MOL-Chef Zsolt Hernádi Etappensieg für per Haftbefehl gesuchten Ölmanager

Ungarn liefert den MOL-Chef nicht an Kroatien aus. Die Korruptionsvorwürfe gegen Zsolt Hernádi sind längst zur Staatsaffäre geworden.
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Zsolt Hernádi: Etappensieg für per Haftbefehl gesuchten MOL-Chef Quelle: Reuters
Zsolt Hernádi

Der Manager ist bereits seit dem Jahr 2000 Chairman der MOL und seit 2011 CEO.

(Foto: Reuters)

WienZsolt Hernádi, Vorstandschef des größten Unternehmens in Ungarn, ist seit Jahren in seiner Bewegungsfreiheit empfindlich eingeschränkt. Denn der CEO des Öl- und Gaskonzerns MOL wird auf Betreiben Kroatiens mit einem europäischen Haftbefehl gesucht.

Nun hat Hernádi in Budapest einen wichtigen Etappensieg errungen. Dort lehnte das zuständige Gericht einen Auslieferungsantrag der kroatischen Regierung ab. Die ungarischen Richter bezweifeln, dass der Manager einen fairen Prozess in dem EU-Nachbarland erhält und vollstreckten daher den europäischen Haftbefehl nicht.

Hernádi soll wegen der angeblichen Bestechung des früheren kroatischen Premiers Ivo Sanader der Prozess gemacht werden. 2012 wurde Sanader wegen Korruption und Amtsmissbrauch zu einer Gefängnisstrafe von insgesamt zehn Jahren verurteilt, die er teilweise in der Nähe der kroatischen Hauptstadt absaß.

Hernádi bestreitet seit Beginn der Ermittlungen jede kriminelle Handlung bei der Übernahme des kroatischen Energiekonzerns Ina und auch die angebliche Zahlung von zehn Millionen Euro als Schmiergeld. Mol besitzt 49,1 Prozent des ehemaligen kroatischen Staatsunternehmens.

Auf die Unterstützung der ungarischen Regierung kann der mächtige Ölmanager dabei vertrauen. Das Land blockiert derzeit die Aufnahme Kroatiens in die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). „Ungarns Position ist klar und eine Frage des Prinzips“, sagt der ungarische Außenminister und Vertraute des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, Péter Szijjárto. Die Haltung der rechtspopulistischen Regierung in Budapest gilt als Retourkutsche für die Unnachgiebigkeit der kroatischen Regierung im Fall Hernádi.

Die kroatische Regierung initiierte ein internationales Schiedsgericht gegen MOL und hat den Fall verloren, erinnert Chefdiplomat Szijjárto. Ende 2016 hatte die Kommission der Vereinten Nationen für internationales Handelsrecht (Uncitral) entscheiden, dass es keine Beweise für Korruption bei der Übernahme des 49-prozentigen Anteils am kroatischen Energiekonzern Ina gegeben habe.

Politischer Überlebenskünstler

Seit Herbst 2013 wird Hernádi mit einem europäischen Haftbefehl international gesucht. Drei Jahre später gab Interpol zumindest den internationalen Haftbefehl auf. Die Ermittlungen und der Rechtsstreit gegen den MOL-Chef laufen mittlerweile bereits seit über sieben Jahren.

Aufatmen kann Hernádi aber nicht. Denn bereits am 17. September ist in Kroatien die Anhörung für die Wiederaufnahme des Verfahrens in Zagreb geplant. Der Ölmanager wird den Fall vorerst nicht los. Seine Bewegungsfreiheit ist weiter eingeschränkt. In der Vergangenheit konnte er zumindest in einige wenige EU-Länder wie Deutschland, Österreich oder der Slowakei reisen.

Hernádi ist bereits seit dem Jahr 2000 Chairman der MOL und seit 2011 CEO. Der in Esztergom aufgewachsene Ökonom ist ein politischer Überlebenskünstler. Selbst der Machtwechsel zum Rechtspopulisten
Viktor Orbán im Jahr 2010 schadete dem heute 57-Jährigen nicht.

MOL mit 26.000 Mitarbeitern und fast 1900 Tankstellen erzielte im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von über 15 Milliarden Dollar. Der ungarische Staat ist mit 25,2 Prozent größter Einzelaktionär des Energieriesen. Derzeit baut Stararchitekt Norman Foster das größte Hochhaus in Ungarn als neuen Unternehmenssitz, der 2021 fertig sein soll.

MOL hat sich bisher vor allem auf die Öl- und Gasförderung konzentriert, will aber bis zum Jahr 2030 beispielsweise auch Dienstleistungen rund um die Elektromobilität anbieten, seine Tankstellen zu Handels- und Dienstleistungszentren umbauen und die Petrochemie ausbauen.

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