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Online-Tagebuch Teil 14 „Hoffentlich dauert es nicht mehr lange!“

Chefreporterin Tanja Kewes berichtet aus ihrem Homeoffice – mit drei kleinen Kindern und Ehemann. Es ist der private Stresstest schlechthin mit lustigen und nachdenklichen Momenten.
02.04.2020 - 13:18 Uhr Kommentieren
Der Sohn von Tanja Kewes hat von seinem Freund Jakob einen Brief und Gartenkresse bekommen. Quelle: Tanja Kewes
Gartenkresse

Der Sohn von Tanja Kewes hat von seinem Freund Jakob einen Brief und Gartenkresse bekommen.

(Foto: Tanja Kewes)

Düsseldorf „Lieber David, ich bin echt traurig, dass wir uns im Moment nicht treffen können. Du bist doch mein bester Kumpel. Ich vermisse es, mit dir und der Jungsbande zu spielen. Hoffentlich dauert es nicht mehr lange. Dein Freund Jakob.“

Dies sind die Worte eines kurzen Briefes. Geschrieben auf einen Notizzettel von der Mutter des besten Freundes unseres Vierjährigen. Der Zettel liegt mit einem Päckchen Gartenkresse und einem Lolli bei uns im Briefkasten.

Als ich unserem Sohn den Brief beim Abendessen vorlese, ist er gerührt. Er weint fast. Er ist ein sonst sehr lebhafter Junge, der am liebsten auf Bäume klettert, beherzt gegen die Bösen kämpft, der nie leise spricht, immer laut, und gerade am liebsten rülpst.

Am nächsten Tag pflanzen wir die Kresse in einen Blumentopf, und diesen Blumentopf stellt sich unser sonst so lauter Junge leise auf seine Fensterbank. Danach malt er ein Bild für seinen Freund, und sucht eine Bastelkarte für ihn aus. Er empfiehlt Jakob, „Steinmännchen“ zu bauen.

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    Tanja Kewes ist seit 2016 Chefreporterin des Handelsblatts und Autorin der Kolumne „Faktor Mensch“. Sie berichtet derzeit über ihre Erfahrungen im Homeoffice. Quelle: Julia Praschma
    Online-Tagebuch

    Tanja Kewes ist seit 2016 Chefreporterin des Handelsblatts und Autorin der Kolumne „Faktor Mensch“. Sie berichtet derzeit über ihre Erfahrungen im Homeoffice.

    (Foto: Julia Praschma)

    Es ist manchmal rührend mit anzuschauen, wie die Kinder mit der Krise klarkommen. Unsere Jungs haben derzeit alle drei einen höheren Bedarf an Nähe. Sie sind auch näher am Wasser gebaut als sonst. Es fließen häufiger und aus Anlässen die Tränen, die sonst mit einem Schulterzucken abgetan oder einem Lufttritt geklärt worden wären. Einerseits.

    Andererseits ist dieses Family-Homeoffice auch häufig richtig lustig. Als es gestern Mittag ungeschälten, braunen Reis gab, verschränkte unser Vierjähriger seine Arme über seinem Teller. „Das ist Biomüllreis. Den esse ich nicht!“

    Wir erklärten ihm, warum dieser Reis nicht weiß ist, und dass das absolut nichts mit der braunen Biomülltonne zu tun habe. Es half nichts. Er aß ihn nicht.

    „Das bisschen Haushalt macht sich von allein“

    Humor ist ja sprichwörtlich der Knopf, der verhindert, das einem zu häufig im Leben der Kragen platzt. Und so waren wir gut gerüstet, als gestern Abend dann die schon erwartete Nachricht kam: Der Ausnahmezustand geht weiter.

    Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder waren sich selten so einig wie in der Sache, die Corona-Kontaktsperre bis nach Ostern zu verlängern. Angela Merkel meldete sich dafür aus ihrem Homeoffice.

    Es wird also „ein Ostertest statt ein Osterfest“, wie Tagesthemen-Moderatorin Caren Miosga es formulierte. Keine Familienfeiern, keine Gottesdienste, keine Osterfeuer. Stattdessen: Ostereiersuche in den eigenen vier Wänden oder auf dem eigenen Grün im engsten Familienkreis, wie es sonst bei Beerdigungen heißt.

    Nun, denn… Bei uns zuhause steht diesem Event übrigens nichts mehr im Wege. Hanni Hase aus Ostereisted hat prompt auf unseren Brief geantwortet. Der Osterhase habe kein Virus, er sei putzmunter, schrieben uns seine Ghostwriter. Der Osterhase werde auch dieses Jahr Eier liefern. Wir könnten ganz beruhigt sein.

