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Neue Chefin der Unternehmensberatung Wie Julie Sweet die Männerbastion Accenture eroberte

Die Amerikanerin kämpft seit Jahren dafür, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Jetzt steigt sie selbst auf und wird Chefin der Technologieberatung Accenture.
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Sie stammt aus kleinen Verhältnissen. Dennoch gaben ihr die Eltern das Rüstzeug mit, um nach ganz oben zu kommen. Quelle: Bloomberg
Julie Sweet

Sie stammt aus kleinen Verhältnissen. Dennoch gaben ihr die Eltern das Rüstzeug mit, um nach ganz oben zu kommen.

(Foto: Bloomberg)

New York Die Kämpfernatur hat Julie Sweet von ihren Eltern. Ihr Vater war Autolackierer, die Mutter Kosmetikerin, beide ohne Highschool-Abschluss. Das Geld war knapp, und doch wollten sie ihren Kindern alles ermöglichen. Etwa, als Julie für die öffentlichen Diskussionsrunden ihres Debattierklubs in der Schule Anzüge brauchte. „Die hatte meine Mutter mir nachts genäht. Ich weiß gar nicht, wie sie das alles geschafft hat“, erinnert sich Julie Sweet.

Die Familie musste sich durchbeißen. Als ihre Mutter den Highschool-Abschluss nachholte, kümmerte sich der Vater um die drei Kinder. Das hat sie geprägt. „Wir wussten immer: Wenn wir hart arbeiten, können wir alles erreichen, was wir wollen“, erzählte sie in einem Interview mit der Investmentbank Goldman Sachs.

Nun hat es die 51-Jährige nach ganz oben geschafft. Ab September ist sie Vorstandschefin von Accenture, einer der größten Unternehmensberatungen der Welt mit zuletzt annähernd 40 Milliarden Dollar Umsatz. Accenture ist einer der führenden IT-Dienstleister, Kunden lagern ganze Bereiche an den Serviceanbieter aus.

Dazu kommt eine umsatzstarke Technologieberatung für Strategie-Entwicklung und digitale Transformation. Erstmals kommt eine Frau an die Spitze des Unternehmens; sie ist die 34. Frau, die eines der 500 größten börsennotierten Unternehmen in den USA leitet.

Das sind zwar so viele wie noch nie, und doch, das weiß auch Sweet, ist es noch ein weiter Weg zu mehr Diversität in der amerikanischen Konzernwelt – und vor allem in der noch immer stark männlich geprägten Welt der Unternehmensberater. Egal ob McKinsey, Boston Consulting oder auch Accenture: Für Frauen ist der Aufstieg im Consultingbusiness schwer – weil sich die Führungsjobs dort kaum mit dem Familienleben vereinbaren lassen und weil die Männer noch immer einen maskulin geprägten internen Wettbewerb führen und damit die Firmenkultur bestimmen.

2025 soll die Hälfte der Mitarbeiter weiblich sein

Bei Accenture hat sich Sweet ehrgeizige Ziele für mehr Diversität gesetzt. 2025 soll die Hälfte der Mitarbeiter weiblich sein und jede vierte Führungskraft ab der Ebene unterhalb des Partners eine Frau. „Es ist kein Hexenwerk“, stellte sie Anfang des Jahres in der „New York Times“ klar. „Man muss sich Ziele setzen, Führungskräfte für das Erreichen verantwortlich machen, den Fortschritt messen und einen Plan haben.“ Doch auch Accen‧ture, räumt sie ein, sei nicht perfekt.

Sweet studierte Jura an der renommierten Columbia University in New York und startete ihre Karriere gleich bei Cravath, einer der wichtigsten Kanzleien der Wall Street. 2010 wechselte sie als Chefjustiziarin zur Technologieberatung Accenture, wurde fünf Jahre später Amerikachefin und war damit bereits verantwortlich für fast die Hälfte des Konzernumsatzes. Schon bei Cravath arbeitete sie daran, den Anteil der Frauen zu erhöhen.

Kurz vor ihrer Beförderung wurde ihr klar, wie schwer es Frauen immer noch haben. „Ich sollte in einem Seminar über unbewusste Vorurteile von meinen Erfahrungen berichten“, sagte sie. Dabei schossen ihr die Tränen ins Gesicht, sie musste den Raum verlassen. Es seien viele kleine Erlebnisse gewesen, auch mit Kunden, die ihr in dem Moment in den Kopf kamen. „Und da habe ich mir fest vorgenommen, dass andere Frauen das nicht durchmachen müssen.“

Als neue Chefin der globalen Organisation muss sie nun vor allem Kontinuität vermitteln. Ihr Vorgänger, der Franzose Pierre Nanterme, trat im Januar aus Krankheitsgründen zurück und verstarb wenig später. Finanzchef David Rowland übernahm kommissarisch und wird künftig Executive Chairman. Nanterme hatte Accenture regelrecht beflügelt: Der Umsatz stieg zwischen 2014 und 2018 um ein Drittel, die Mitarbeiterzahl wuchs auf einen Rekordwert von 470.000. Der Börsenwert liegt heute bei 125 Milliarden Dollar.

Doch von den Erfolgen ihres Vorgängers fühlt sich Julie Sweet nicht unter Druck gesetzt, im Zweifel kann sie sich auf ihre extreme Arbeitsdisziplin verlassen. Eigenschaften, die sie ebenfalls von ihren Eltern gelernt hat, wie sie immer wieder betont. „Einmal habe ich mich beklagt, als ich in den ersten sechs Wochen bei Cravath vier Nachtschichten eingelegt habe“, erzählt sie. „Mein Vater fragte: Arbeitest du in einem Büro? Läuft im Sommer die Klimaanlage und im Winter die Heizung? Zahlen sie dir ein Taxi, wenn du lange im Büro bleibst?“ Nachdem sie jede Frage mit einem Ja beantwortet hatte, entgegnete er: „Dann hör auf zu jammern.“

Mehr: Managementberater steuern auf Umsatzrekorde zu

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