Thomas Middelhoff

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat laut einem Medienbericht ein neues Verfahren gegen den ehemaligen Top-Manager eingeleitet.

(Foto: imago/epd)

Neues Verfahren Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Top-Manager Middelhoff und seinen früheren Anwalt

Dem früheren Arcandor-Chef droht offenbar neuer Ärger: Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat ein Ermittlungsverfahren gegen Middelhoff eröffnet.
Update: 25.07.2018 - 12:11 Uhr Kommentieren

KölnGegen Thomas Middelhoff wird erneut ermittelt: Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat ein neues Verfahren gegen den ehemaligen Top-Manager und seinen früheren Rechtsanwalt Hartmut Fromm eingeleitet, wie Oberstaatsanwalt Ralf Günther dem Handelsblatt bestätigt. Zuvor hatte der Rechercheverbund aus WDR und „Süddeutscher Zeitung“ („SZ“) über das Ermittlungsverfahren berichtet.

Demnach sollen Middelhoff und Fromm verdächtigt werden, ein Millionenvermögen illegal beiseite geschafft und damit dessen Gläubiger benachteiligt zu haben. Diesen Vorwurf wollte Günther auf Handelsblatt-Anfrage nicht bestätigen. „Diese falschen Informationen habe ich den Medien nicht erteilt.“ Auskunft zum Inhalt des Verfahrens wollte er nicht geben.

Gegenüber dem Rechercheverbund hatten sowohl Middelhoff als auch Fromm erklärt, dass ihnen das Verfahren nicht bekannt sei. Das könnte daran liegen, dass die beiden noch nicht formell über das Ermittlungsverfahren informiert worden seien, wie Günther dem Handelsblatt sagte.

Zu der neuen Ermittlung erklärte Middelhoff am Dienstag gegenüber dem Rechercheverbund, der Vorwurf des Bankrotts sei bereits abschließend durch die Staatsanwaltschaft Bochum geprüft und eingestellt worden, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld würden seines Erachtens zu demselben Ergebnis führen.

„Sollte ich trotz rechtlicher Beratung einen Beurteilungs- oder Ermessensfehler begangen haben, – den ich wirklich nicht erkennen kann – werde ich natürlich zu meiner Verantwortung stehen“, zitiert der WDR Middelhoff.

Middelhoffs Insolvenzverwalter, Thorsten Fuest, soll Fromm und dessen Berliner Kanzlei zudem beim Landgericht Bielefeld auf Zahlungen von 5,1 Millionen Euro verklagt haben. Diese Klage löste laut „SZ“ auch die Ermittlungen der Bielefelder Staatsanwaltschaft aus.

Die Grundlage der Fuest-Klage ist dem Rechercheverbund zufolge ein Gutachten der Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing. Ein Experte soll darin Middelhoffs Vermögenstransfers in den Jahren 2011 bis 2015 durchleuchtet haben. Den Insolvenzzeitpunkt setze das Gutachten auf das Jahr 2011 fest.

Danach habe der einstige Top-Manager, der als Chef des Medienriesen Bertelsmann, Partner der Investmentfirma Investcorp und später an der Spitze der Karstadt-Mutter Arcandor Millionensummen verdiente, gemeinsam mit Fromm „systematisch“ wesentliche Vermögensgegenstände auf Dritte übertragen, so die Einschätzung des Gutachters.

Zudem belastet laut „SZ“ ein prominenter Zeuge Middelhoff: Demnach hat der Münchner Unternehmensberater Roland Berger in einer eidesstattlichen Erklärung versichert, Middelhoff habe ihm im Januar 2014 erzählt, dass er sich auf eine Privatinsolvenz vorbereite. „Auf Nachfrage, was er damit meine, hat Herr Dr. Middelhoff bestätigt, dass er sich zum Schutz seines Vermögens habe beraten lassen und er seine Vermögensverhältnisse so geordnet habe, dass er seinen Gläubigern alles entziehen könne“, zitiert die Zeitung Berger. Middelhoff schulde dem Unternehmensberater sieben Millionen Euro.

Im Zentrum der Vorwürfe soll eine Hypothek stehen. Über die Grundschuld auf die einstige Ferienvilla „Aldea“ der Middelhoffs in St. Tropez sollen Millionen an eine Fromm nahestehende Firma geflossen sein, während die Gläubiger auf ihr Geld warteten Ob eine „Bankrott“-Straftat vorliege, hänge davon ab, wann dem einstigen Top-Manager de facto die Insolvenz drohte.

Im März 2015 meldete Middelhoff beim Amtsgericht Bielefeld seine Insolvenz an. Doch laut des Insolvenzgutachtens soll Middelhoff spätestens im Dezember 2011 zahlungsunfähig gewesen sein, berichten WDR und „SZ“. Middelhoff bestreite dies: Er sei fest vom Erfolg einer Schadensersatzklage gegen seine frühere Hausbank Sal. Oppenheim ausgegangen, habe eine Privatinsolvenz nicht kommen sehen.

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