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Nach Monsanto-Übernahme Agro-Chef Liam Condon – Bayers Marathon-Mann ist in der Glyphosat-Krise gefordert

Der Ire hat die Agrosparte für die Monsanto-Übernahme fit gemacht. Nun muss er die Prozesswelle um Glyphosat meistern.
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Die Schering-Übernahme brachte den Iren zu Bayer. Quelle: Reuters
Liam Condon

Die Schering-Übernahme brachte den Iren zu Bayer.

(Foto: Reuters)

FrankfurtLiam Condon mag die Marathon-Metapher, er ist selbst Läufer. Sogar die Ultradistanz über 100 Kilometer hat er vor Jahren geschafft. Die Übernahme des Saatgutkonzerns Monsanto beschreibt der Chef der Bayer-Agrosparte daher als Marathonlauf mit vielen Etappen.

Den ersten Abschnitt hat er Anfang Juni bewältigt, den Abschluss der komplizierten Kartellgenehmigungen und den formalen Vollzug der 63 Milliarden Dollar teuren Akquisition. Nun steht die schwierige Integration des US-Konzerns bevor. Und zudem muss der 50-jährige Bayer-Manager auch noch eine weitere Ausdauer-Herausforderung meistern: einen Prozess-Marathon um das Herbizid Glyphosat. Eigentlich sind es also mehrere Marathonläufe direkt hintereinander – wie ein 100-Kilometer-Lauf eben.

Der wird Kräfte kosten: Ein US-Gericht in San Francisco hat einem krebskranken Kläger gut 250 Millionen Euro Schadensersatz zugesprochen, für eine Krebserkrankung, die nach Auffassung der Geschworenen auf das prominente Unkrautmittel von Monsanto zurückzuführen ist. Gut 5 000 weitere Klagen sind heute schon anhängig, und diese Zahl dürfte weiter steigen.

Für Bayer steht viel auf dem Spiel. Fast zehn Milliarden Euro Börsenwert büßte der Konzern in Reaktion auf das Glyphosat-Urteil ein. Zu groß ist die Sorge, dass er sich mit Monsanto unkalkulierbare Risiken eingehandelt und womöglich Milliarden für ein Produkt bezahlt hat, das auf Dauer nicht am Markt zu halten sein wird.

Als Chef der Bayer-Agrosparte wird Condon daher in den nächsten Monaten nicht nur seine Fähigkeiten als oberster Integrationsmanager unter Beweis stellen müssen. Gefragt sein wird er auch als Kommunikator, der mithilft, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.

Condon scheint bestens gerüstet

Auch für diese Aufgabe erscheint der gebürtige Ire und studierte Marketingexperte bestens gerüstet. Condon gilt als Verkaufstalent, das mit voller Stimme und in fast perfektem Deutsch die Bayer–Agrostrategie erläutern kann. Condon studierte Sprachen und internationales Marketing, erst in Dublin, später in Berlin.

Seine Industriekarriere startete er in den 90er-Jahren bei Schering, wo er sich als Pharmareferent im Außendienst bewährte. Ende der 90er-Jahre schickte ihn der Berliner Konzern für fünf Jahre nach Japan und später nach China. Mandarin spricht Condon neben Irisch, Englisch, Deutsch und Französisch und Japanisch nämlich auch.

Als Bayer Schering 2006 schluckt, lernen sie Condon schnell auch in Leverkusen schätzen. Vier Jahre lang leitet er für Bayer das Pharmageschäft in China, bevor er 2010 Deutschlandchef von Bayer Pharma wird und den gerade neu eingeführten Gerinnungshemmer Xarelto zum großen Erfolg macht. Zwei Jahre später holt ihn der damalige Bayer-Chef Marijn Dekkers schließlich an die Spitze der damals dahindümpelnden Agrosparte.

Auch hier machen sich Condons Vertriebs- und Marketingstrategien schnell in steigenden Umsätzen und Erträgen bezahlt. 2016 rückt er in den Bayer-Vorstand auf und wird zum wichtigsten Mitstreiter von Firmenchef Werner Baumann im Kampf um Monsanto.

Analysten schätzen den Iren als „hochkompetent“

Analysten schätzen ihn als „hochkompetenten“ und geradlinigen Gesprächspartner. Dabei lief für den Iren keineswegs alles glatt in den letzten Jahren. Im Juni 2017 etwa zeigte die Bayer-Agrosparte mit einer Gewinnwarnung unerwartete Schwächen. Um die Kartellgenehmigung für Monsanto zu sichern, muss Bayer die gesamte eigene Saatgutsparte samt einigen Teilen des Herbizidgeschäfts an die BASF abgeben, viel mehr als zunächst geplant.

Und nun kommt die Glyphosat-Prozesswelle hinzu. Sie wird die Kondition des Bayer-Managers wohl noch auf Jahre beanspruchen. Die Metapher vom Langstreckenlauf könnte sich als treffender erweisen, als dem Dauerläufer aus Dublin lieb ist.

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