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Millionenerbe Strafprozess gegen Alexander Falk: „Sie gehen mir auf die Nerven“

Der Mann, der Alexander Falk des Auftrags zu einem Anschlag auf einen Anwalt bezichtigt, musste sich dem Kreuzverhör durch dessen Anwälte stellen.
18.12.2019 - 21:51 Uhr Kommentieren
Alexander Falk mit seinen Anwälten: Der Unternehmer sitzt seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft. Quelle: dpa
Falk-Prozess in Hamburg

Alexander Falk mit seinen Anwälten: Der Unternehmer sitzt seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Tag im Zeugenstand beginnt holprig für Etem E. Selbst auf einfache Fragen kann der Hauptbelastungszeuge im Strafprozess gegen Alexander Falk keine klaren Antworten geben. Zumindest mehrfach keine Antworten, die zu dem passen, was er einst in seinen Vernehmungen ausgesagt hat. Manchmal muss er sich auf simple Nachfragen hin außerhalb des Gerichtssaals mit seinem Zeugenbeistand besprechen.

Und dann sind da noch Antworten, bei denen er nicht die Wahrheit sagt. Als Falks Verteidiger Björn Gercke etwa von ihm wissen möchte, wie viele Handynummern er besitze, bleibt E. auch auf mehrfache Nachfrage beharrlich dabei, dass es eine einzige Nummer sei. Was E. nicht bewusst ist: Dem Gericht liegen mindestens drei verschiedene Handynummern vor, über die sich E. in den vergangenen Jahren ausgetauscht hat. Falks Verteidiger wissen davon.

Warum es wichtig ist, wie viele Handynummern E. besitzt? Weil E. steht in Verdacht steht, in diesem Prozess per Handykommunikation Druck auf andere Zeugen auszuüben und Einfluss auf deren Aussagen im Verfahren nehmen zu wollen. Und weil von der Glaubwürdigkeit von E.s Aussagen der weitere Verlauf des Prozesses gegen Falk abhängt.

E., ein bulliger Mann, der der organisierten Kriminalität in Hamburg zuzurechnen ist, hatte das Verfahren gegen Falk einst ins Rollen gebracht. Er hatte sich 2017 bei der Polizei gemeldet und behauptet, er sei bei einem Treffen in einem Restaurant dabei gewesen, als der Erbe des berühmten Hamburger Kartografieverlags mit den ausklappbaren Stadtplänen 2009 den Anschlag auf einen Frankfurter Anwalt in Auftrag gegeben habe. Der Anwalt arbeitete seinerzeit an einer millionenschweren Zivilklage gegen Falk.

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    Neben seinen eigenen Angaben brachte E. noch einen weiteren Belastungszeugen ins Spiel, der seine Aussage stützte, sowie eine Tonbandaufnahme, auf der sich Falk offensichtlich über den Schuss auf den Anwalt freute. Die Ermittler nahmen Falk, der die Vorwürfe als haltlos zurückweist, daraufhin fest. Seit September 2018 sitzt er in Untersuchungshaft und seit August dieses Jahres läuft der Prozess gegen ihn. Anstiftung zum versuchten Mord lautet der Vorwurf der Anklage.

    Undurchsichtiger, krimineller Zeuge

    Bereits zum fünften Mal seit Anfang November nimmt E. an diesem Mittwoch auf dem Zeugenstuhl Platz. Als er das das erste Mal geladen war, verweigerte er die Aussage, weil er sich teils selbst belasten könne. Aus den folgenden drei Terminen kam der wegen verschiedenster Delikte mehrfach vorbestrafte Mann unbeschadet heraus. Doch nun, das wird schnell klar, wird es für E. anstrengend.

    Falks Verteidiger werden ihn erstmals einen ganzen Verhandlungstag lang befragen und seine Angaben bis ins kleinste Detail hinterfragen. Dabei wird nicht nur deutlich, welche Wendungen E.s Aussagen im Laufe zahlreicher Befragungen bisweilen genommen haben und wie widersprüchlich sie teilweise sind. Es offenbart sich auch, wie sehr E.s Nerven blank liegen und dass er künftig mindestens noch ein weiteres Mal anreisen und als Zeuge aussagen muss.

    E.s Rolle in diesem Verfahren ist so zentral wie undurchsichtig. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn, weil er womöglich selbst etwas mit dem Anschlag auf den Anwalt zu tun haben könnte. Außerdem verdächtigen ihn die Ermittler, Falk mit den Tonbandaufnahmen erpresst zu haben. Dieser Tonbandmitschnitt hat sich inzwischen als an unzähligen Stellen manipuliert erwiesen, was mehrere Gutachten belegt haben. Außerdem hat der andere Belastungszeuge seine Aussage inzwischen korrigiert hat und angegeben, seine ursprüngliche Aussage vor allem auf Druck E.s gemacht zu haben.

