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Politikwerbung - Serie "Siegen wie Obama" Weblog statt Straßenwahlkampf

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So mancher aber fürchtet, dass er seine Kapazitäten mit Onlineaktivitäten überstrapaziert. Für den Wahlkampf hat ein Bundestagskandidat in der Regel einen mittleren fünfstelligen Etat zur Verfügung. Er beschäftigt ein bis zwei Mitarbeiter, dazu kommen freiwillige Wahlhelfer. Dabei ist das Web kein großer Kostenfaktor: Die meisten Dienste sind frei. Doch sich in ihnen kundig zu machen, braucht Zeit – ebenfalls ein knappes Gut.

So ist es nicht verwunderlich, dass die jüngeren Volksvertreter voranschreiten – sie sind ohnehin schon bei Facebook & Co aktiv. In der aktuellen Ausgabe der vierteljährlichen Studie „Politik im Web 2.0“ der Web-Beratung Newthinking heißt es: „Die Spitzenkandidaten leben weiterhin fernab dieser Umwelt, in der sich die U40-Generation berufsbedingt, die U30-Generation auch freizeitbedingt und die U20-Generation ganz selbstverständlich bewegt.“

Beispiel Kristina Köhler, 31, CDU-Bundestagsabgeordnete für Wiesbaden. Für sie gehört das Internet zum Alltag: „Zum Beispiel schaue ich mir die ,Lindenstraße’ im WDR-Stream an, weil ich es live im Fernsehen nicht schaffe.“ Politisch nutzt sie das Web sehr bewusst: „Natürlich müssen Politiker auch mit ihren Ressourcen haushalten.“ So schreibt sie einen persönlich gehaltenen E-Mail-Newsletter, der rund 700 Abonnenten erreicht. Bald schon soll ein eigenes Social-Network auf ihrer Homepage entstehen. Dort können sich die ehrenamtlichen Wahlhelfer zu Aktionen organisieren. Auch in den anderen Netzen will sie aktiv werden, auf Facebook, StudiVZ oder Wer-kennt-wen: „Ich will aber nicht zu viel machen. Die Gefahr ist groß, sich im Internet zu verzetteln.“

Wie aber lässt sich das verhindern? Und wie sollen Web-Neulinge den Weg ins Netz schaffen? Praktisch alle Parteien versuchen, mit Info-Schriften Beistand zu leisten, viele haben Schulungen auf Landesebene.

Doch irgendwann muss er kommen, der Sprung ins digitale Wasser. „Ich hab mich einfach mal drangesetzt“, sagt Patrick Kurth. Dynamisch schreitet der Generalsekretär der FDP Thüringen durchs Bild, beißt herzhaft in eine Bratwurst, dann ein Blick vom Balkon und eine persönliche Begrüßung. Zwei Minuten lang ist das Video auf Youtube, eingebunden auf Kurths Homepage. Kein Höhepunkt der Filmkunst – aber ein kleiner Einblick in das Leben des Liberalen. Die Anregung gab die Bundestagsfraktion: „Dort hieß es, so etwas sei einfacher gemacht, als es scheine“, erzählt der 32-Jährige. Und: Er schreibt Artikel in einem Blog auf seiner Homepage – und freut sich über hohe Zugriffszahlen.

Diese Web-Experimente sind wichtig, meint Michael Spreng. Der Ex-„Bild am Sonntag“-Chefredakteur beriet Jürgen Rüttgers und Edmund Stoiber im Wahlkampf: „Da kommt auf manchen Politiker viel Arbeit zu.“ Aber er warnt davor, das Internet für eine neue Form der Plakatwerbung zu halten: „Politiker werden im Netz nur dann erfolgreich sein, wenn sie zum Dialog bereit sind.“

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