    Unser kleines Osterfest ist also gesichert. Jetzt müssen mein Mann und ich nur noch klären, wie wir ohne Helfer klarkommen, wie einer von uns ungesehen am Ostersonntag die Eier versteckt.

    Unser Sechsjähriger zweifelt nämlich zunehmend an dieser Figur. Das zeigen Fragen wie: Wie transportiert ein Hase diese vielen Eier? Und wo kriegt er die Geschenke her? Legen die Hühner eigentlich extra viele Eier? Wer färbt die Eier? Oder legen die Hühner bunte Eier?

    In solchen Fragerunden bin ich dann ganz froh, dass ich „arbeiten muss“ und mich so aus der Erkläraffäre ziehen kann. Das Arbeiten von zuhause hat sich eigentlich bestens eingespielt. Mein Mann und ich haben unsere festen Arbeitsplätze, er im Keller, ich unter dem Dach, dazwischen die Jungs, und unsere Arbeitszeiten gestalten wir flexibel, je nach Terminlage.

    Ich bezweifele inzwischen, dass wir zum alten Rhythmus je wieder ganz zurückkehren werden. Die Digitalisierung macht dieses Arbeiten von zuhause sehr gut möglich. Und wir sparen auch viel Zeit und auch Geld. Kein Zurechtmachen, kein Arbeitsweg, kein Gequatsche mit Kollegen.

    Lange Videokonferenzen

    Obwohl… Was sich langsam aber sicher zum Zeitfresser entwickelt hat, sind die Videokonferenzen. Gerade Kollegen, die allein zuhause sitzen, nutzen diese „Schalten“ für lange Monologe und Auftritte.

    Ich vermute: Für sie ist die Videokonferenz häufig der einzige visuelle zwischenmenschliche Kontakt am Tag. Ihre Ausführungen sind aufgrund ihrer Dauer und Gespreiztheit häufig kaum auszuhalten. Sie scheinen wunderbar entschleunigt zu sein.

    Mein Mann und ich hingegen sind eher ziemlich beschleunigt und haben hier zuhause genug Miteinander. Wir sind immer froh, wenn wir endlich mal in Ruhe was wegschaffen können.

    Mein Mann ist gestern deshalb einfach mal aus einer Videokonferenz rausgegangen, ohne sich abzumelden, und hat die anderen reden lassen. Es fiel längere Zeit nicht auf. Ein Kollege sagte nachher: „Du hast nichts verpasst.“

    Bei Telefonkonferenzen bin ich inzwischen dazu übergegangen, nebenbei Hausarbeit zu machen. Ich falte Wäsche, räume auf, wische Staub, schneide Gemüse, räume die Spülmaschine aus.

    Denn das „bisschen Haushalt“ ist gerade im Family-Homeoffice zu ein bisschen sehr viel Haushalt angewachsen und macht sich leider überhaupt nicht „von allein“, wie 1977 von Johanna von Koczian besungen. Es ist sogar gerade richtig „schlimm“.

    Ach, ja, und dann ist da ja noch mein neuer unbezahlter Nebenjob: Lehrerin. Das Homeschooling ist gerade in die entscheidende Phase gekommen. Bis Freitag müssen die Aufgaben in der Schule abgeliefert werden.

    Und während es am Anfang noch neu und interessant war „zuhause Schule zu haben“, ist es nun „laaaangweilig“ und es läuft zäh. Es fehlen, gerade unserem Filius, natürlich die Dinge, die er sonst so an der Schule liebt: das Fußballspielen in den Pausen auf dem Schulhof, der Sport in der großen Turnhalle, die Keramik AG, das Tischkickern im Aufenthaltsraum.

    Diese Sehnsucht nach der normalen Schule erfüllt bei uns in der Grundschule inzwischen anscheinend auch die Lehrer. Sie haben einen Podcast gestartet, in dem sie singen, vorlesen oder den Kindern einfach erzählen, was sie jetzt so machen. Denn: „Schule ohne Kinder ist nichts.“

    Und Spielen ohne Freunde ist auf Dauer auch nichts. Gestern Nachmittag stand plötzlich Lina, die Freundin unseres Sechsjährigen, bei uns am Gartenzaun. Sie hatte einen Brief in der Hand, den sie mit weitausgestrecktem Arm überreichte.

    Hmmm, überlegte ich, so wie wir Erwachsenen in Zeiten von „Social Distancing“ derzeit an unseren sozialen Medien hängen, so fangen die Kleinen nun anscheinend an, Briefe zu schreiben oder Bilder zu malen wie unser Vierjähriger. Und das finde ich eine wirklich schöne Entwicklung.

    Mehr: Hier geht es zu allen Folgen des Online-Tagebuchs

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