NFL-Chef Roger Goodell Ein braver Leutnant

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Die NFL steht also an der Spitze – was soll da noch kommen für Roger Goodell?

Der gebürtige New Yorker mag das Erbe nicht einfach verwalten. Er hat eine Agenda: Einerseits will er die Liga erneuern und ins digitale Zeitalter führen. „Ich spreche viel mit Vorstandschefs großer Konzerne über das, was sie erfolgreich macht. Ihre Prinzipien wollen wir nutzen“, sagt Goodell. Andererseits will der Commissioner die NFL auch zum moralischen Vorbild machen. Bekennender Familienmensch ist er selbst, ist eng verbunden mit seinen vier Brüdern. Mit seiner Frau, der TV-Ansagerin Jane Skinner, hat er zwei Töchter. Geht es um Werte, fällt Goodell gern in einen besonders pastoralen Tonfall: „Die Fähigkeit einer Gruppe junger Männer, als Team zusammenzukommen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, ist sehr inspirierend für unsere Fans.“

Allein: Spieler und Trainer machen da nicht so recht mit. Die gerade beendete Saison war ein PR-Desaster: Mehrfach wurden Spieler wegen Doping verwarnt und suspendiert, vier Spieler wurden im vergangenen Jahr ermordet, ein Spieler geriet wegen der Organisation von Hundekämpfen in die Schlagzeilen. Und Bill Belichick, Trainer des Endspiel-Favoriten New England Patriots, wurde im September eine dicke Strafe aufgebrummt, weil er per Kamera die Handzeichen des gegnerischen Trainers überwachen ließ.

Das Interesse der Fans aber scheint das alles noch zu befeuern: Die Einschaltquoten der Übertragungen stiegen auf neue Rekordhöhen.

Hat Goodell also bisher alles richtig gemacht? Seine Gegner meinen, die Popularität des Sports überdecke die Probleme im Management. „Er urteilt zu schnell und zu hart“, sagt ein Mitarbeiter eines NFL-Clubs, der nicht genannt werden möchte: „Damit macht er sich keine Freunde.“ Die Spielergewerkschaft stellte sich in einigen Verfahren gegen undisziplinierte Spieler offen gegen ihn.

Gerade dieser Gegenwind könnte ihm im kommenden Jahr Probleme bereiten. Zum einen wird es um einen neuen Tarifvertrag zwischen Clubs und Spielergewerkschaft gehen. Die Spieler wollen mehr verdienen, die Teammanager sehen sich jetzt schon als übervorteilt an. Noch wichtiger: Vermutlich wird auch schon 2009 um die Verteilung der Gelder innerhalb der Liga gerungen. Die reichen Clubs verschieben pro Jahr eine Milliarde Dollar an die ärmeren, um die Liga spannend zu halten. Für Goodell-Gegner wäre dies eine gute Chance, den ungeliebten Ligenlenker aus dem Amt zu drängen.

Es braut sich also etwas zusammen über Roger Goodell. Doch der bleibt stoisch. 25 Jahre ist er für die Liga da, er ist notfalls bereit, für seine Überzeugung unterzugehen. Sein Vater sei eines seiner großen Vorbilder, sagte er „USA Today“. Charles Goodell war in den 60ern republikanischer Senator: „Er folgte seiner Leidenschaft, er liebte seine Leidenschaft, er tat, war er für richtig hielt.“

Einst sandte Charles Goodell einen Brief an Präsident Richard Nixon, in dem er sich offen gegen den Vietnam-Krieg aussprach. Es kostete ihn die Karriere. Noch heute hängt dieser Brief im Büro des Sohnes – als Mahnung, dass man für seine Überzeugung notfalls untergehen muss.

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