Porsche-Betriebsratschef Hück zu VW Im Aufsichtsrat geht’s jetzt zur Sache

Porsches Arbeitnehmerführer Uwe Hück ist Buddhist, Ex-Europameister im Thaiboxen – und nun auch Aufsichtsrat im größten deutschen Konzern. Im VW-Kontrollgremium weicht für Hück ein Vertreter des Lkw-Bauers MAN.
Update: 01.07.2015 - 12:53 Uhr Kommentieren
Der Porsche-Betriebsratsvorsitzende, hier nach einem Charity-Boxkampf 2013, zieht in den Aufsichtsrat von VW ein. Quelle: dpa
Uwe Hück

Der Porsche-Betriebsratsvorsitzende, hier nach einem Charity-Boxkampf 2013, zieht in den Aufsichtsrat von VW ein.

(Foto: dpa)

Wolfsburg/Stuttgart Die Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat schickt den Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück als neuen Vertreter in das Kontrollgremium des Konzerns. Der 53-jährige Hück folgt auf den bisherigen Betriebsratschef der Nutzfahrzeugtochter MAN, Jürgen Dorn, der – wie bereits seit Ende Mai bekannt – als Personalmanager in die Wolfsburger VW-Zentrale wechselt. Das teilte VW am Mittwoch mit.

Porsche gehört seit rund drei Jahren komplett zum VW-Konzern. Der vollständigen Eingemeindung war ein erbitterter Übernahmekampf zwischen den Schwaben und den Niedersachsen vorausgegangen sowie ein langes Ringen um einen steueroptimierten Weg, mit dem Porsche Mitte 2012 ganz unter das Dach von Europas größtem Autobauer fuhr.

Der neue Clan um Winterkorn
Berthold Huber
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Der neue Interims-Aufsichtsratschef von Volkswagen: Der ehemalige Vorsitzende der IG Metall die Arbeitnehmer im Gremium an. Bislang hegte der Aufsichtsrat ein vertrauensvolles Verhältnis zu Vorstandschefs Winterkorn, so stellte er sich im April gegenüber Spiegel Online hinter ihn. „Wir haben mit Herrn Winterkorn einen hervorragenden Automobilisten und Vorstandsvorsitzenden, der unser vollstes Vertrauen hat“, sagte Hubert.

VW-Aufsichtsrat
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Im VW-Aufsichtsrat, der über Winterkorns Zukunft entscheidet, sitzen zehn Arbeitnehmervertreter und zehn Arbeitgebervertreter. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende.

Julia Kuhn-Piëch und Louise Kiesling
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Die zwei neuen Frauen im Aufsichtsrat. Julia Kuhn-Piëch ist Immobilienmanagerin und bereits Mitglied des Aufsichtsrats der MAN Nutzfahrzeuge Gruppe. Kiesling ist Geschäftsführerin diverser Unternehmen, unter anderem von der Textilmanufaktur Backhausen. Die beiden nehmen den Platz von Ursula und Ferdinand Piëch ein, die vor kurzem ihr Amt niedergelegt hatten. Der Grund dafür war ein laut eigenen Aussagen unüberbrückbarer Konflikt um VW-Chef Martin Winterkorn.

Hussain Ali al-Abdulla
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Al-Abdulla ist Vertreter des Emirats Katar. Der Staat am Persischen Golf hält über die Gesellschaft Qatar Holding insgesamt 17 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Zu den aktuellen Vorgängen gab es keine direkten Äußerungen von ihm. Diskretion zeichnet den Anker-Aktionär aus.

Stefan Weil
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In der Öffentlichkeit präsent ist hingegen das Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Stimmrechte an VW hält. „Diskussionen dieser Art sind in jedem Fall schädlich für das Unternehmen“, sagte Ministerpräsident Weil zum Machtkampf. „Wenn man etwas zu besprechen hat, dann sollte man das intern tun. Die Vertreter des Landes Niedersachsen werden sich nicht an einer öffentlichen Diskussion beteiligen.“ Das war zumindest kein weiterer Dolchstoß für Winterkorn.

Olaf Lies
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Der Wirtschaftsminister Niedersachsens ist der zweite Vertreter des Landes im Aufsichtsrat. Er stärkte ebenfalls Winterkorn den Rücken. „Wir schätzen die Arbeit des Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn sehr. (...) Ich sehe der Ankündigung durch Herrn Piëch auch aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat sehr gelassen entgegen.“ Das bedeutet, dass das Land Niedersachsen sich bei einer Kampfabstimmung auf die Seite der Arbeitnehmer schlagen könnte.

Wolfgang Porsche
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Die Familien Porsche und Piëch halten über die Porsche Automobil Holding SE die Mehrheit am Volkswagen-Konzern. VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche (l.) distanzierte sich von seinem Cousin Piëch. Damit drohte ein Konflikt zwischen den Familien Porsche und Piëch. „Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist“, ließ Wolfgang Porsche als Vertreter der Porsche-Familie ausrichten.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh wertet Hücks Einzug als Gewinn: „Dieser Schritt wird das Zusammenwachsen im Konzern weiter fördern.“ Hück sei ein starker und verlässlicher Partner geworden.

Porsche gewinnt mit der Hück-Berufung aber nicht auf Kosten von MAN. Der Lkw-Bauer weiß seine Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der neuen Holding für die Nutzfahrzeugsparte im Konzern, die künftig für die Strategie der schweren Laster und Busse verantwortlich ist.

Dort wird die Arbeitnehmerseite wie folgt vertreten sein: Mit dem MAN-Konzernbetriebsratschef Athanasios Stimoniaris, einem weiteren Arbeitnehmervertreter der zentralen Sparte MAN Truck & Bus sowie mit zwei Vertretern der Lkw-Tochter Scania und von Volkswagen.

Piëchs legen nach: „Bei VW herrscht Stillstand!“

  • dpa
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