Positive Aussicht Bill Gates sagt Welt ohne Armut voraus

Laut Microsoft-Gründer Bill Gates sind in 20 Jahren nur noch wenige Länder arm. Die Vorstellung, dass arme Länder zur Armut verdammt seien, sei ein Mythos. Er warnte aber gleichzeitig vor überzogenen Erwartungen.
Update: 22.01.2014 - 06:27 Uhr 10 Kommentare
Nach Ansicht von Microsoft-Gründer Bill Gates werden Milliarden Menschen in 20 Jahren nicht mehr in Armut leben müssen. Quelle: AFP

Nach Ansicht von Microsoft-Gründer Bill Gates werden Milliarden Menschen in 20 Jahren nicht mehr in Armut leben müssen.

(Foto: AFP)

SeattleDie Geißel der Armut wird aus Sicht von Bill Gates in spätestens 20 Jahren so gut wie besiegt sein. Er sei so optimistisch, diese Vorhersage zu machen, schrieb der Multimilliardär in dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht seiner Stiftung. „Bis 2035 wird es fast keine armen Länder mehr in der Welt geben“.

Derzeit gebe es drei Mythen, die Fortschritte bei der Bekämpfung von Elend und Krankheit behinderten: Die Vorstellung, dass arme Länder zur Armut verdammt seien. Die Haltung, wonach Entwicklungshilfe eine Verschwendung sei. Und die Meinung, das Retten von Menschenleben führe zu Überbevölkerung.

„All diese drei spiegeln eine düstere Sicht auf die Zukunft wider, eine Sicht, wonach sich die Welt nicht verbessert, sondern arm und krank bleibt und immer voller wird“, hieß es in dem 16 Seiten starken Brief der Bill & Melinda Gates Foundation weiter. „Wir nehmen aber den gegenteiligen Standpunkt ein, dass es der Welt bessergeht, und dass es ihr in zwei Dekaden noch bessergehen wird“.

Dabei verwies Gates auf Länder wie China, Indien, Brasilien und Botsuana, die einst als Sorgenkinder der Armut galten, heute jedoch Wirtschaftswachstum verzeichneten. Und in Afrika, das allzu oft als hoffnungslos beschrieben werde, sei die Lebenserwartung seit den 1960er Jahren trotz der HIV-Epidemie gestiegen. Mehr Kinder gingen inzwischen zur Schule und weniger Menschen litten Hunger, erklärte Gates.

Der Mitbegründer von Microsoft wandte sich zudem gegen Kritiker der Entwicklungshilfe, die aus deren Sicht zu teuer sei, in den Taschen korrupter Beamter lande oder die Empfängerländer in die Abhängigkeit treibe. Norwegen sei das weltweit großzügigste Geberland und doch mache der Umfang der Finanzhilfen des Landes nur drei Prozent seines Budgets aus, schrieb Gates. Im Fall USA seien es gar weniger als ein Prozent oder rund 30 Milliarden Dollar (rund 22 Milliarden Euro) pro Jahr. Von dem Geld flößen elf Milliarden in Impfungen, Moskitonetze und andere Entwicklungsprojekte.

„Gesundheitshilfe ist eine phänomenale Investition“, erklärte Gates. „Wenn ich mir anschaue, wie viel weniger Kinder sterben als noch vor 30 Jahren, und wie viele Menschen heute länger und gesünder leben, macht mich das mit Blick auf die Zukunft ziemlich optimistisch“.

Seine Frau Melinda äußerte sich in dem Brief zu Befürchtungen einer Überbevölkerung der Erde im Falle verstärkter humanitärer Bemühungen. Dazu zog sie das Beispiel Brasilien heran, wo die Kindersterblichkeit und zugleich die Geburtenraten gesunken seien. Wenn mehr Kinder überlebten, hätten Eltern kleinere Familien, erklärte Melinda Gates. „Menschen sind keine Maschinen. Wir pflanzen uns nicht ohne Sinn und Verstand fort. Wir treffen Entscheidungen auf Grundlage der Umstände, mit denen wir konfrontiert sind“.

