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Management Führen in Zeiten von Corona: „CEOs dürfen sich nicht wegducken“

Experten empfehlen den Führungskräften, jetzt viel und offen zu kommunizieren. Wer richtig handelt, soll nach der Krise attraktiver für Talente sein.
11.04.2020 - 18:45 Uhr Kommentieren
Kommunikation ist jetzt eine wichtige Aufgabe für Führungskräfte. Quelle: Imago
Büromitarbeiter

Kommunikation ist jetzt eine wichtige Aufgabe für Führungskräfte.

(Foto: Imago)

München In Zeiten von Corona sind Zeichen der Solidarität gefordert. Siemens-Chef Joe Kaeser besuchte kürzlich – mit Mundschutz – das Generatorenwerk in Erfurt. Die Arbeiter könnten ja in ihrem Dienst für Unternehmen und Gesellschaft nicht im Homeoffice bleiben, twitterte er danach.

Für CEOs ist es trotz aller Abstandsregeln wichtig, jetzt Nähe zu zeigen. „Führungskräfte können jetzt unter Beweis stellen, ob sie tatsächlich leben, was überall versprochen wird: dass der Mitarbeiter im Zentrum steht“, sagt Jörg Schleburg, Gründer der Beratung VonVorteil. Die Beschäftigten seien verunsichert, hätten Angst um ihren Arbeitsplatz. Sie bräuchten Halt und eine Perspektive.

Führungskräfte haben derzeit viele Aufgaben zur gleichen Zeit. Sie müssen zum Beispiel Liquidität sichern und Lieferketten aufrechterhalten. Doch nach Einschätzung von Experten sollten sie auch Flagge zeigen. „Insgesamt hat man viel zu wenig gehört von den Konzernlenkern“, sagte Stephanie Schorp, Diplom-Psychologin und Geschäftsführerin der Personal- und Führungsberatung Comites.

Sie müssten sich zu gesamtgesellschaftlichen und weltpolitischen Krisen stärker äußern. „Unserer Meinung nach können sich Konzernlenker nicht wegducken oder abtauchen. Auch intern dürften Führungskräfte jetzt nicht schweigen oder unsensibel kommunizieren.

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    Auch Schleburg, der unter anderem auf Employer Branding spezialisiert ist, hält Kommunikation für das oberste Gebot. „Offen, regelmäßig und transparent.“ Mitarbeiter fühlten sich sicher, wenn ihr Chef Sicherheit ausstrahle.

    Videobotschaft aus der Kantine

    So wenden sich derzeit viele CEOs regelmäßig digital an die Belegschaft. Osram-Chef Olaf Berlien zum Beispiel dreht meist einmal die Woche ein Video. Kürzlich zum Beispiel stellte er sich in der leeren Kantine vor die Kamera, berichtete von Solidar-Aktionen von Osram-Beschäftigten.

    So spendeten zum Beispiel Mitarbeiter in China zum Höhepunkt der Krise 500 UV-Leuchten zur Desinfektion an Krankenhäuser in Wuhan. „Mit so großartigen Mitarbeitern werden wir auch diese Krise bewältigen“, schloss Berlien. Für die Osramiten ist Zuspruch wichtig, wegen der bevorstehenden Übernahme durch AMS gibt es in der Belegschaft ohnehin Verunsicherung.

    Nach Einschätzung der Experten ist in Krisenzeiten natürlich starke Führung gefragt. „Selbstbewusst und entschlossen“, sagt Comites-Gründer Andreas Föller. Es gelte, auf der Basis verschiedener Fachrichtungen das für das Unternehmen passende Konzept zu erarbeiten. Pragmatische Erleichterungen und Einsparungen sollten schnell entschieden und umgesetzt werden.

    Ansonsten aber müssten panische Entscheidungen vermieden werden. Der CEO dürfe sich nicht in Allmachtsphantasien ergehen. „Er muss verstehen, dass es Dinge gibt, die zu groß für einen allein und selbst für eine kleine Gruppe sind. Die muss das Kollektiv bewältigen.“

    Schleburg sieht die Führungskräfte doppelt gefordert. Sie müssten nicht nur aufzeigen, wie man der aktuellen Herausforderung begegnet – von Homeoffice bis Kurzarbeit. Sie müssten auch eine Strategie entwickeln, wohin das Unternehmen unter den veränderten Vorzeichen mittel- und langfristig steuert. Sie müssten zudem zeigen, wie sie in einer Welt agieren wollen, in der nichts mehr sicher zu sein scheine. „Offenheit, Vernetzung und Agilität sind die Gebote der Stunde.“

    Der Umgang mit der Krise ist nicht nur für das kurzfristige wirtschaftliche Wohl der Firma entscheidend – er hat auch Einfluss auf das Image in der Öffentlichkeit, bei Mitarbeitern und begehrten Talenten nach der Krise. „Mitarbeiter werden stolz sein, wenn sich ihr Unternehmen professionell in der Krise verhalten hat und mit einem blauen Auge davon kommt“, sagt Führungsberaterin Schorp.

    Auch Schleburg ist überzeugt: „Unternehmen, die gestärkt aus der Krise herausgehen, werden für Talente besonders attraktiv.“ Sie hätten bewiesen, dass sie für eine sehr dynamische Zukunft gewappnet seien. Insofern sei die Krise eine Chance: „Wer vorher vielleicht nicht bekannt war, kann sein Image jetzt durch intelligentes Agieren stärken.“ Umgekehrt könne ein Unternehmen, das bislang einen guten Ruf hatte, aber auch schnell an Ansehen verlieren.

    Mehr: Kommentar - In der Krise zeigt sich, welcher Chef wahre Führungsqualitäten besitzt.

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