Ölkonzern Ex-Siemens-Chef Löscher tritt bei OMV als Chefaufseher ab

Auslöser ist die wachsende Kontrolle des teilstaatlichen Unternehmens durch die Politik. Der österreichische Finanzminister will Löscher noch umstimmen.
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OMV: Ex-Siemens-Chef Peter Löscher tritt als Chefaufseher ab Quelle: Reuters
Peter Löscher

Der 60-Jährige war seit Juni 2016 Aufsichtsratschef von OMV.

(Foto: Reuters)

WienAuf das großartige Panorama über Wien von der Chefetage des Öl- und Gaskonzerns OMV will Peter Löscher künftig verzichten. Der bisherige Aufsichtsratschef des teilstaatlichen Unternehmens wirft zur Hauptversammlung Mitte Mai des nächsten Jahres das Handtuch. Auslöser seiner Entscheidung ist der massive Einfluss der konservativ-rechtspopulistischen Regierung auf teilstaatliche Unternehmen in Österreich.

Der ÖVP-nahe Finanzminister Hartwig Löger will den früheren Siemens-Chef noch persönlich umstimmen. Der frühere Versicherungsmanager will Löscher das vorteilhafte Modell der Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz für die Staatsbeteiligungen noch erklären. Der gebürtige Kärntner Löscher arbeitete seit Juni 2016 als Chefaufseher von OMV.

Zuvor war ein Brief bekannt geworden, in dem Löscher Kritik an der stärkeren staatlichen Kontrolle übt. Der Manager fürchtet eine Gefahr für das bisher ausbalancierte Modell.

Seit dem Antritt der Regierung Kurz hat die Aktie des Konzerns ein Fünftel an Wert verloren. Der österreichische Staat ist über seine Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBIB) zu 31,5 Prozent an OMV beteiligt. Ein Sprecher des österreichischen Finanzministeriums sagte, es gehe nicht um mehr staatlichen Einfluss bei dem neuen Modell der Staatsholding. Es gehe um ein „aktiveres Beteiligungsmanagement“. Am Dienstag treffen sich Löger und Löscher im österreichischen Finanzministerium.

Finanzminister Löger verfolgt aber eine Art „Austria first“-Politik nach dem US-Vorbild. Bei dieser an nationalen Interessen orientierten Politik wollte der ehemalige Siemens-Chef offensichtlich nicht mitmachen. So sehr er den politischen Anspruch einer ökonomisch stärkeren Interessenswahrnehmung und staatlichen Beeinflussung der österreichischen Regierung nachvollziehen könne, „so sehr bin ich auch unternehmerisch geprägt“, schrieb Löscher in seinem Brief, aus dem die österreichische Nachrichtenagentur APA zitierte.

Löscher, welcher der TU München einen Lehrstuhl für Wirtschaftsethik spendete, wird am Montag 61 Jahre alt. 2011 wurde er als „Auslandsösterreicher“ des Jahres ausgezeichnet.

In Wien wird nicht davon ausgegangen, dass sich Löscher vom Finanzminister umstimmen lässt. Der Ex-Siemens-Chef galt bei OMV als penibler, fleißiger und sorgfältiger Aufsichtsratschef, der einen Gegenpol zum offensiven CEO Rainer Seele bildete. Löscher hatte sein Büro als Aufsichtsratschef in der gleichen Etage wie der Vorstandschef.

Die österreichische Regierung setzt ihre Interessen bei Staatsbeteiligungen durch und setzt auf eine Austrifizierung. Erst Anfang September trat der enge Vertraute von Bundeskanzler Kurz, Thomas Arnoldner, seine neue Stelle als CEO der teilstaatlichen Telekom Austria an.

Der frühere Manager der Österreich-Tochter von T-Systems gilt als ÖVP-affin. Der argentinische Vorstandschef Alejandro Plater darf jedoch weiter als COO im Wiener Konzern arbeiten. Er genießt das Vertrauen des Mehrheitsaktionärs und Multimilliardärs Carlos Slim mit seinem Konzern America Móvil.

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