Norbert Klusen Manager sind keine Roboter

Wie Maschinen funktionieren Manager nicht - auch wenn das oft erwartet wird. Doch die Faktoren Glück und Gesundheit entziehen sich dem rationalen Umgang. Der Chef der TKK über Todesangst und ein krankes System.
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Chef der Techniker Krankenkasse: Norbert Klusen Quelle: Andreas Herzau für Handelsblatt

Chef der Techniker Krankenkasse: Norbert Klusen

(Foto: Andreas Herzau für Handelsblatt)

Es ist keine feine Adresse, und es ist auch kein Prunkbau. Die Zentrale der Techniker Krankenkasse in Hamburg-Barmbek ist so unaufgeregt, wie es der Name vermuten lässt. Das Gebäude aus viel Stahl und Glas ist aber zweierlei, und steht damit stellvertretend für das deutsche Gesundheitssystem: riesig und verwinkelt. Norbert Klusen, 64, hat sein Büro ganz oben. Der Empfang ist herzlich, sein Händedruck fest, seine blauen Augen schauen intensiv. In seinen 17 Jahren im Amt hat er das System kennengelernt - als Topmanager und als Patient.

Handelsblatt: Herr Klusen, es ist noch nicht lange her, dass Sie todkrank waren. Sind Sie gut behandelt worden?

Norbert Klusen: Ja, das bin ich. Ich hatte nur das Problem, dass ich - wie andere auch - als Patient erst fast schon tot sein musste, bevor ich ein neues Organ bekam. Ich hatte eine chronische Entzündung der Gallengänge, brauchte deshalb eine neue Leber und stand etwa fünf Jahre auf der Warteliste.

Norbert Klusen mit der Redakteurin Tanja Kewes (l) Quelle: Andreas Herzau für Handelsblatt

Norbert Klusen mit der Redakteurin Tanja Kewes (l)

(Foto: Andreas Herzau für Handelsblatt)

Das heißt, Sie haben fünf Jahre mit dem Tod vor Augen gelebt?

Ja, und es hat immer wieder Verschlechterungen bei meinem Gesundheitszustand gegeben, aber auch Verbesserungen. Das geht an die Substanz. Die letzten neun Monate vor der Transplantation waren besonders kritisch. Da habe ich oft abends vor dem Zubettgehen gedacht: "Wache ich morgen wieder auf?" Das war eine Zeit lang meine einzige Perspektive: den nächsten Morgen zu erleben.

Ein Leben ohne Perspektive und Pläne - wie haben Sie das ausgehalten?

Ich hatte zentimeterdicke Krampfadern in der Speiseröhre, die jede Minute aufbrechen konnten. Und deshalb habe ich mich einfach über jeden Tag, jede Stunde gefreut. Ich habe überhaupt nicht mehr darüber nachgedacht, was ich mache wenn ich zum Beispiel mit 65 Jahren in Rente gehe. Das lag jenseits meiner Vorstellungskraft. Denn ich habe gezweifelt, ein neues Organ zu kriegen.

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5 Kommentare zu "Norbert Klusen: Manager sind keine Roboter"

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  • Für viele Menschen wäre diese Diagnose ein Grund gewesen, zu Hause zu hoffen,dass rechtzeitig ein Organ zur Verfügung steht. Anders Professor Dr. Klusen. Er hat auch während seiner Krankheit für das Gesundheitswesen und seine Mitarbeiter hervorragend gearbeitet. So stelle ich mir Verantwortung übernehmen und Management vor! Danke dafür und einen gesunden Ruhestand!

  • Mir ist diese Diskussion zu einseitig. Der Begriff "Manager" kann jeden bezeichnen, der als Angestellter in einer Führungsverantwortung steht. Nicht nur die "ganz oben". Gerade Angestellte im "Middle Management" arbeiten viel und sind in einer unangenehmen Situation, den Ansprüchen beider Richtungen, "nach oben" wie "nach unten", genügen zu müssen. Gleichzeitig wird Eigeninitiative nicht gerne gesehen. Kein Wunder, dass aus dem mittleren Management viele Angestellte ein Burnout-Syndrom erleiden.
    Bitte ein wenig mehr Differenzierung!

  • Manager sind keine Roboter, Manager sind Menschen.
    Ihre Untergebenen sind die Roboter (tschech. "robota" = Zwangsarbeit) und werden häufig wie solche behandelt.
    Ob das Handelsblatt auch für Leiharbeits-Roboter einmal Verständnis zeigt?

  • Wenn die Gehälter von "Managern" nicht so übertrieben wären, würde man ihnen auch eher Leistungsdefizite nachsehen. Wer aber ein vielfaches des Gehalts eines normalen Arbeiters für sich beansprucht (und dieses von eingeschworenen Cliquen-Kameraden bzw. seinen Mafia-Brüdern [wie bei vielen Aufsichtsräten] bebilligt bekommt) und nur normale Leistung bringt, dem kann und darf dieses Misverhältnis nicht verziehen werden. Denn Verzeihen setzt Einsicht des Schuldigen voraus.

  • Möööp! Es gibt auch bei Medikamenten ein Zweiklassensystem, das habe ich selbst erlebt. Als Kassenpatient bekommt man eher das ältere, aber billigere Medikament und muss mit mehr Nebenwirkungen leben. Außerdem werden diverese Untersuchungen mit dem Status "kann, muss aber nicht" oft als unnötig abgetan, sofern man "Chipslette" ist.

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