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Neue Motivationsformen rücken ins Blickfeld Aktienoption „pur“ wird zum Auslaufmodell

Vorbei die Zeiten, da sie die Augen von Yuppies und Senior-Managern gleichermaßen leuchten ließen – die Aktienoptionen fallen zunehmend in Ungnade, gleichermaßen bei ihren Nutznießern wie bei den Unternehmen, die sie verteilen.
  • Joachim Weber und Jens Eckardt (Handelsblatt)

FRANKFURT/PORTLAND. Gerade hat der Autobauer Daimler-Chrysler laut über den Abschied von der bisherigen Form der Aktienoptionen für 6 500 Führungskräfte nachgedacht. Und der Software-Riese Microsoft hat definitiv die Ausgabe realer Aktien statt der „Wettscheine“ namens Stock Options beschlossen.

Beide reagieren damit vor allem auf das wachsende Unbehagen jener Mitarbeiterkreise, die sich von ihren Aktien-Kaufrechten erkleckliche Einkommensverbesserungen versprochen hatten. Seit Ende des Börsenbooms sind sie auf der Verliererseite – die meisten Aktien erreichten nicht einmal mehr die Kurse, die die Unternehmen den Optionsberechtigten als einst günstige Kaufpreise zugesagt hatten. Aus diesem Grund stellen inzwischen viele Unternehmen in Europa und den USA Überlegungen über neue Motivationsformen an, die sich ebenfalls am Unternehmenserfolg orientieren.

Neuregelung der Bilanzierung überdenken

Solche Erwägungen fallen den Unternehmen umso leichter, als ihnen eine Wahlmöglichkeit genommen wird. „Alle gegenwärtigen Diskussionen laufen darauf hinaus, dass Aktienoptionen gleich welchen Zuschnitts künftig als Personalaufwand zu verbuchen sind, sowohl in den USA als auch in Deutschland“, erläutert Jens Gemmecke, Vergütungs-Experte der internationalen Anwaltskanzlei Jones Day. Das können sich die Unternehmen bislang ersparen, wenn sie die Optionen aus neu ausgegebenen Aktien mit simplem Kursaufschlag bedienen. „Dabei zahlen die Aktionäre die Kosten – über den Verwässerungseffekt“, weiß Gemmecke.

Die Zwangsbuchung als Personalaufwand würde den Gewinnausweis vieler Unternehmen erheblich verschlechtern. „In den USA wäre der durchschnittliche Gewinn der 30 Unternehmen im Dow Jones Industrial Index 2001/02 um 30 Prozent niedriger ausgefallen“, hat Michael Kramarsch, Managing Partner bei der Unternehmensberatung Towers Perrin, ausgerechnet. Für die Firmen im S&P-500-Index hätte die Gewinneinbuße nach einer Analyse von Kleinwort-Wasserstein sogar bei 46 % gelegen.

Kein Wunder also, dass bisher nur wenige US-Technologiefirmen, darunter Internethändler Amazon.com und Finanzdienstleister Check-Free, Optionen als Kosten behandeln wollen. Intel-Chef Craig Barrett erklärte sogar, er würde den Jahresbericht nicht unterschreiben, müsste er Optionen als Aufwand buchen. Doch die Kehrtwendung von Microsoft wird nach Ansicht von Analysten andere Technologiefirmen zwingen, ihren Widerstand gegen die Neuregelung der Bilanzierung von Optionen zu überdenken.

Diskussion gerade erst angelaufen

Die Entscheidung wird auch die Diskussion in Washington beeinflussen, wo einerseits die Börsenaufsicht SEC und das Rechnungslegungs-Gremium FASB darauf dringen, Optionen als Kosten zu buchen, andererseits Gesetzentwürfe im Kongress vorliegen, die dies blockieren würden. Der Cheflobbyist der High-Tech-Branche, Rick White, sieht Microsofts Schritt als Zeichen für die Reife und finanzielle Stärke des Konzerns, der 46 Mrd. $ an liquiden Reserven hat.

In Deutschland ist die Diskussion um die neue Rolle des Vehikels Aktienoption gerade erst angelaufen. Und sie verläuft weniger hitzig, nicht zuletzt, weil etliche Unternehmen bereits den Kostenansatz praktizieren. „34 Prozent der deutschen Unternehmen finanzieren derzeit ihre Aktienoptionspläne über den Personalaufwand“, sagt Towers- Perrin-Berater Kramarsch.

Er ist überzeugt, dass bei gleichen Wettbewerbs-Chancen andere Anreiz-Modelle Boden gewinnen werden, etwa Phantom-Aktien, bei denen die rechnerischen Kursgewinne der Optionen direkt ausgezahlt werden, oder kennzahlenorientierte Konzepte. Sicher ist er sich aber darüber: „Die aktienbasierte Vergütung wird einer der Bausteine der Vergütung bleiben.“

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