Personalrochaden im VW-Konzern Porsche ernennt Oliver Blume zum neuen Chef

Oliver Blume wird zum 1. Oktober neuer Chef beim Autobauer Porsche. Bisher war der 47-Jährige Produktionsvorstand bei der VW-Tochter. Auch in einer weiteren Personalfrage im Konzern positionieren sich die Eigentümer.
Produktionsvorstand Oliver Blume wird neuer Chef des Autobauers Porsche. Quelle: dpa
Porsche

Produktionsvorstand Oliver Blume wird neuer Chef des Autobauers Porsche.

(Foto: dpa)

StuttgartDer Sportwagenbauer Porsche wird künftig von seinem bisherigen Produktionsvorstand Oliver Blume gesteuert. Der Aufsichtsrat der VW-Tochter berief den 47-Jährigen am Mittwoch zum neuen Vorstandsvorsitzenden, wie die Firma in Stuttgart mitteilte. Damit folgt Blume auf Matthias Müller, der vergangene Woche als Folge des Dieselskandals an die Spitze des Volkswagen-Konzerns gerückt war.

Der gebürtige Braunschweiger Blume ist schon seit gut zwei Jahrzehnten im VW-Konzern tätig, etwa bei Audi und Seat, 2013 kam er als Produktionsvorstand zu Porsche. Damit geht zumindest ein Teil der Zuffenhausener Erfolgsgeschichte vergangener Jahre auch auf Blumes Konto. Seit 2010 hat die VW-Tochter Umsatz, Absatz und Mitarbeiterzahlen fast verdoppelt. Im VW-Riesenreich mit seinen 600.000 Beschäftigten ist Porsche von der Beschäftigtenzahl eine kleine Tochter, die Mitarbeiterzahl liegt bei etwa 25 000. Der Sportwagen-Hersteller ist aber sehr lukrativ, 2014 strich Porsche einen satten Gewinn von 2,2 Milliarden Euro ein.

Vom Dieselskandal ist Porsche nach Firmenangaben bisher unberührt. Der Sportwagenbauer hat die vom Skandal betroffenen eher kleinen Motoren nicht im Programm, zudem ist Diesel nur ein Randthema. Porsche setzt vor allem auf Benziner.

Im Porsche-Vorstand kam es außerdem zu einem weiteren Personalwechsel: Neuer Vertriebsvorstand ist der bisherige USA-Chef von Porsche, Detlev von Platen (51). Er folgt zum 1. November auf Bernhard Maier, dem künftigen Skoda-Chef. Wer Blume als Produktionschef beerbt, ist noch unklar. Zudem war aus Unternehmenskreisen zu erfahren, dass Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz weiter beurlaubt bleibt. Seine Rolle beim Mutterkonzern VW mit Blick auf den Dieselskandal soll geklärt werden. Hatz war von 2007 bis 2011 als Generalbevollmächtigter in der VW-Entwicklungsabteilung tätig.

Das sind die neuen mächtigen Männer bei VW
Der Vorstandschef
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Matthias Müller steht vor einem fast unentwirrbaren Knäuel von Problemen: Der neue Chef von Volkswagen muss nicht nur die Aufklärung der Abgas-Affäre vorantreiben, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und den finanziellen Schaden durch drohende Strafzahlungen und Schadensersatzklagen begrenzen. Der bisherige Porsche-Chef muss nach Ansicht von Konzerninsidern auch die zentralistischen Strukturen im Wolfsburger Machtapparat aufbrechen, die ihm Martin Winterkorn hinterlassen hat. Vor allem die Kultur der Angst, die nach Ansicht vieler Experten den Abgas-Skandal begünstigt hat, muss weg. Und schließlich muss der 62-Jährige den weltgrößten Autobauer fit für die Digitalisierung machen, um gegen IT-Giganten wie Google und Apple zu bestehen.

Der Vorstand
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BMW kehrte er den Rücken, als er nicht Vorstandschef wurde. Jetzt ist Herbert Diess auch im VW-Konzern nur die Nummer zwei – vorerst. Der Münchener ist ein brillanter Ingenieur und ein guter Netzwerker. Diess braucht keine Seilschaften, er sucht sich seine Verbündeten situativ. Schon vor seinem Amtsantritt im Juli inspizierte er die Werke und knüpfte enge Bindungen mit Betriebsratschef Osterloh. Diess wird die Modellpalette entrümpeln und die Kosten bei den Zulieferern drücken. Macht er seinen Job gut, kann er Müller eines Tages ablösen.