Die in Seattle ansässige Bill & Melinda Gates Foundation gilt als die größte Wohltätigkeitsorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung vor 13 Jahren investierte sie 28,3 Milliarden Dollar in Hilfsprojekte.

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10 Kommentare zu "Positive Aussicht: Bill Gates sagt Welt ohne Armut voraus"

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  • Bill Gates äußert nicht mehr und nicht weniger einen Wunsch, der seinem sozialen Engagement entspringt. Das ist gut so. Meines Erachtens ist aber dieser Wunsch weniger wissenschaftlich abgesicher und mit Fakten unterlegt als eine Wettervorhersage.
    Es fehlen, bezogen auf die Löung dieser riesigen komplexen Aufgabe, zuerst die exakten Definitionen, damit jeder weiß, wohin die Reise gehen soll, mit Begriffen wie:
    - der individuelle und der gesellschaftliche Reichtum eines Landes,
    - die ökonomische, kulturelle, ethische oder soziale Armut,
    - die allgemeine und individuelle Lebensqualität,
    - der notwendige Grad der Grundversorgung, gemessen am Anteil des Bruttosozialprodukts eines Landes,
    - der notwendige Grad der Verfügbarkeit, d.h. auch der dafür notwendigen Investition in einem Land
    - die moralischen und ethischen Kategorien, die die angestebte Entwicklung hemmen oder fördern,
    - die notwendige Begeisterung, d.h. auch Manipulation oder Beeinflussung für dieses Ziel, usw., usw., usw..

    Erst wenn diese Begriffe und die daraus erwachsenden ökonomischen, kulturellen, sozialen, und ethischen Anforderungen geklärt sind, sollten wir mit Programmen und Zahlen jonglieren.

    Man könnte mich einen Pessimist nennen, aber ich bin doch eher ein „Realo“. Ich erinnere nur an die Aussagen des „Club of Rome“ und die weiterhin besehende, weltweit ungezügelte Verschwendung von Ressourcen. Eine Antwort auf all diese Fragen habe ich nicht. Vielleicht finden sich schlaue Menschen, die diese Komplexität zerpflücken und jedem seine überschaubare und machbare Aufgabe zuordnen.

  • Der Gates sollte Brechts Johanna lesen. Denn sein Wort ist nichts andesres, als der Aufruf auf das obere Schaukel-Brett herauf zu kommen. Die Spitze der Menschen-verachtung, wenn Ausbeuter so die Lippe spitzen.

  • @herrkon

    Danke Herr Herrkon, Sie sprechen mir in diesem Punkt aus dem Mund. Geld ist ein Lebensmittel.

    Ich möchte dem auch hinzufügen, dass die Eheleute Gates mit ihrem Vermögen aus Microsoft und Herr Buffett mit "seiner" Beteiligungsgesellschaft sehr viele Gute Dinge machen.

    In Deutschland aber sehe ich die Leute mit einem "Apple" durch die Gegend laufen, einer Firma mit einer schlimmen Fratze des Kapitalismus, die knallharte Erfolgsbedingungen an ihre Mitarbeiter stellt, die in China zu bedenklichen Konditionen produzieren lässt, die Produkte ganz bewusst auf Verschleiß produziert.

    Der normale Bürger in Deutschland kauft vollkommen unkritisch Produkte von Apple, sonnt sich in seiner Peergroup, um in der nächsten Sekunde in einem Forenbeitrag mit dem Finger auf die anderen zu zeigen.

    Ich hoffe sehr, dass es so bleibt, wie die Eheleute Gates es prognostizieren und die Grundversorgung der Menschheit wäre gesichert.

    Mir fehlt aber aus Erfahrung der Glaube daran.

  • Em wir reden hier leider nicht von Vermögen oder Geld sondern den Dingen die noch wichtiger sind eben Essen und Trinken.

    Aber leider zählen auch sie zu den Menschen die denken Geld wäre das A und O dem ist leider nicht so.

    Geld ist maximal in der oberen Top-10 der Prioritäten anzusiedeln wenn überhaupt.

