Managervergütung Manager an der Leine der Politik

Mit den virtuellen Gewinnen aus dem VW-Aktienpoker verdienten die Porsche-Vorstände prächtig, doch es sind gerade jene Geschäfte, die nun für einen Milliardenverlust sorgten. Das Beispiel zeigt: Vor allem in den letzten Jahren sind die Vorstandsbezüge den Unternehmensgewinnen davongeeilt. Nun soll die Vergütung angemessener gestaltet werden.
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Wie viel Geld gilt als "angemessen"? Das neue Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung soll Langfristanreizen mehr Raum geben. Quelle: dpa

Wie viel Geld gilt als "angemessen"? Das neue Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung soll Langfristanreizen mehr Raum geben.

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DÜSSELDORF. Das Timing hat Symbolwert. Kaum ist der langjährige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gefeuert, tritt das neue Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) in Kraft. Wiedekings Vertrag, der ihm die höchsten regulären Bezüge eines deutschen Managers garantierte, ist damit passé. Aus Sicht der Bundesregierung kann ein weiterer Sündenfall ad acta gelegt werden. Wiedekings Vertrag war genau das Gegenteil von dem, was die Koalition mit ihrem Gesetz erreichen will: Die Bezahlung der Manager an nachhaltiger Unternehmensentwicklung statt am kurzfristigem Shareholder-Value auszurichten.

Mit den (virtuellen) Milliarden Gewinnen aus dem VW-Aktienpoker verdienten die sechs Porsche-Vorstände prächtig, allein 2007/2008 den Rekordbetrag von 143 Mio. Euro. Ein fester Prozentsatz vom Gewinn garantierte das. Festgehalt waren übrigens bescheidene vier Mio. Euro. "Ein total veraltetes System, das in den neunziger Jahren vielleicht seine Berechtigung hatte, nicht aber heute", sagt Vergütungsexperte Heinz Evers.

Denn im gerade beendeten Geschäftsjahr 2008/2009 wird Porsche wohl fünf Mrd. Euro Verlust machen - eben wegen der VW-Optionsgeschäfte. Nach den neuen Regeln im Aktiengesetz könnten jetzt sogar - einfacher als früher - bereits ausgezahlte Erfolgsbeteiligungen von Wiedeking zurückgefordert werden. Mehr noch: Das Gesetz verlangt, Boni an eine "mehrjährige Bemessungsgrundlage" zu knüpfen. Damit wäre Gehaltsexzessen wie bei Porsche zumindest vorgebeugt.

Die Frage ist aber: Machen es andere, vor allem die führenden Dax-Konzerne besser? Haben sie Vergütungssysteme, die Manager zwar zu Höchstleistungen anspornen, bei Versagen aber auch strafen? Berater Evers hat für das Handelsblatt Vergütungsberichte über einen längeren Zeitraum ausgewertet. Ergebnis: Vor allem in den vergangenen Jahren sind die Vorstandsbezüge den Unternehmensgewinnen davongeeilt. Maßstab dafür ist der Jahresüberschuss. Der berücksichtigt auch Sondereffekte, die Manager dagegen gern unterschlagen. Die Folge: Die Vergütungen halten sich meist auf hohem Niveau, selbst wenn der Gewinn massiv einbricht. Start für die Analyse ist das Jahr 1995. Damals schien die Welt noch in Ordnung. Shareholder Value war ein Fremdwort, die Deutschland AG mit ihren Verflechtungen lebte, und vom internationalen Maßstab für Vergütungen war keine Rede. Vorstände verdienten damals weniger als eine Mio. Euro. Heute liegt der Schnitt der Dax-Vorstände bei 2,4 Mio. Euro.

Das Jahr 2000, Höhepunkt der Dotcom-Blase, galt lange als Traumjahr - auch für Manager. "Doch danach ging es nicht, wie zu erwarten, bergab mit den Vergütungen," stellt Evers fest. Im Gegenteil. Die Vorstandsbezüge stabilisierten sich auf hohem Niveau. Evers: "Eine Rückkehr zu den alten Zeiten wird es nicht geben."

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