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Markenfarbe Die Telekom kämpft erbittert um ihr Magenta – Pinkbus muss umlackieren

Der Dax-Konzern verklagt immer wieder Firmen, weil ihnen deren Markenfarbe zu nah am Telekom-Magenta erscheint. Nun trifft es das Start-up Pinkbus.
04.09.2020 - 07:00 Uhr Kommentieren
Die Neufolierung der Busse soll jetzt Zug um Zug vorgenommen werden. Quelle: Christoph Soeldner
Pinkbus

Die Neufolierung der Busse soll jetzt Zug um Zug vorgenommen werden.

(Foto: Christoph Soeldner )

Düsseldorf In der Firmenzentrale der Deutschen Telekom in Bonn ist Magenta die dominierende Farbe. Schon in der Eingangshalle gibt es ein Geschäft, in dem T-Shirts, Hundeleinen und sogar Unterwäsche in dem markanten Farbton verkauft werden. „Ich liebe Magenta“, sagte Telekom-Konzernchef Timotheus Höttges.

Bei der Farbe versteht Höttges jedoch keinen Spaß. Er lässt seine Juristen gegen viele Firmen vorgehen, deren Markenauftritte dem Telekom-Magenta auch nur nahekommen. Die Liste der Streitigkeiten ist lang und geht weit über die Branche hinaus.

Den jüngsten Schlagabtausch hat sich der Dax-Konzern mit Pinkbus geliefert. Wie der Name schon verrät, waren die Busse des Kölner Fernbus-Start-ups in grellem Pink lackiert. Schon kurz nach dem Start der Firma im vergangenen Jahr hatte sich die Telekom bei den Gründern des Start-ups beschwert, berichtete das Unternehmen. Bevor es zum Rechtsstreit vor Gericht kommen konnte, einigten sich die Kölner letztlich mit der Telekom.

Sie kamen noch glimpflich davon. Das Unternehmen muss nach eigenen Angaben nicht komplett die Farben tauschen.

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    „Wir haben der Telekom viele neue Designvorschläge eingereicht, um wenigstens einen Teil unserer Unternehmensidentität zu bewahren“, sagt Mitgründer Tino Engelmann. „Schließlich konnten wir uns glücklicherweise einigen, auch wenn wir daraufhin ein komplett neues Branding entwickeln mussten.”

    „Ich liebe Magenta.“ Quelle: Bloomberg
    Telekom-Konzernchef Timotheus Höttges

    „Ich liebe Magenta.“

    (Foto: Bloomberg)

    So dominiert die Farbe Pink, für die Deutsche Telekom der Stein des Anstoßes, nach wie vor auf der  Website, aber eben anders als zuvor. Die Neufolierung der Busse soll jetzt Zug um Zug vorgenommen werden. Eine einstweilige Verfügung habe das Unternehmen nur durch diesen Kompromiss verhindern können, teilte Pinkbus mit.

    Die Kölner sehen sich als David im Kampf gegen Goliath. Die Telekom begründet laut Pinkbus ihr hartes Vorgehen so: „Die Nutzung von Magenta und ähnlichen Farbtönen durch Ihr Haus ist für uns nicht akzeptabel, weil sie Verwechslungsgefahr mit unseren Kennzeichen begründet.“

    Pinkbus ist erst seit gut einem Jahr unterwegs, unterbrochen wie alle Wettbewerber durch den Corona-Lockdown. Das Konzept ist anders als bei Flixbus oder Blablabus. Pinkbusse fahren ohne Zwischenhalt, sind dadurch etwas teurer, aber eben auch schneller unterwegs. Angefahren werden bislang Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München.

    Ein Telekom-Sprecher sagte: „Im Fall Pinkbus hat uns das Landgericht Hamburg bestätigt, dass eine Verletzung der Farbmarke Magenta vorliegt. In der Folge haben wir einen Vergleich mit den Vertretern von Pinkbus ausgehandelt, der auch umgesetzt wurde.“

    Kann eine Farbe einer Firma gehören?

