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Marc Tüngler im Interview Aktionärsschützer: „Der Verzicht von Topmanagern auf Gehalt ist alternativlos“

DSW-Experte Marc Tüngler erwartet, dass die Vergütungssysteme die Coronakrise nicht widerspiegeln werden. Er plädiert für einen Gehaltsverzicht.
24.08.2020 - 16:44 Uhr Kommentieren
Der Rechtsanwalt ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Quelle: dpa
Marc Tüngler

Der Rechtsanwalt ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

(Foto: dpa)

Herr Tüngler, das Jahr 2021 verspricht ein besonderes zu werden in puncto Managergehälter. Was sind Ihre Erwartungen?
Wir werden keinen Rückgang der Managergehälter eins zu eins zu den durch die Coronakrise entstandenen Verlusten sehen. Die Vergütungssysteme können und sollen diesen Geschäftseinbruch nicht widerspiegeln. Sie beruhen meist nur zu einem Drittel auf kurzfristigen Geschäftszahlen. Sie sind – und das ist auch gut und richtig so – auf Langfristigkeit und nachhaltiges Managen angelegt. Die Enttäuschung wird dennoch bei vielen Menschen groß sein, die durch die Coronakrise ihren Job verloren haben oder durch Kurzarbeit erhebliche Gehaltseinbußen hatten. Der Verzicht von Topmanagern auf Gehalt war und ist deshalb meines Erachtens alternativlos.

Werden die neuen Vergütungssysteme halten, was sie versprechen? Etwa mehr Transparenz bringen?
Die Aktionärsrichtlinie Arug II wird zu einem Schub bei der Transparenz führen. Die Dax-Konzerne wie SAP und die Deutsche Bank haben da schon ihre Hausaufgaben gemacht. Ihre Vergütungsberichte sind kürzer und besser verständlich geworden. Unser Appell als Aktionärsschützer lautet aber weiter: Abrüsten, bitte! Vereinfacht die Vergütungssysteme!

Was ist mit den Pensionszulagen?
Es gibt schon Konzerne wie Bayer, die künftigen Vorständen gar keine Pensionszusagen mehr geben. Damit einher geht häufig dann ein höheres Fixgehalt in der Gegenwart. Doch das ist allemal besser als diese Pensionszulagen, die die Unternehmen zukünftig wenig kalkulierbar belasten.

In der Coronakrise haben einige Topmanager auf Gehalt verzichtet, andere wie Siemens-Chef Joe Kaeser spenden. Beobachten Sie bei den Topmanagern in Deutschland eine neue Bescheidenheit?
Eine neue Bescheidenheit? Eher nicht. Ein erwachtes Reputationsbewusstsein? Ja. Die Manager, die sich derzeit in Verzicht üben, sind eher Getriebene, als dass sie einen Heiligenschein tragen.

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    Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis als Aktionärsvertreter zu den Investoren? Machen die überwiegend einen guten, professionellen Job?
    Gerade das Thema Managervergütung führt institutionelle Anleger und die DSW verstärkt zusammen. Die neue Regulierung macht das Thema Vergütung auch für Investoren wichtiger. Schließlich müssen die Konzerne nicht nur über Nachhaltigkeitskriterien berichten, sondern diese in puncto Vergütung im Jahr 2021 auch zum ersten Mal nachvollziehbar einbeziehen. Das Bewusstsein der Investoren für Nachhaltigkeit ist grundsätzlich gestiegen, und zwar zum einen durch den regulatorischen Druck und zum anderen durch ein verstärkt ethisch-moralisches Selbstverständnis. Das sind nicht länger nur Lippenbekenntnisse. Eine gute Entwicklung.

    Die Saison der Hauptversammlungen neigt sich ihrem Ende zu. Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Corona-bedingten virtuellen Aktionärstreffen? Sind sie ein Fluch oder ein Segen?
    Diese Hauptversammlungssaison war für Anleger eine Zumutung. Viele Gesellschaften haben die Chance verpasst, eine interaktive virtuelle Hauptversammlung umzusetzen. Und der Grund dafür war vielerorts nicht nur mangelndes Können, sondern sicher auch mangelnder Wille. Der ein oder andere Vorstand schien fast froh, dass er keine Nachfragen von kritischen Aktionären zu beantworten hatte. Denn derer gab es natürlich gerade in und durch diese Krise bedingt viele.

    Einige Unternehmen planen nun, an der virtuellen Form festzuhalten.
    Deren Unternehmenslenker sollten sich in Erinnerung rufen, für wen die Hauptversammlung eigentlich veranstaltet wird. Sie ist das Forum der Aktionäre. Entsprechend plädiere ich für hybride Hauptversammlungen, bei denen das Beste aus beiden Welten verbunden wird. Doch das wird sich, sobald die Anfechtungsrisiken wieder voll durchschlagen, wohl von selbst regeln.

    Welche Faktoren werden 2021 in puncto Corporate Governance neben den Managergehältern noch eine Rolle spielen?
    Nach dem Fall Wirecard muss sich jeder Aufsichtsrat grundlegend mit den Themen Compliance und Integrität auseinandersetzen. Er muss auch das eigene Rollenverständnis in Abgrenzung zum Wirtschaftsprüfer und Vorstand hinterfragen und neu austarieren. Auch beim Thema Vielfalt wird es neuen Schwung geben. Schließlich hat der Wirecard-Aufsichtsrat auch komplett versagt, weil er schlecht besetzt war.

    Herr Tüngler, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: „Explosive Gemengelage“ – 2021 droht Streit um die Managergehälter

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