterstreicht, zum Beispiel bei neuen Elektroautomodellen, die unter dem Druck schärferer Klimaschutzvorgaben in der Pipeline sind.

    Volkswagen will bei wichtigen Themen wie der Stärkung der E-Mobilität und Softwareentwicklung nicht zurückstecken. Andere Investitionsvorhaben würden aber hinterfragt. „Wir verschieben Projekte, die nicht erfolgskritisch sind“, sagt Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess.

    Wegen der Verschärfung des syrisch-türkischen Konflikts hatte VW die Entscheidung über den Bau eines neuen Werks in der Türkei bereits 2019 ausgesetzt. Durch die Coronakrise rücke dieses Projekt nun noch weiter in den Hintergrund, sagt ein Konzerninsider.

    Bei der PwC-Befragung gaben nur 28 Prozent der Finanzvorstände an, bei Projekten zur digitalen Transformation kürzen zu wollen – diesen grundlegenden Wandel wollen also drei Viertel der Firmen noch nicht kurzerhand stoppen. Bei Forschung und Entwicklung planen ebenfalls nur 39 Prozent Streichungen.

    „Ich kann nur davor warnen, aus Angst und mit Blick ausschließlich auf die Kosten wichtige Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung aus den Augen zu verlieren“, sagt PwC-Deutschlandchef Störk. Die Prüfungsgesellschaft habe sich bewusst entschieden, weiter in ihre digitale Transformation zu investieren, vor allem in die Belegschaft.

    McDonald‘s lagert aus

    Firmen, die in Existenznot sind und über kein Liquiditätspolster verfügen, dürfte dies schwerfallen. Experten raten dazu, sich zunächst ein umfassendes Bild zu verschaffen und alle zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben über die nächsten 13 Wochen aufzulisten. Das fällt vielen Managern schwer, weil Cash-Sicherung in den vergangenen Boomjahren nicht auf der Agenda stand.

    Darauf aufbauend sollten alle Hebel zu Liquiditätssicherung in Bewegung gesetzt werden. Die werden je nach Branchen durchaus unterschiedlich gestellt, wie BCG-Experte Moldenhauer unterstreicht. So sollten sich Händler zuallererst um die Eintreibung fälliger Zahlungen bemühen und mit Sonderprämien bei schneller Begleichung locken. Sie könnten zudem mit ihren strategisch wichtigen Lieferanten längere Zahlungsziele vereinbaren und neue Mindestabnahmemengen.

    Auch Dienstleister sollten auf Sonderprämien bei zügiger Rechnungsbegleichung setzen, rät Moldenhauer. Den größten Hebel aber erzielen sie über einen Einstellungsstopp, Kurzarbeit oder Zwangsurlaub.

    Manche Firmen brechen auch mit Tabus: So will der Batteriehersteller Varta die Dividende einbehalten, um bei den geplanten Investitionen nicht streichen zu müssen. Die Firma will die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien kräftig ausbauen.

    Neben Kostendrücken ist Kreativität auf der Einnahmenseite gefragt, wie Moldenhauer unterstreicht. Dass Autohersteller nun Beatmungsgeräte fertigen, ist nicht nur ein Akt von Hilfe, sondern bringt Umsatz.

    Geschickt ist es auch, Kosten sozusagen auszulagern: McDonald‘s etwa macht dies über eine Kooperation mit Aldi. Weil Restaurants geschlossen sind, „verleiht“ der Burgerbrater seine Mitarbeiter in die Aldi-Filialen, wo Personal gerade dringend gebraucht wird. Bei dem Discounter werden die McDonald‘s-Leute zu den im Handel üblichen Konditionen bezahlt.

    Mehr: Wie gut sind Deutschlands Unternehmen für die Krise gerüstet?

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