Nach Betrugsanklage Entscheidung über Prozess gegen Fitschen verzögert sich

Die Anklage gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, liegt seit Monaten auf dem Tisch. Die Entscheidung über einen möglichen Prozess verzögert sich aber - weil der zuständige Richter noch andere Pläne hat.
Update: 17.01.2015 - 10:41 Uhr Kommentieren
Jürgen Fitschen, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, auf der Hauptversammlung des Kreditinstituts: Die Münchner Staatsanwaltschaft hat Fitschen wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren angeklagt. Quelle: dpa

Jürgen Fitschen, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, auf der Hauptversammlung des Kreditinstituts: Die Münchner Staatsanwaltschaft hat Fitschen wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren angeklagt.

(Foto: dpa)

München/FrankfurtMuss sich der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, in einem Betrugsprozess vor dem Landgericht München verantworten? Seit Monaten hängt diese Frage wie ein Damoklesschwert über dem mächtigen Manager. Auf eine Antwort muss Fitschen nun wohl länger warten als gedacht.

Die Anklage gegen ihn und seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer wegen versuchten Betrugs im Kirch-Prozess hat die Staatsanwaltschaft zwar bereits im vergangenen Sommer erhoben. Die Entscheidung darüber, ob sie zugelassen wird und es somit zum Gerichtsprozess kommt, verzögert sich aber.

Hintergrund ist ein Beförderungswunsch des zuständigen Richters Peter Noll. Er sollte als Vorsitzender der 5. Strafkammer eigentlich über die 627 Seiten starke Anklageschrift der Münchner Staatsanwaltschaft entscheiden. Noll hat sich inzwischen aber um eine Stelle am Oberlandesgericht München beworben.

Sollte er mit seiner Bewerbung Erfolg haben, will er seinem Nachfolger die Entscheidung über den komplexen Fall überlassen. Über die Anklage selbst zu entscheiden und dann zu gehen, kommt für den Richter nicht infrage. „Das wäre kein guter Stil“, sagt Noll.

So müssen Fitschen, Breuer, Ackermann und zwei weitere Ex-Manager der Bank möglicherweise noch monatelang auf die Entscheidung warten, ob sie sich als Angeklagte vor Gericht verantworten müssen. „Eine Entscheidung über die Anklage ist nicht zu erwarten, solange der Schwebezustand anhält und unklar ist, ob Herr Noll an das Oberlandesgericht wechselt“, betont Gerichtssprecherin Margarete Nötzel.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Manager mit falschen Angaben vor Gericht Schadenersatzzahlungen an Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch verhindern wollten. Die Angeklagten weisen den Verdacht zurück. Rückhalt kommt auch von der Deutschen Bank. „Für alle aktuellen und ehemaligen Vorstandsmitglieder der Bank gilt die Unschuldsvermutung“, heißt es dort.

Der berüchtigte Richter mit der weißen Fliege
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