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Oliver Blume Der Porsche-Chef hält den VW-Konzern zusammen

Oliver Blume führt Porsche seit Ende 2015 mit Ruhe und Übersicht. Im VW-Konzern ist er bereits die starke Nummer zwei hinter VW-Chef Herbert Diess.
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„Wo Porsche antritt, fahren wir auf Sieg“, zitiert der Porsche-Chef den Unternehmensgründer Ferdinand Porsche. Quelle: Bloomberg
Oliver Blume

„Wo Porsche antritt, fahren wir auf Sieg“, zitiert der Porsche-Chef den Unternehmensgründer Ferdinand Porsche.

(Foto: Bloomberg)

StuttgartOliver Blume ist leidenschaftlicher Fußballer und spielte im Verein Libero. „Eine Position, die es heute nicht mehr gibt“, merkt der groß gewachsene Porsche-Chef an, den seine schwarzen Hemden noch schlanker machen als er ohnehin ist. Damals wollten die meisten Knirpse spielen wie Franz Beckenbauer.

Libero heißt übersetzt „freier Mann“ und beschreibt die zentrale Position in der Abwehr ohne Gegenspieler mit der Hauptaufgabe Fehler der Mitspieler auszubügeln. Deshalb nannten die Briten die Position „sweeper“ – Ausputzer. Bis Franz Beckenbauer kam und den modernen offensiven Libero prägte. Der Mann, der eine Mannschaft zusammenhält, das Spiel mit gelegentlichen Vorstößen von hinten heraus führt wie sonst nur der weiter vorne agierende Spielmacher.

Auch wenn es die Position im modernen Fußball nicht mehr gibt, für den Volkswagen-Konzern beschreibt sie die Rolle von Blume recht gut. Denn Blume ist nicht nur Porsche-Chef, sondern auch für die gesamte Produktionsplanung im Konzern verantwortlich. Während VW-Chef Herbert Diess als etatmäßiger, mitunter exzentrischer Spielführer vorne herumwirbelt, hält Blume hinten den Laden zusammen.

Diess schockte vergangene Woche die gesamte Branche mit seinem Vorstoß, nur noch auf Elektromobilität zu setzten. Vor allem die Zulieferer befürchten, dass sie weniger Zeit haben ihre Produktion umzustellen. Dabei stehen nicht nur Milliardeninvestitionen im Feuer, sondern für die Elektromotoren braucht es deutlich weniger Beschäftigte als für Verbrennungsmotoren.

Bosch spricht von einem Faktor zehn zu eins. Blume lobt die Ansage von Diess als richtigen notwendigen Schritt. „Nur das attraktive Angebot macht den Markt. Am Ende können weder Herbert Dies noch ich beeinflussen, wann die Welt elektrisch fährt“, sagte Blume.

Aber nebenbei erwähnt er, dass die Umstellungsphase zehn Jahre dauern werde. Also genau den Zeitraum, den Bosch-Chef Volkmar Denner bei der Transformation von Nöten hält. Blume kann Wogen glätten. Das zeugt von diplomatischem Geschick, aber auch von einem gesunden Selbstvertrauen. Diess ist von BMW gekommen. Vermutlich wird der 60-Jährige noch vier bis fünf Jahre am Ruder bleiben.

Schneller Aufstieg im Konzern

Aber dann: Blume ist ein Eigengewächs des VW-Konzerns. Der gebürtige Braunschweiger studierte in seiner Heimatstadt Maschinenbau und promovierte später in Schanghai. Der 50-Jährige durchlief im VW-Konzern zunächst Stationen bei Audi und Seat. 2009 übernahm er die Produktionsplanung in der VW-Zentrale. Er kennt fast alle 120 Konzernwerke – und zwar von innen.

