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Online-Tagebuch Teil 12 „Lieber Osterhase, kommst du oder hast du Corona?“

Chefreporterin Tanja Kewes berichtet aus ihrem Homeoffice – mit drei kleinen Kindern und Ehemann. Es ist der private Stresstest schlechthin mit lustigen und nachdenklichen Momenten.
31.03.2020 - 14:00 Uhr Kommentieren
Wir lieben Routinen und wir brauchen diese auch, um unser Leben zu organisieren. Quelle: Handelsblatt/Tanja Kewes
Osterhase

Wir lieben Routinen und wir brauchen diese auch, um unser Leben zu organisieren.

(Foto: Handelsblatt/Tanja Kewes)

Düsseldorf „Ostern fällt dieses Jahr aus!“, erklärte unser Sechsjähriger am Morgen beim Frühstück keck seinem vierjährigen Bruder, und fuhr fort: „Der muss wegen des Virus nämlich auch zuhause bleiben…, oooder Mamaaaa?“ Vier Kinderaugen schauten mich groß an. Nun, da saß ich mit meinem Latte Macchiato in der Hand. Ich war erst einmal rat- und sprachlos, und nahm einen Schluck, um Zeit zu gewinnen. Ich fragte mich selbst: Ja, was ist eigentlich mit dem Osterhasen? Kommt er dieses Jahr oder kommt er nicht?

In normalen Jahren fahren wir Ostern immer zu Oma und Opa nach Ostwestfalen. Es ist immer herrlich. Die Großfamilie ist beisammen, sechs Erwachsene, fünf Kinder. Die Kinder springen an Ostersonntag aus den Betten und rennen gleich in den Garten.

Sie suchen und finden immer viele Ostereier, bunt gefärbte von Hühnern und Eier aus Schokolade. Zudem findet jedes Kind ein kleines Geschenk. Es ist meist etwas zum Spielen. Die Kinder sind danach gut beschäftigt, und wir Erwachsenen genießen ein gutes Frühstück.

Dieses Jahr werden wir natürlich nicht fahren. Es wäre zu gefährlich. Das hatte ich den Kindern auch schon gesagt. Doch wie halten wir es mit dem Osterhasen hier zuhause?

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    Gott sei Dank fiel mir in diesem Moment der Brief ein, den uns die Klassenlehrerin unseres Ältesten am Freitag per E-Mail geschickt hatte. Die Kinder sollen doch bitte dem Osterhasen einen Brief schreiben und ihn fragen, was sie schon immer vom Osterhasen wissen wollten.

    Das erzählte ich nun unseren Jungs und schlug vor: Fragen wir den Osterhasen doch einfach selbst! „Lieber Osterhase, bist du krank und bleibst leider zuhause?“ „Oder bist du gesund und bringst uns Eier und vielleicht auch noch ein kleines Geschenk?“

    „Au, ja!“ Die Jungs rannten gleich los, Stifte und Zettel zu holen. Gemeinsam formulierten wir diesen Brief und brachten ihn zum Briefkasten. Und nicht nur die Kinder sind nun auf die Antwort gespannt…

    Tanja Kewes ist seit 2016 Chefreporterin des Handelsblatts und Autorin der Kolumne „Faktor Mensch“. Sie berichtet derzeit über ihre Erfahrungen im Homeoffice. Quelle: Julia Praschma
    Online-Tagebuch

    Tanja Kewes ist seit 2016 Chefreporterin des Handelsblatts und Autorin der Kolumne „Faktor Mensch“. Sie berichtet derzeit über ihre Erfahrungen im Homeoffice.

    (Foto: Julia Praschma)

    Das Beispiel Ostern zeigt: Wir lieben Routinen und wir brauchen diese auch, um unser Leben zu organisieren. Das habe ich am Wochenende erst wieder gelesen und gelernt.

    Die Soziologin Teresa Kolona Beck vom Hamburger Institut für Sozialforschung schrieb in der „Süddeutschen Zeitung“: „In der Krise verändert der Alltag seine Bedeutung. Wo das Ende alles Vertrauten droht, laden sich Gewohnheiten, über die wir sonst kaum nachdenken, die uns vielleicht sogar lästig oder hohl erscheinen, symbolisch auf. Der kurze Gruß an die Nachbarin, ein gutes Essen am Abend, der Spaziergang in der Sonne oder der gut sortierte Arbeitsplatz werden zu Zeichen dafür, dass wir noch da und noch immer die Selben sind.“

    Das Homeoffice renovieren

    Wir stellen zuhause so viel Normalität her wie möglich. Am Samstag fuhr mein Mann – wie sonst auch gerne - erst einmal zum Baumarkt. Der große Sohn durfte mit, musste aber im Auto sitzen bleiben. Langweilig wurde ihm im Auto nicht. Es herrschte Hochbetrieb, auch auf dem Parkplatz. Halb Düsseldorf schien die gleiche Eingebung gehabt zu haben: Wenn wir schon zuhause sitzen müssen, richten wir doch Balkon oder Garten her oder verschönern unser Heim.

    Und das scheint kein Phänomen zu sein, das auf Düsseldorf beschränkt ist. Die Baumärkte berichten derzeit insgesamt über gute Geschäfte. Sie sind ja wie Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Banken, die einzigen Läden, die noch geöffnet haben dürfen, weil sie den Grundbedarf decken.

    Besonders gut gehen derzeit laut dem Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten vor allem Gartenbauartikel und Baustoffe. Die Kunden schafften sich Projekte, um sich zuhause zu beschäftigen – als Ausgleich zu den untersagten Freizeit- und Outdooraktivitäten, heißt es.

    Und das führt natürlich auch zu Aktionismus. Ein Kollege von mir hat jetzt sogar angefangen, sein Homeoffice zu streichen. Schließlich schaue jetzt durch die unzähligen Videokonferenzen jeder bei ihm zuhause in die vier Wände. Die lieben Kollegen, der eigene Chef, wichtige Kunden und Kontakte. Da wolle er nicht vor vergilbten Wänden sitzen.

    Eine Freundin von mir hat nun sogar angefangen, die Kinderzimmer zu renovieren. Sie und ihr Mann haben auch deshalb jetzt ständig Streit. Sie haben neue Möbel bestellt, neue Wandfarben ausgesucht, neue Vorhänge, neue Lampen. Abwechselnd stehen sie jetzt neben dem eigentlichen Doppelprogramm aus Arbeit und Kinderbetreuung auch noch in Malerkluft im Kinderzimmer. Und die Kinder schlafen bei ihnen im Schlafzimmer. Mein erster Gedanke: Man kann sich das Leben echt auch noch schwerer machen, als es sowieso schon ist.

    Solche Pläne gibt es bei uns zuhause noch nicht. Mein Mann holte nur ein paar neue Pflanzen für den Garten und eine neue Gasflasche für den Grill. Denn das war unser Plan, unsere Routine für den Samstagabend: Wir wollten angrillen. Es war zwar noch relativ kalt, aber die Sonne schien herrlich.

    Die Kinder lieben Grillen, mein Mann auch. Während er grillt, toben sie „viel länger als sonst“ und „bis es richtig spät ist“ durch den Garten. Und das taten sie dann auch. Manchmal können Coronaferien auch ganz schön sein.

    Mehr: Hier geht es zu allen Folgen des Online-Tagebuchs

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