Merckle und die Banken Merckle: Absturz nach dem Höhenrausch

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Seit mehr als zwei Wochen verhandelt Merckle mit seinen mehr als 30 Kreditgebern und sorgt täglich für Schlagzeilen, die der große Geheimniskrämer eigentlich zeitlebens zu vermeiden versuchte. Bislang gibt es keine Lösung mit den Geldgebern.

Gestern noch haben Merckle und die Banken um einen erneuten Aufschub gerungen. Das bis dahin letzte Ultimatum ist in der Nacht zu Mittwoch verstrichen. „Ziel ist es, das Stillhalteabkommen mit den Banken zu verlängern. In den nächsten Wochen soll dann ein Überbrückungskredit vereinbart werden“, ließ Merckles Sohn Ludwig mitteilen. „Wir glauben weiterhin, dass wir eine Lösung für die Finanzsituation erreichen können. Wir sind hierbei aber auf die Mitwirkung der Banken angewiesen.“

Diese verlangen genau dasselbe: die Mitwirkung der Merckles, weitergehende Zugeständnisse der Familie vor allem in einem Punkt: Die Banken drängen auf einen Verkauf von Ratiopharm. Die Gründung des Pharmaherstellers in den 70er-Jahren war eines von Adolf Merckles Meisterstücken.

Damals steht er noch uneingeschränkt in dem Ruf, ein sparsamer Unternehmer und geschickter Investor zu sein, ein Ausbund an Bodenständigkeit eben. Sein Büro soll er seit Jahrzehnten nicht neu möbliert haben, und er soll stets mit einer Sekretärin auskommen, die halbtags arbeitet. Wenn er mit der Bahn fährt, dann nur mit Zweite-Klasse-Fahrscheinen. Wenn er Post verschickt, dann einfache Briefe, keine teuren Eilsendungen.

Der einzige Luxus, den er sich gönnt, sind ausgedehnte Bergtouren mit seiner Ehefrau Ruth in die Anden und auf den Himalaya. Ein Berg im Königreich Bhutan ist sogar nach Merckle Ruth benannt – Meru 2, gut 5000 Meter hoch.

Ansonsten gibt Merckle stets den sparsamen Schwaben, obwohl er in Dresden geboren ist. Erst nach und nach kommt ein anderer Blickwinkel auf das Phänomen Merckle hinzu – je größer sein Unternehmen wird. Gegner und Konkurrenten beschreiben ihn als gerissenen Advokaten, der keinen juristischen Kniff auslässt, leitende Angestellte schon einmal bewusst in eine Falle laufen lässt und sein Imperium wie ein Gutsherr aus dem 19. Jahrhundert steuert. Merckle sei „raffgierig, nachtragend und missgünstig“, zitierte das „Manager-Magazin“ den früheren Chef der Merckle-Firma Ratiopharm, Heinrich Zinken.

Wie immer das Urteil über den Unternehmer ausfällt: Beobachter gehen davon aus, dass sich Merckle über weite Strecken seines Aufstiegs auf einem finanziell robusten Fundament bewegt. Die Basis liefert die Arzneimittelfirma seines Vaters, die Adolf Merckle 1967 übernimmt und systematisch ausbaut. Mit der Gründung von Ratiopharm steigt er in das damals noch fast unbekannte Geschäft mit patentfreien Nachahmer-Medikamenten ein. Die Idee stammt aus den USA. Früher als viele andere entdeckt Merckle das Potenzial dieser sogenannten Generika.

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