Ab 2013 war er Produktionschef bei Porsche und baute die Fertigung des kleinen Geländeautos Macan auf. Mit diesen Meriten stieg er im Oktober 2015 zum Porsche-Chef auf, als Nachfolger von Matthias Müller, der als Konzernchef nach Wolfsburg wechselte. Bislang förderte die Dieselkrise Blumes Karriere. Als Produktionsspezialist gilt er anders als die Motorenentwickler als unberührt.

Blumes Rolle hat sich längst ausgeweitet. Er hat zusätzliche Konzernfunktionen. In Wolfsburg ist er für die Luxuswagen Bentley und Bugatti zuständig, aber noch wichtiger für die gesamte Produktionsplanung des Konzerns. Keiner in der Konzernspitze kennt sich da besser aus als Blume, nicht einmal Diess.

Blume hat für den gesamten Konzern „Zurück in die Zukunft“ gespielt und für jedes der 120 Werke extrapoliert, wie dessen Aufgabe im Jahr 2030 aussehen wird, und sich ändert. Und davon ausgehend leitet er die aktuellen Maßnahmen ab. Ein gedankliches Mammut-Unterfangen. Bekanntestes Beispiel: Das Werk in Mosel wird komplett auf die Fertigung von Elektroautos umgestellt.

Kaum jemand würde bei einer Porsche Rendite von fast 17 Prozent anfangen zu sparen, aber Blume tut es. Weil der Stratege diese Luxusrendite auch ins Elektrozeitalter unbedingt retten will. Akribisch hat er ein Paket mit 1.200 Einzelmaßnahmen zusammentragen lassen: Von rationellerer Produktentwicklung mit Hilfe von mehr Simulation bis hin zu kleineren Maßnahmen wie Kürzung der Reiseetats. Blumes strategischen und operativen Fähigkeiten sind der Eigentümerfamilien Porsche und Piech nicht verborgen geblieben.

Neuer Führungsstil

Seine besonnene Art mag ihm entgegen kommen. Auch der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh schätzt Blumes sachbezogenen uneitlen Führungsstil. Auch kommt ihm bei den Arbeitnehmern zu Gute, dass er ein Konzern-Eigengewächs ist und alle Wolfsburger Fettnäpfchen kennt.

Nach der Bilanzkonferenz fährt er im Aufzug in die Tiefgarage des Porsche-Museums. Dort steht ein neuer Macan-Turbo, den der Chef übers Wochenende testet. Aber vorher geht er noch in die Qualitätskontrolle der Prototypenfertigung des Taycan, dem ersten Elektro-Porsche, der Ende des Sommers auf den Markt kommt und 20.000 Vorbestellungen hat.

Blume ist der Mann der Porsche in ein neues Zeitalter führt. Und dabei will er nichts dem Zufall überlassen. Nur mit einem klar besseren Fahrzeug kann Porsche Tesla aus dem Feld schlagen. „Wo Porsche antritt, fahren wir auf Sieg“, zitiert Blume den Unternehmensgründer Ferdinand Porsche.

Und Blume hat eine eigentlich selbstverständliche Tugend, die aber in Wolfsburg in der Vergangenheit häufig vernachlässigt wurde, Mängel vertuscht er nicht, sondern versucht sie offen zu legen. Er führt mit Transparenz und Teamgeist. Was ihm schon von Managern der Generation Winterkorn als Schwäche ausgelegt wurde. Er hat seinen eigenen Stil, hört lange zu, aber ist alles andere als entscheidungsschwach.

Fragen, wie er die ganzen Jahre mit den Turbulenzen der Dieselkrise mit Führungswechseln und Strafverfolgung empfunden habe, mag er nicht so gern, aber sagt dann doch: „Man muss schon Ruhe bewahren“ – man möchte sagen wie einst Franz Beckenbauer, der von Gegenspielern bedrängt im eigenen Strafraum, mit einem Außenrist-Pass aus dem Fußgelenk den Gegenangriff einleitete. An Blume kommt im VW-Konzern jedenfalls in Zukunft keiner vorbei.

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