Paul Lerbinger Die HSH holt einen früheren Investmentbanker

Eigentlich wollte er nur noch seinen Professorenjob ausüben und in ein paar Aufsichtsräten mitwirken. Doch nun tritt Paul Lerbinger die Nachfolge von Dirk Nonnenmacher an. Der Investmentbanker muss das Institut in die Gewinnzone führen.
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Paul Lerbinger: Der Investmentbanker muss bei der HSH Probleme in rauen Mengen bewältigen. Quelle: DAPD

Paul Lerbinger: Der Investmentbanker muss bei der HSH Probleme in rauen Mengen bewältigen.

FRANKFURT. Es wird immer ein paar Verrückte geben, die diese Aufgabe reizt“, hat der Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, Hilmar Kopper, mit Blick auf anstehende Neubesetzungen im Vorstand der Landesbank mal gesagt – und recht behalten. Trotz vergleichsweise geringer Bezahlung von maximal 500 000 Euro hat er jetzt sogar seinen „Verrückten“ für den Chefsessel gefunden: Paul Lerbinger wird zum 1. April Nachfolger des wegen diverser Spitzelaffären in Ungnade gefallenen Vorstandsvorsitzenden Dirk Nonnenmacher.

Damit ist es vorbei mit der Ruhe, die der 55-jährige Lerbinger nach seinem Ausscheiden als stellvertretender Vorstandschef und oberster Investmentbanker der Citigroup in Deutschland genießen wollte. Eigentlich wollte er nur noch einen Professorenjob und in ein paar Aufsichtsräten sitzen. Jetzt ist es anders gekommen für den bayerischen Schwaben von kleiner Gestalt und mit großem Intellekt. In seinem neuen Job darf er angesichts des schlechten Rufs und der schwierigen Lage der HSH Probleme in rauen Mengen bewältigen.

Doch Feuerwehr spielen ist nichts Neues für den geradlinigen Investmentbanker. Sein schwerster Fall stammt aus dem Jahr 2004. Lerbinger musste retten, was zu retten war, als fünf Londoner Händler der damals weltgrößten Bank Konkurrenten mit umstrittenen Geschäften bei Bundesanleihen über den Tisch ziehen wollten. Unter dem Codenamen „Dr. Evil“ hatten die Briten ein Computerprogramm geschrieben und versucht, den Markt zu manipulieren. Es misslang. Während in Großbritannien die Aufsicht FSA die Citigroup wegen mangelnder Risikokontrolle mit einer Millionenstrafe bedachte, lief es in Deutschland anders. Hier ermittelte zwar die Staatsanwaltschaft. Am Ende wurde die Untersuchung jedoch eingestellt. Zu verdanken war das auch Lerbinger, dem es gelang, in Gesprächen mit der deutschen Aufsicht BaFin und der Staatsanwaltschaft die Wogen zu glätten.

Doch nicht nur Erfolge zieren die Karriere Lerbingers. Die wohl größte Niederlage war die Platzierung von Infineon-Aktien an der Börse, die das Institut von Siemens übernommen hatte – zum Garantiepreis. Der war jedoch zu hoch. Das Ergebnis: Die Citigroup hatte an einem dreistelligen Millionenverlust schwer zu tragen.

Bei der HSH ist in erster Linie seine ausgleichende Art gefragt, um das Klima des Misstrauens nach den Spitzelaffären zu beseitigen. Gleichzeitig muss er das Institut in die Gewinnzone führen.In den vergangenen Jahren beriet er bei zahlreichen Fusionen im Fall der Hypo-Vereinsbank und begleitete etwa den Börsengang des Hamburger Hafenbetreibers HHLA. Kopper kennt er aus seiner Zeit bei der Deutschen Bank.

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