    Der Staatsanwaltschaft sind damit zentrale Belastungsmomente ihrer Anklage weggebrochen. Das Gericht geht inzwischen nicht mehr von einem Auftrag zum versuchten Mord aus. Allerdings hält es bis dato am Vorwurf fest, Falk habe den Anschlag in Auftrag gegeben und eine gefährliche Körperverletzung des Anwalts beabsichtigt.

    Falks Verteidiger versuchen diese These heute mit einem Feuerwerk an Fragen zu erschüttern. Denn: Hält das Gericht E.s Aussagen nicht länger für glaubwürdig, bricht die Anklage in sich zusammen. Andererseits: Viele Chancen dürften nicht mehr kommen, um dem bis Ende März verlängerten Verfahren eine Wende zu geben.

    Widersprüchliche Aussagen und wütende Reaktionen

    Wann haben Sie Alexander Falk kennengelernt? Wo haben sie ihn kennengelernt? Haben Sie sich mit ihm auch in dessen Wohnhaus getroffen? Mit Fragen wie diesen stellen Falks Anwälte E. stundenlang auf den Prüfstand. E. selbst weicht bei seinen Aussagen nun immer wieder von dem ab, was er einst gesagt hat und am Ende der Vernehmungsprotokolle als richtig unterschrieben hat. Wollte er den Namen Falk ursprünglich erst 2009 das erste Mal gehört haben, verwies er heute auf 2007 oder 2008. Im Jahr 2009, in dem er Falk bisherigen Aussagen zufolge erst im Herbst erstmalig traf, habe es bereits vor dem vermeintlichen Auftrag zum Anschlag zahlreiche Treffen seit dem Frühjahr gegeben.

    Am eklatantesten weicht er an einer Stelle ab, an der es darum geht, wann er Falk einst um 250.000 Euro gebeten habe. Das Geld, so sagt es E. heute, wollte er nutzen, um einen Kiosk zu eröffnen. Ursprünglich hatte er angegeben, Falk um das Geld gebeten zu haben, lange bevor die Existenz des Tonbandes bekannt wurde. Nun hieß es, dass der Zeitpunkt deutlich nach Bekanntwerden der Tonbandaufnahme gewesen sei. Aber: Im einstigen Vernehmungsprotokoll hatte er genau dies vehement ausgeschlossen.

    Wie sehr die Verteidiger E.s Nervenkostüm mit ihren Fragen erschüttern, zeigt sich dann am Nachmittag bei zwei banalen Fragen. Wann sein Sohn geboren sei, möchte Falks zweiter Verteidiger Daniel Wölky wissen. „Das geht Sie nichts an. Was hat das hiermit zu tun? Ich gebe ihnen darauf keine Antwort“, entgegnet E. dem Anwalt wütend. Er ist so aufgebracht, dass ihm sein Zeugenbeistand die Hand vor den Mund halten muss, um zu verhindern, dass E. weiter in Rage gerät. Antwort geben muss E. doch, hatte er sich in einer früheren Aussage doch darauf berufen, sich an ein Geschehen genau zu erinnern, weil es sich um den Geburtstag seines Sohnes herum abgespielt habe.

    Wenig später geraten er und Wölky abermals aneinander, als der wissen möchte, woher E. eine Person kenne, deren Name in dem Verfahren ebenfalls bereits gefallen war. „Sie gehen mir auf die Nerven“ zischt der bullige, auf dem Kopf mit zahlreichen Narben versehene E. den Verteidiger an. An einer Antwort kommt er aber auch diesmal nicht vorbei.

    Fragwürdige Rolle des Hauptermittlers

    Wenig später aber hat er den heutigen Verhandlungstag überstanden. Weiter geht es in dem Prozess erst im kommenden Jahr. Dann wollen Falks Anwälte nicht nur E. weiter befragen, sondern auch Chatprotokolle zwischen ihm und dem Hauptermittlungsführer der Polizei einbringen. Aus diesen soll nicht nur eine freundschaftliche Duz-Beziehung zwischen beiden hervorgehen, sondern auch, dass der Beamte E. mit Ermittlungsinterna versorgt und sich mit „perfekt“ äußert haben soll, als über eine Fortdauer von Falks Haft entschieden wurde.

    Die weitere Haft Falks wird dann zum Verhandlungsende noch einmal Thema. Falks Verteidiger Gercke spricht sie an. Ob der Richter nach dem Wegbrechen von wichtigen Belastungsmomenten sowie den jetzigen Widersprüchen immer noch davon überzeugt sei, dass für Falk ein weiteres Weihnachten ohne Familie zu verantworten sei?

    Ein Stunde zuvor hatte sich ein im Zuschauerraum sitzender Freund Falks während einer Verhandlungspause von Falk verabschiedet: „Merry Christmas, Sascha“, rief er ihm durch die Glasscheibe zu. Sascha, so nennen ihn seine Freunde, hob nur die Schultern und Hände und legte die Stirn in Falten. Nach aktuellem Stand wird es wahrscheinlich das zweite wenig fröhliche Fest nacheinander für Falk.

    Mehr: Lesen Sie hier, was die Frau von Alexander Falk vor Gericht über ihren Mann gesagt hat.

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