Lobbyismus-Skandal Utz Claassen will nichts wissen

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Opfer seines Erinnerungsvermögens?

Nicht nur das Deckblatt nährt den Verdacht, Claassen könnte zum Opfer seines Erinnerungsvermögens geworden sein. Auf jedem Blatt des 16-seitigen Entwurfs zum Revisionsbericht steht: „Exemplar: U. Claassen“.

Was sonst noch so drinsteht, hat es ebenso in sich. Bei den Verträgen, die mit Bykow in den Jahren zuvor geschlossen wurden - angeblich zur Vermittlung von Brennstofflieferungen -, seien Vorauszahlungen von 34 Millionen Euro zugesichert worden, die „unabhängig von einer tatsächlichen Lieferung zu zahlen“ waren. Die Revision hielt fest, es habe noch nicht einmal ein Anspruch auf Rückzahlung bestanden, wenn gar keine Lieferbeziehung zustande kommt. Sperrig vermerkte sie: „Die Notwendigkeit dieser Verträge ist daher im reinen Kontext der Brennstoffversorgung nicht nachvollziehbar“. Es besteht also auch hier der Verdacht, dass es sich um Scheinverträge handelt.

Damals hätte der Chef eingreifen können. Doch die Verträge mit Bykow liefen weiter. Claassen sagt, ihn hätten keinerlei Warnungen vor dem Mann erreicht. Den Entwurf mit dem entscheidenden Hinweis auf einen Korruptionsverdacht will er nicht bekommen haben.

Zwar hat er die Endfassung des Berichts erhalten – in dem fehlt aber der entscheidende Hinweis: „Etwaige Entwurfsversionen des Revisionsberichtes, die in der Zeit zuvor erstellt wurden und die durch den endgültigen Bericht vom 18.06.2004 ohnehin obsolet geworden wären, sind Herrn Prof. Claassen während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender der EnBW nicht zur Kenntnis gelangt“, ließ der Ex-Vorstandschef am Donnerstag von seinen Anwälten erklären. Der Bearbeiter, dessen handschriftliche Notiz dem Handelsblatt vorliegt, habe „weder den Entwurf eines Revisionsberichtes noch ein entsprechendes Anschreiben übergeben“.

Es sieht aus wie ein Wunder – das Wunder von Karlsruhe. Der Bearbeiter vermerkt, dass der Entwurf samt Infoschreiben abgeschickt wurde – doch das brisante Papier verschwindet wie von Zauberhand. Die entscheidenden Meter zwischen Revision und dem Chefschreibtisch konnte das brisante Papier demnach nicht zurücklegen. Auch Claassen kann sich das nicht erklären. Seine Anwälte fragen: Wie sollte der Bearbeiter „darüber informiert sein, was Prof. Claassen erhalten hat“?

Berichtsentwurf gesäubert
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5 Kommentare zu "Lobbyismus-Skandal: Utz Claassen und die Zauberhand von EnBW"

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  • genau davon lebt er, und das nicht schlecht!!!

  • Wovon lebt der Herr eigentlich heute? Hoffentlich nicht nur von den Abfindungen und dem Schadenersatz seiner ex-Arbeitgeber.

  • Moskau, um nur die Parties in Moskau zu nennen.
    Davon weiß niemand was.
    Was solls, der Herr möchte gerne den Saubermann geben.

  • Der schönste der Schönen, der schlauste der Schlauen,

    meine Damen und Herren,

    Herr Claassen.

  • Ach, der Herr Claassen.... sorry, Professor Claassen!

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