Martin Herrenknecht Der Herr der Röhren

Maschinen des badischen Unternehmers Herrenknecht haben im Gotthard den längsten Tunnel der Welt gebohrt. Nur noch ein Bohrhub, und der 68-Jährige hat den Gipfel seines Unternehmerlebens erreicht. Wie der Ingenieur tickt, der seine Garagenfirma zum Weltmarktführer mit über 3 000 Beschäftigten aufgebaut hat.
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Martin Herrenknecht mit einer seiner riesigen Tunnelbohrmaschinen: Mit dem Durchbruch am Gotthard krönt der 68-Jährige sein Unternehmerleben. Quelle: ap

Martin Herrenknecht mit einer seiner riesigen Tunnelbohrmaschinen: Mit dem Durchbruch am Gotthard krönt der 68-Jährige sein Unternehmerleben.

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STUTTGART. Am Gotthard ist Geschichte geschrieben worden und Martin Herrenknecht war ganz nah dran. Tief im Berg steht der Gründer und Chef des gleichnamigen Weltmarktführers für Tunnelbohrmaschinen dann in der Durchbruchkaverne des mit 57 Kilometer längsten Tunnels der Welt - 2 500 Meter unter dem Gipfel des 2 983 Meter hohen Piz Vatgira.

Mit dem Durchbruch hat Herrenknecht den Gipfel seines Unternehmerlebens erreicht. Vier seiner Maschinen waren im Einsatz, das Auftragsvolumen lag bei rund 100 Mio. Euro. Aber für den 68-Jährigen ist dieser Moment mehr als nur ein Geschäft.

Zweimal waren die Maschinen im Gotthard wegen unvorhergesehener Gesteinsformationen stecken geblieben - die heikelsten Momente für einen Tunnelbauer. Denn die tankschiffgroßen Bohrmaschinen haben keinen Rückwärtsgang. "The only way out ist through", sagt Herrenknecht auf Englisch mit stark südbadischem Einschlag. Kein anderer Satz könnte seine Mentalität besser wiedergeben. Gradlinig, stur, meist kompromisslos, und im Zweifel wird auch mal mit der Brechstange gearbeitet.

"Mit dem Kopf durch die Wand"

Nahezu jede Herausforderung nimmt der Südbadener an, nicht selten unter hohem, "aber kalkulierbarem Risiko", wie er einwirft. Er würde seine Leute nie einen Tunnel graben lassen, bei dem er nicht selbst in die Druckkammer direkt vorn am Bohrkopf gehen würde, wo es am gefährlichsten ist. "Er geht mit dem Kopf durch die Wand", sagt einer seiner engsten Mitarbeiter.

Mit seiner kantigen Art eckt der Ingenieur auf öffentlichem Parkett oft an. Die Gegner des umstrittenen Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 sind bei ihm untendurch: "Pfeifen", "Würstchen" oder "Weicheier" nennt er sie. Im Gegenzug wird er von Kritikern als Teil der Spätzle-Connection gesehen, die den Bahnhof um jeden Preis durchdrücken will. Das verletzt ihn so, dass er jede Kritik an dem Projekt persönlich nimmt. In Talkshows kann er damit kaum punkten.

Natürlich unterstützt Herrenknecht die CDU, er ist auch mit Lothar Späth, seinem Aufsichtsratschef, seit langem befreundet, und ihm winkt bei Stuttgart 21 ein Auftrag über 80 Mio. Euro. Aber abhängig ist er davon nicht. Weit über 90 Prozent seines Milliardenumsatzes macht er im Ausland.

In 30 Jahren hat er seine Garagenfirma zum Weltmarktführer mit über 3 000 Beschäftigten aufgebaut. Weltweit ist er als Experte gefragt. Es schmerzt ihn, plötzlich in der Heimat in Zweifel gezogen zu werden. Der Gotthard-Durchbruch ist da eine schöne Abwechslung. Morgen geht es Richtung Übersee. Verhandlungen über ein neues Tunnelprojekt - und keine Talkshow.

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