Offener Brief der Schlecker-Kinder „Bis zur schönen Uhr alles abgeben müssen“

Anton Schlecker hält sich nach dem Aus seiner Drogeriekette weiterhin bedeckt - jetzt haben aber seine Kinder Meike und Lars offene Worte gefunden. Ihr Brief an die Öffentlichkeit beinhaltet spektakuläre Aussagen.
Update: 22.06.2012 - 16:32 Uhr 16 Kommentare
Lars und Meike Schlecker in Ehingen vor der Unternehmenszentrale der Schlecker-Drogeriemärkte. Quelle: dpa

Lars und Meike Schlecker in Ehingen vor der Unternehmenszentrale der Schlecker-Drogeriemärkte.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Kinder des insolventen Drogeriemarktgründers Anton Schlecker, Meike und Lars, wehren sich gegen den Vorwurf, weiter über ein Millionenvermögen zu verfügen. Die Geschwister wandten sich in einer persönlichen Mitteilung an die Öffentlichkeit. In dem Statement geht es vor allem um die Vermögensverhältnisse der Schleckers.

„Unser Vater, Anton Schlecker, und die Anton Schlecker e.K. sind berechtigterweise in die Insolvenz gegangen“, heißt es in der Mitteilung. „Er selbst besitzt kein Vermögen mehr. Vom Sportwagen bis zur schönen Uhr hat er alles als Teil der Insolvenzmasse abgeben müssen.“

Da Anton Schlecker mit seiner Ehefrau jedoch eine Gütertrennung vereinbart habe und sowohl Meike als auch Lars Schlecker über eigenes Vermögen verfügten, sei in der Familie noch Geld vorhanden. Eine Sippenhaft gebe es im deutschen Recht nicht, betonen Meike und Lars Schlecker. „Wir helfen unserem Vater und werden ihn selbstverständlich auch in dieser Situation nicht im Stich zu lassen“, schreiben die Schlecker Kinder weiter.

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1950, Anfänge: Anton Schleckers Vater, der ebenfalls Anton heißt, eröffnet nach dem Krieg das erste Geschäft der Familie Schlecker. Eine Metzgerfiliale in der Bahnhofsstraße in Ehingen. Noch heute ist das Haus in Familienbesitz, wird von den Ehingern „Ur-Schlecker“ genannt. Die Ladenräume stehen heute leer, zuletzt versuchte sich ein 1-Euro-Laden.

Anton Schlecker
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1961-1974, Lehrjahre: Anton Schlecker lernt den Beruf des Metzgers bei „Schade&Füllgrabe“, einem Frankfurter Lebensmittelhändler. Nach der Lehre leitet er eine Filiale in Kronberg im Taunus. Danach macht er an der Metzgerschule in Augsburg seinen Meistertitel - mit 21 als jüngster in Baden-Württemberg. Er leistet seinen Grundwehrdienst und studiert Lebensmittelhandel an der Hochschule Hohenheim.

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1970-1973, Familie: Anton Schlecker lernt seine Frau Christa 1970 beim Tanztee in Göppingen kennen. Sie heiraten noch im gleichen Jahr. 1971 kommt Sohn Lars (links) zur Welt, zwei Jahre später Tochter Meike (rechts). Schlecker kauft der Familie in den 80er-Jahren ein Grundstück in Ehingen, baut dort die Villa der Familie.

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1975, Schleckers Imperium: In Kirchheim-Teck eröffnet der Unternehmer Anton Schlecker seine erste Drogeriefiliale. Seine Einkaufschefs überreden ihn dazu. Schon zwei Jahre später hat Schlecker 100 Filialen, 1984 sind es bereits tausend.

Lars und Meike Schlecker
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1987, Entführung: Am 23. Dezember werden Schleckers Kinder entführt. Drei bewaffnete Männer warten in der Villa. Die damals 14-jährige Meike und ihr Bruder Lars (16) werden in eine Holzhütte verschleppt, Christa Schlecker wird bewusstlos geschlagen. Die Lösegeldforderung: 18 Millionen Mark. Schlecker verhandelt. Über Nacht drückt er den Preis für das Leben seiner Kinder auf 9,6 Millionen Mark. Angeblich, weil er über diese Summe versichert ist. Seither schottet sich die Familie ab.

Schlecker
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1994-1999, Gerichtsverfahren: 1998 werden Schlecker und seine Frau Christa zu je zehn Monaten Bewährungsstrafe verurteilt und zu einer Millionenstrafe wegen Betrugs. Sie haben Mitarbeitern über Jahre vorgegaukelt, sie nach Tarif zu bezahlen, obwohl der Lohn weit darunter lag. 1999 ein zweiter Prozess. Durch Zufall hat man die Entführer seiner Kinder zwölf Jahre nach der Tat bei einem Raubüberfall erwischt. Sie gestehen. Schlecker sagt vor Gericht aus. Es ist der erste öffentliche Auftritt seit der Entführung. Die drei Täter bekommen langjährige Haftstrafen.

Schlecker
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2007, Abstieg: Die Ausdehnung von Schleckers Imperium ist auf dem Höhepunkt: 14.166 Filialen in 17 Ländern. Aber das Geschäft ist schon im freien Fall: 33 Millionen Euro Minus stehen Ende des Jahres unter dem Strich.

Konkrete Zahlen nennen Meike und Lars Schlecker dabei nicht. „Wir werden jedoch nicht tiefer unser Vermögen in den Medien offenlegen, da dies immer noch unsere Privatsache ist.“ Verloren sei aber die private Einlage bei Schlecker von jeweils 49 Millionen Euro sowie 64 Millionen, die bei der Pleite der Schlecker-Dienstleistungsgesellschaft verloren gegangenen seien.