    Die Deutsche Telekom geht entschieden vor. Der Dax-Konzern duldet keine Firmen, deren Markenfarbe dem Telekom-Magenta nahekommt. Aber darf eine Firma überhaupt eine Farbe ganz für sich beanspruchen? Der Düsseldorfer Patentanwalt Matthias Rößler sagt: „Je berühmter eine Marke ist, desto eher würden wir einen Farbton einer Firma zuordnen.“

    Eigentlich sei der Schutz einer Firmenmarke an ein Produkt oder eine Branche gebunden. Die Telekom gehe jedoch auch gegen Firmen vor, die gar nichts mit den Kernbereichen der Telekom zu tun haben – wie etwa ein Fernbusunternehmen wie Pinkbus. „Magenta ist ein außergewöhnlicher Fall, weil die Telekom es lange beworben hat und seit Jahren versucht, ähnliche Markenfarben aus dem Markt zu halten – auch über den Telekommunikationsbereich hinaus“, sagte Rößler.

    „Die Telekom hat jede Marke angegriffen, die so ähnlich aussieht. Damit entsteht keine Verwässerung der Markenfarbe“, sagt Rößler. Heute werde Magenta von vielen Menschen in Deutschland direkt mit der Telekom verbunden. Der Dax-Konzern sei auch nicht mehr auf Produkte rund ums Telefon beschränkt, sondern habe sein Angebot stark erweitert.

    Die Telekom sieht sich im Recht. In Deutschland habe das Unternehmen noch keinen einzigen Rechtsstreit um die Firmenfarbe verloren, sagte ein Telekom-Sprecher. „Generell gilt, dass wir in solchen Angelegenheiten nicht eine Farbe per se, sondern unsere Marke verteidigen, welche die weltweit zweitwertvollste deutsche Marke darstellt“, sagte der Sprecher.

    Als „bekannte Marke“ genieße Magenta einen Schutz über einzelne Waren und Dienstleistungen hinaus. „Würde auf den Bussen ‚Siemens-Bus‘ oder ‚Handelsblatt-Bus‘ stehen, würde das die Markeninhaber vermutlich auch stören. Nichts anderes gilt für die Farbmarke“, argumentierte der Firmensprecher.

    Das sieht das US-Versicherungs-Start-up Lemonade anders. Die Firma hatte bei ihrem Marktauftritt ebenfalls auf einen Pink-Farbton gesetzt und war mit der Telekom in Streit geraten. Jetzt versucht das Unternehmen, auf EU-Ebene den Markenschutz der Telekom von Magenta zu kippen. Das Verfahren sei noch nicht entschieden, bestätigte ein Telekom-Sprecher.

    Magenta-Blocker für das Internet

    Lemonade stichelt mit einem Computerprogramm gegen den Farbanspruch der Telekom auf Magenta. Unter dem Namen „Pink-Out“ hat Lemonade eine Erweiterung für den Internetbrowser Chrome veröffentlicht, der automatisch alle Magenta-Farbtöne aus Websites entfernt. Die Entwickler attackierten so ironisch die Telekom und sprachen davon, dass mit der Erweiterung das Internet rechtskonform werde. Alle Farbtöne würden gefiltert, die auch nur dem Telekom-Magenta nahekämen, argumentierten die Macher.

    Die Deutsche Telekom hatte sich im Jahr 1995 den Pink-Farbton beim deutschen Patentamt schützen lassen. Seitdem geht sie gegen alle möglichen Firmen vor, die ein ähnliches Pink einsetzen. 2003 siegte die Telekom vor dem Bundesgerichtshof in einem Verfahren gegen den Wettbewerber Mobilcom, der in Anzeigen mit einem Pink-Farbton für sich geworben hatte.

    Mehr: US-Start-up geht gegen Magenta-Monopol der Telekom vor.

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