Der Audi-Chef
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Beim Autorennen in Le Mans bekämpften sich Porsche und Audi bis aufs Messer. Jetzt müssen Audi-Chef Rupert Stadler und VW-Boss Matthias Müller eng zusammenstehen. Denn ohne die Gewinne von Audi wird die Mutter VW die kommenden Belastungen nicht stemmen können. Anders als Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg gilt Stadler in der Abgasaffäre als eher unverdächtig. Stadler ist gut vernetzt im VW-Konzern und kennt die Entscheidungswege. Als ehemaliger Bürochef von Ferdinand Piëch genießt Stadler zudem das Vertrauen des gestürzten Patriarchen.

Der Nordamerika-Chef
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Für Volkswagen war Winfried Vahland in vielen Ecken der Welt unterwegs. In den neunziger Jahren baute er die Region Asien-Pazifik mit auf, dann ging es nach Brasilien und Argentinien, nach China und nach Tschechien. Dort führte der 58-jährige Westfale in den vergangenen fünf Jahren die Marke Skoda zu ertragreicher Blüte. Jetzt soll er es jenseits des Atlantiks richten, wo die drei Märkte in den USA, Mexiko und Kanada zur Region Nordamerika zusammengefasst wurden. Vahland hat den Ruf des kommunikativen Machers. Gerade so einen brauchen sie dort jetzt.

Der (politische) Aufseher
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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil nimmt eine Schlüsselposition bei der Neuordnung von Volkswagen ein. Schon bei der Attacke des früheren Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch auf VW-Boss Martin Winterkorn war der Sozialdemokrat einer der Protagonisten, die sich des Problems annahmen. Führungsstärke zeigte der Landesvater auch in der Dieselaffäre. Als Erster aus dem Aufsichtsrat forderte er eine lückenlose Aufklärung der Manipulationsvorwürfe. Die vergangenen sechs Monate haben dem Politiker Weil eine Seite von VW gezeigt, die er wohl nicht für denkbar gehalten hatte. Sein Amt als Kontrolleur von Europas größtem Industriekonzern will er daher mit größter Sorgfalt weiter wahrnehmen. Den Konzernumbau, der vom neuen VW-Chef Matthias Müller forciert werden muss, wird er genau verfolgen.

Der künftige Aufsichtsratschef
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Zwölf Jahre war Hans Dieter Pötsch Finanzvorstand. Immer galt der 64-jährige Österreicher als geradlinig. Und doch fällt jetzt auch ein Schatten auf ihn. Während der gesamten Zeit der Manipulation an Dieselmotoren war er der direkte Mann hinter Martin Winterkorn. Experten halten es für denkbar, dass hier auch das Finanzressort eingebunden war. Pötsch wird deshalb einige Fragen beantworten müssen. Als künftiger Aufsichtsratschef muss sich der groß gewachsene Mann, der bisher eher im Hintergrund die Fäden gezogen hat, an die Spitze der Aufklärung stellen. Die Voraussetzungen sind gut: Pötsch ist erfahren und hat das Vertrauen von Aufsichtsrat und Präsidium. Am 9. November soll er in Berlin auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt werden.

Der Eigner
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Letztlich hat sich Wolfgang Porsche durchgesetzt. Sein Wunschkandidat Matthias Müller wurde zum Nachfolger von VW-Chef Martin Winterkorn berufen. Es war die bequemste und naheliegende Lösung; schließlich kennt er den bisherigen Porsche-Chef seit Jahren. Diese Entscheidung, die von den anderen Aufsichtsräten unterstützt wurde, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Wolfgang Porsche vor allem weggeduckt hat. Auch wenn Porsche für die Öffentlichkeit unauffällig bleibt, so fällt ihm doch eine wichtige Rolle zu. Er muss die nächste Generation von Piëchs und Porsches in die Welt von Volkswagen einführen. Einige dieser sogenannten vierten Generation sind bereits in den Aufsichtsräten des Unternehmens vertreten.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück zeigte sich erfreut über den neuen Firmenchef Blume, einen „hundertprozentigen Porscheaner“. Hück räumte ein, den bisherigen steilen Wachstumspfad könne man nicht fortsetzen. Künftig gehe es eher darum, das Wachstum zu konsolidieren und die Geschäfte und Mitarbeiterzahl auf hohem Niveau zu halten.

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Rückendeckung für Pötsch
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