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Marie-Odile Amaury Die Frau, die mit der „Tour“ doppelt verdient

Morgen startet die "Tour de France". Der Organisatorin der berühmten Frankreich-Rundfahrt gehört gleichzeitig die Sportzeitung "L'Equipe". Künftig bietet sie auch Wetten im Internet an. Die Konzernerbin scheut das Licht der Öffentlichkeit, Schlagzeilen macht sie dennoch.
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Marie-Odile Amaury: Die Konzernerbin verdient als Organisatorin und Zeitungsinhaberin an der Tour de France. Quelle: Bruno Coutier/ SIPA

Marie-Odile Amaury: Die Konzernerbin verdient als Organisatorin und Zeitungsinhaberin an der Tour de France.

PARIS. Sie ist eine nationale Institution wie der Eiffelturm oder der Nationalfeiertag am 14. Juli: die Tour de France. Morgen starten wieder 22 Teams zur 97. Frankreich-Rundfahrt, dem wichtigsten Radrennen der Welt.

Weitgehend unbekannt dagegen ist jene Frau, die hinter der "Tour der Leiden" steht: Marie-Odile Amaury. Die 70-Jährige macht gleich an zwei Stellen gutes Geld mit der Jagd nach dem Gelben Trikot: Denn ihrem Familienunternehmen gehört der Veranstalter des Rennens, A.S.O. (Amaury Sport Organisation) sowie Frankreichs Sportzeitung "L?Equipe".

Die schlanke Dame gilt daher ähnlich wie Friede Springer als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Medienlandschaft - neben "L?Equipe" verlegt ihr Haus, der Umsatz liegt bei knapp 600 Mio. Euro, die Tageszeitung "Le Parisien/ Aujourd?hui en France".

Die Konzernerbin selbst scheut das Licht der Öffentlichkeit, Schlagzeilen macht sie dennoch: Angesichts der Dauer-Medienkrise will sie ihrem Imperium eine Strategiewende verpassen - und denkt über einen Verkauf von "Le Parisien" nach. Stattdessen investiert sie in das Sport-Wettenportal "Sajoo.fr".

Amaury mischt sich auch inhaltlich ein

Madame Amaury denkt dabei weniger an sich, sondern an ihre Kinder: "Das Unternehmen habe ich aus den Händen meines Mannes erhalten", sagt sie. "Und ich werde es weiterreichen, ohne dass ein Euro fehlt." Ihr Vermögen wird auf rund 240 Mio. Euro geschätzt.

Konzernchefin wurde sie erst mit 66 Jahren, als ihr Mann Philippe im Mai 2006 verstarb. "Ich war schon seit 1984 in alle Entscheidungen eingebunden", sagt Amaury. Da sei es die natürlichste Lösung gewesen, dass sie nach dem Tod ihres Mannes die Geschäftsführung übernimmt.

Schnell drückte sie der Gruppe ihren Stempel auf. Hatte ihr Mann die Blätter noch an der langen Leine geführt, mischt sich Amaury auch schon mal inhaltlich ein. So wies sie die Redaktion von "L?Equipe" an, dem Thema Doping einen nicht so großen Platz einzuräumen. "Damit hat sie die Werte des Unternehmens infrage gestellt", heißt es hinter vorgehaltener Hand. Ihre Reaktion: "Über Doping muss berichtet werden, wenn es neue Affären gibt, aber nicht als Thema an sich."

Madame hört gerne Heavy Metal

Amaury, die gerne Heavy Metal hört, kann selbst eisenhart sein. Langjährigen Managern ihres Hauses hat sie mittlerweile den Stuhl vor die Tür gestellt. Noël Couël zum Beispiel hatte 1964 als Reporter bei "L?Equipe" angefangen und sich zu ihrem persönlichen Berater hochgedient. 2009 schmiss sie ihn plötzlich raus. "Sie hält sich für eine große Dame der Presse, hat aber nicht die Kompetenz", stänkerte dieser.

Ein Mitglied des Verwaltungsrats verteidigt sie: "Amaury muss einen schwierigen Job machen in einer Gruppe, die daran gewöhnt war, viel Geld zu verdienen." Schon ihr verstorbener Gatte habe aber eine Zeitung nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern als Unternehmen, das Gewinne abwerfen soll.

Beim Strategie-Update soll es auch nur zwei Tabus geben: Die Mehrheit der Gruppe bleibt in Familienhand. Und weder "L?Equipe" noch A.S.O. stehen zum Verkauf. Schließlich sind das zwei wahre französische Institutionen.

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