Recherchen des Handelsblatts hatten Anfang Juni ergeben, dass die Familie noch über ein Privatvermögen von 35 bis 40 Millionen Euro verfügt. Die Millionen der Schleckers seien zum größten Teil im Besitz der Kinder, bestätigten Ex-Schlecker-Manager dem Handelsblatt. Die Villa der Familie gehöre der Ehefrau Anton Schleckers, der in der Insolvenz mit seinem Privatvermögen haftet. Der Firmenchef galt früher als Milliardär.

Mit Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kooperiere man genauso wie Vater Anton „selbstverständlich offen und transparent“, heißt es jetzt von Meike und Lars Schlecker. Sollte es Vermögensübertragungen gegeben haben, die im Sinne des Insolvenzrechtes rückübertragen werden müssten, so werde dies diskutiert und gegebenenfalls zurücküberwiesen.

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16 Kommentare zu "Offener Brief der Schlecker-Kinder: „Vom Sportwagen bis zur schönen Uhr hat er alles abgeben müssen“"

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  • Wenn schreiner oder Installateur pleite gehen ist das auch Bitter , aber dann sind oft nur ein paar Nitarbeiter betroffen , aber bei A S sind doch sehr viele davon betroffen und darum ist es nicht richtig das die Politik nicht Hilft.

  • Das ist doch echt der Hammer das , diese Familie noch Geld hat , den die Frauen die Jahre lang da gearbeitet haben , müssen auf das Arbeitsamt gehen um an Geld zu kommen obwohl Sie Ihre Arbeitskraft und Loalität gegenüber der Familie Schlecker immer bewiessen haben und jetzt auch noch Gerichtlich Ihre Abfindungen einklagen , einfach unglaublich und unsere Politik macht das gleich wie immer zusehen und große Sprüche machen , aber wer Hilft den Frauen die jetzt auf der Straße stehen ? Ich kenne mehrere die bei Schlecker Gearbeitet haben und nicht nur ein paar Tage sondern 22-12-5-11 Jahre und wissen jetzt nicht wie es weiter geht , aber Familie Schlecker lebt leider nur von 70.000 euro im Monat die armen, und wir schauen zu,leider . Diese Frauen müssen jetzt alle Gerichtlich Ihre Abfindung einklagen , wenn sie überhaupt etwas bekommen, und müssen sich auch noch vom Insolvenzverwalter das die Frauen die schon Geklagt haben Schuld seien das kein Investor einsteigt , obwohl es das Recht der Frauen ist dieses Abfindungsgeld zu bekommen . Hier sollte die Politik mal einschreiten und Helfen , den das wäre nur gerecht !

  • Welche Linken? Sehen sie auch sonst gerne Gespenster?

  • Wo bitte liegt denn das Problem? A.S. war ein ganz normaler Unternehmer, wie es viele in D. gibt. Seine Kinder waren so blöd, nur die Firmen des Vaters als Kunden zu haben. Das die Insolvenz für A.S. bitter ist, leuchtet ein, aber auch das trifft viele andere Unternehmer in D. Ich seh hier keinen Unterschied zu anderen Firmeninsolvenzen. Mir tun hier nur die MA leid, die jetzt auf der Straße stehen.

    A.S. war nach den Angaben mehrfacher Milliardär. Sollte das stimmen, so würde mich einmal interessieren, wo dieses Geld geblieben ist.

    Ansonsten kann ich das Gehabe der Kinder nur als lächerlich ansehen. Der Familie wird es mit Sicherheit besser gehen, als den MA, die nun in H-4 fallen.

    Wie gesagt, für mich eine völlig normale Insolvenz einer Firma. Wenn der Schreiner oder Installateur, der Pleite geht, nicht vom Staat gerettet wird, wieso soll dies bei A.S. gemacht werden? .....und mit Neid hat dies gar nix zu tun.

  • Wenn Schlecker mit 50000 Mitarbeitern ne Bank wäre,

    wäre die EZB eingesprungen und hätte ihn gerettet.

  • Jürgen Schneider = Betrüger
    Anton Schlecker = Unternehmer / Gründer

    Wenn es euch so viel Ausmacht das wer anderst mehr hat, dann Gründet doch selbst. Deutschland würdet ihr damit mehr Helfen als mit Eurer Missgunst.

    Einerseits sind alle Stolz darauf, dass so Produkte wie von Braun/Bosch/Daimler/BMW... aus Deutschland kommen, aber dann werden die, welche die Initiative starten und dann viele gute Leute einstellen und ermuntern ihr bestes zu geben, mit Missgunst gestraft.

  • IST das unappetitlich.
    Die "Kinder" sind zwei 40Jährige ohne jede Bedeutung und fühlen sich genötigt einen offenen Brief zu schreiben - und wer berichtet darüber? Das Handelsblatt.

  • Ja, besser wenn Schlecker niemals sein Unternehmen gegründet hätte, auf Lohn warten ist ja viel schlechter als gar kein Lohn zu erhalten.

    Ich möchte hier nichts rechtfertigen, Schlecker hat sein Unternehmen schlecht geführt. Aber trotzdem hat er mehr erreicht und gewagt als alle die sich hier aufplustern und völlig verblendet den Zeigefinger erheben...

    Mit freundlichen Grüßen

  • Muahahaha, erinnert mich alles irgendwie an Baulöwe Jürgen Schneider:

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,54662,00.html
    http://www.focus.de/politik/deutschland/trickser-er-ist-wieder-da_aid_191169.html
    http://www.dr-utz-juergen-schneider.de/boerse_2002.htm

    Der stieg nach dem totalen Ruin & Knast, durch Hilfe seiner Familie wieder wie Phönix aus der Asche auf.

  • Nun ist dieses Martyrium für die Mitarbeiterinnen ja gottseidank endlich vorüber!

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