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Reinhold von Eben-Worlée

Das Unternehmen des Verbandspräsidenten stellt Zutaten für die Lebensmittelindustrie her.

(Foto: Anne Grossmann Fotografie)

Mittelstand Lautsprecher wider Willen: Familienunternehmer-Präsident Reinhold von Eben-Worlée

Mit seiner Kritik an Wirtschaftsminister Altmaier hat Reinhold von Eben-Worlée hohe Wellen geschlagen. Dabei ist er eigentlich ein Fan des Understatements.
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Düsseldorf, BerlinReinhold von Eben-Worlée schaut aus dem Fenster seines Büros in Hamburg. „Wolken ziehen auf“, sagt er – und meint es durchaus auch im übertragenen Sinne. Kaum ein Unternehmer erregte in jüngster Zeit so viel Aufsehen wie der Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“.

Der 62-Jährige kritisiert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier harsch. War es zunächst das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die „entgleiste Energiewende“, störte ihn zunehmend die Tatenlosigkeit des Ministeriums in CDU-Hand. Er nennt den Arbeitgeberbeitrag zur paritätischen Krankenversicherung als Beispiel. Und er wartet noch immer auf Altmaiers angekündigte Strategie zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands.

Was ihn wirklich in Harnisch brachte, war das industriepolitische Papier von Altmaier Anfang Februar. „Es offenbart eine gefährliche Denke“, sagt der Unternehmer. „Herr Altmaier will die Großen vor Wettbewerb schützen, die die mittelständischen Zulieferer dann ausquetschen.“ Der Verbandspräsident kritisiert, dass das Papier nicht – wie sonst üblich – verschiedene Ebenen des Ministeriums durchlaufen hat.

Altmaier wollte damit unterstreichen, dass ihm das Thema ein Herzensanliegen ist. „Wäre das die Grundhaltung des gesamten Kabinetts, wäre das noch schlimmer“, sagt von Eben-Worlée. Aber der Verbandspräsident fürchtet es fast: Die Bundesregierung werbe offenbar schon in Europa für eine „Durchlöcherung der Fusionskontrolle“. Das gehe klar gegen die ordnungspolitische Grundhaltung der Familienunternehmer. „Und dann setzten wir uns auf die Hinterbeine.“

Dass er persönlich so ins Zentrum rückt, habe er nicht gewollt. Ihm geht es um die Sache, um die Interessen der Mitglieder, die er als vertritt. Er selbst ist geschäftsführender Gesellschafter von Worlée, einer 1851 gegründeten Firma mit rund 650 Mitarbeitern und 300 Millionen Euro Umsatz.

Worlée beliefert Hersteller von Tees, Tütensuppen, aber auch Müsli- und Riegelhersteller mit Pilzen, Zwiebeln, Gewürzen, Früchtetees, Gemüse, Kräutern und Nüssen. Wer Lackfarben kauft, weiß oft nicht, dass in vielen Eimern Bindemittel von Worlée verrührt wurden. Ein Vorteil: „Der Verbraucher kann dann, wenn ich dann doch einmal unbeliebte Themen anspreche, nicht sagen, ich kaufe keine Tütensuppen oder Farbe mehr.“

Beim parlamentarischen Abend, den sein Verband einmal im Jahr veranstaltet, brachte er mit einem Speer drei schwarze Luftballons zum Platzen: „Protektionismus“, „Subventions-Champions“, „Fusionsmonster“ stand darauf. Sein Vorpreschen war auch ein Akt der Verzweiflung, sagen Vertraute.

Denn der Hamburger liebt eigentlich das hanseatische Understatement. Auch Patrick Adenauer, geschäftsführender Gesellschafter des Bauunternehmens Bauwens, kennt ihn als besonnen. Der Vor-Vorgänger im Amt des Präsidenten der Familienunternehmer schätzt Worlées ruhige, aber zugleich bestimmte Art.

„Er kommuniziert unerschrocken aus einer auch sozial verpflichteten, unternehmerischen Grundhaltung.“ Sein Nachfolger habe dabei ein klares Bild von Sozialer Marktwirtschaft im besten Sinne von Ludwig Erhard: „Wettbewerb zugunsten der Verbraucher.“
Es ist erst zwei Wochen her, dass der Familienunternehmer-Präsident beim Wirtschaftsminister vorsprach. Die beiden hatten 35 Minuten. Darin erklärte der Minister, dass sein Papier eine Diskussionsgrundlage sei.

Altmaier habe gesagt, er wolle, dass mehr über Wirtschafts- statt Sozialpolitik diskutiert werde. „Die Diskussion ist ihm gelungen“, kommentiert von Eben-Worlée, aber in die falsche Richtung. Der Unternehmer hofft, dass er nun laut genug gewesen ist. Am 9. Mai, zum jährlichen Kongress und 70-jährigen Bestehen des Verbands, ist Altmaier nicht eingeladen, erklärt von Eben-Worlée. Weil er derzeit wie ein Minister für Großkonzerne und Staatswirtschaft auftrete.

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