Media-Einkauf „Der Mann muss weg“

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Warum sind über diese Firmen Freispot-Kontingente gehandelt worden, an denen sie privat verdient haben sollen?

RUZICKA: Es ist zu keiner Zeit über diese Firmen mit Freispot-Kontingenten gehandelt worden. Die Firmen haben dazu beigetragen, dass Aegis Media mehr Naturalrabatt bekommen hat. Und sie waren vermittelnd tätig. Ein Beispiel: Ein Kunde möchte eine TV-Kampagne buchen. Dies tat er zwar über Aegis jedoch nicht direkt beim Medium. So zum Beispiel über Emerson FF. FF steht für Film Fonds. Mit diesem Kundengeld wurden über Events vieler Art Informationen beschafft. Diese Informationen kamen zu Aegis. Dort wurden diese verwendet, um bessere Konditionen im Interesse des Kunden zu erreichen. Zum Beispiel Naturalrabatte, die viel zitierten Freispotkontingente. Aus diesen Freispotkontingenten wurde dann die Kampagne für den Kunden realisiert. Er hat sogar einen Bonus von 30 Prozent bekommen. Mehr als ihm eigentlich zugestanden hätte. Restbestände dieser Freispotkontingente wurden Aegis zur Verfügung gestellt. Das heißt, der Kunde hat mit seinem Geld etwas finanziert, was zu Freispots geführt hat, an denen er und Aegis verdient haben. Seine Kampagne wurde realisiert. Aegis hatte geringere Kosten und einen Restbestand an Freespace zur Verfügung. Auch hier ist ausschließlich Kundengeld involviert. Der Kunde ist auch nicht betrogen worden, weil er mehr bekommen hat als ihm zustand.

Wussten die Kunden das?

RUZICKA: Natürlich. Der Kunde wusste, dass seine Kampagne nicht direkt beim Medium gebucht wird. Das steht in den Standardverträgen mit den Kunden genauso drin. Er hat auf Verlangen sogar Kopien der Rechnungen von Emerson FF erhalten. Direkt von der Aegis Buchhaltung. Es ist keinerlei Schaden entstanden. Ganz im Gegenteil. Im Businessplan von Aegis ist das als innovative Finanzierungsmöglichkeit ausdrücklich festgehalten. Da das alles im Kundenkonto und nicht im Agenturkonto gebucht wurde, kann gar kein Aegis-Geld benutzt worden sein.

Hat Aegis Media für TV-Spots bezahlt, die ihr gratis zugestanden wären?

RUZICKA: Nein, denn die Kundengelder wurden zwar für Informationsgewinnung verbucht, führten aber im Endeffekt zu Freispotkontingenten, die der Kunde und Aegis sonst nicht erhalten hätten.

Wenn es zum Vorteil von Aegis gewesen sein soll, hätten Sie die Kampagnen doch auch direkt buchen können?

RUZICKA: Das Film Fonds Modell funktioniert etwas anders. Das Kundengeld, das beispielsweise Emerson FF bekommen hat, ging an eine Produktionsgesellschaft. Die produziert dann mit dem Kundengeld eine Sendung wie beispielsweise "Born to cook" für einen TV-Sender. Der Sender möchte diese Sendung gerne haben und erhält diese von der Produktionsfirma. Der Sender gibt im Gegenzug Freespace an die Film Fonds Gesellschaft oder direkt an Aegis Media. Das tut der Sender gerne, da Freispot-Kontingente deren Budget nicht belasten, weil sie eben nichts kosten. Diese Vorgehensweise erhöht das Kontingent von Aegis beim Sender und für den Kunden wird daraus eine Kampagne realisiert. Der Kunde bekommt für sein Budget mehr Leistung. Die Agentur partizipiert am Freespace. Die Film Fonds Gesellschaft erhält ebenfalls einen Bonus. Die Produktionsgesellschaft macht ihren Gewinn mit der Produktion. Und der Sender hat ein finanziertes Programm. Weshalb wir das ausgelagert haben, hat einen einfachen Grund. Die Produktion und der Erfolg neuer Programme dauert. Der Nutzen kommt erst in ein oder zwei Jahren. Und wir haben so diesen Zeitraum im Sinne des Aegis Businessplanes verkürzen können. Zudem ist Emerson FF als so genannter Prefered Partner bei Jerry Buhlmann (CEO Aegis EMEA, Anm. d. Red.) und Doug Flynn (ehemaliger CEO Aegis, Anm. d. Red.) für Aegis akkreditiert. Aegis wollte sich nicht selbst mit Bartering oder Film Fonds beschäftigen. Wir wurden aber gezielt aus London aufgefordert, Informationen über Konditionen zu beschaffen um die Verhandlungsposition von Aegis zu stärken. Susannah Outfin (CEO Carat, Anm. d. Red.) prägte den Satz: "We need a bit of Germanys magic".

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