    Und auch das ist eben schon wieder eine Ursache warum es extreme Armut gibt.

    Der Stellenwert der Nahrungsversorgung ist bei vielen nach unten
    gesunken. Aber ohne kann niemand leben egal wie reich er auch sein mag.

    Wenn ich immer nur vom Geld oder Vermögen ausgehe dann ist es natürlich so das die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer.

    Das ändert aber nichts dadran das wir insgesamt deutliche Fortschritte machen.

    Alles eine Definitionssache bzw. eine Betrachtungsweise der Werteordnung.

    Wer sagt den bitte das man Reich und Arm nur in Geldeinheiten messen kann?

  • Billi the Gates ist der reichste Mann der Welt - und lebt und denkt in seiner eigenen Welt.
    Die Fakten sind leider ganz andere:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oxfam-studie-kluft-zwischen-armen-und-reichen-waechst-a-944474.html
    und Warren Buffet stellt fest, dass der Krieg zwischen Arm und Reich zu Gunsten der Reichen ausgegangen ist.
    Bill Gates betreibt sicherlich viel Gutes mit seinem Geld, allerdings sind seine 3 Thesen völlig abwegig und in den Bereich der Märchen anzusiedeln.
    Meine Empfehlung: Einige Jahre in Afrika leben (ohne Vermögen) und die Entwicklung beobachten - vielleicht wacht er dann auf.

  • Was er gesagt hat wird eintretten wenn vielleicht auch etwas später.
    Die Jahreszahl 203x wurde auch vom Chef der Weltbank genannt.

    Wichtig ist zu wissen das wir hier von extremer Armut reden also unter 1,30 Dollar pro Tag dh. man muss egal wo man ist Hunger leiden.

    Warum ist das jetzt auf einmal möglich?

    Nun zum einen hat ein Umdenken stattgefunden anstatt die Bevölkerung
    auszuhungern und dadurch kleiner zu halten geht man jetzt doch eher
    den Weg das man ihr ein erträgliches Dasein ermöglicht.
    Denn die Menschen in Industrie- und auch Schwellenländern machen deutlich weniger Kinder weil sie eben viel arbeiten müssen und eben
    auch konsumieren wollen bzw. auch sollen :).

    Natürlich kann man immer Beides machen Familie und Karriere aber man
    kann eben nicht Familie und übermässigen Konsum in Einklang bringen
    den dazu wird bei Vielen das Einkommen nicht ausreichen.

    Zum Anderen wurden die noch vorhandenen Resourcen der Erde so genau
    wie möglich aufgelistet und eben die die schon im Umlauf sind.
    Das sorgt für mehr Planungssicherheit.

    Und wir wissen jetzt alle das wir eigentlich garnicht soviel Anders machen müssen um Etwas gegen die extreme Armut in der Welt zu unternehmen.

    Es ist halt auch etwas die Schuld eines jeden Einzelnen das wir solche Zustände haben.

    Bspw. kann man etwas dagegen machen indem man weniger Fleisch und auch Fisch konsumiert.

    Man müsste nur das gesamte Essen und Trinken besser rationalisieren
    bzw. verteilen und schon wäre ja genug für alle da ohne grossartig investieren zumüssen. Aber das bedeutet eben auch das sehr viele Leute Abstriche machen müssen.

  • @Hantasilf

    Bei Wertungen und Themengewichtungen in Wikipedia wäre ich sehr vorsichtig. Ich kenne diesen von Ihnen zitierten Link aus Wikipedia gut. Zahlen kann man ganz gut aus Wikipedia zitieren.

    Lassen Sie mich dem hinzufügen, dass die Menschen damals ihre Spekulationen in Aktien in weiten Teilen mit Krediten finanzierten. Ich möchte also zu bedenken geben, dass vermutlich nicht die Goldpreisbindung die Hauptursache oder überhaupt die Ursache war.

    Die Geschichte lehrt mich eher, dass zu hohe Kreditaufnahmen eine ungedeckte Anleihe in die Zukunft sind. Man kann diese Effekte und Probleme mit ungedeckten Kapital weit in die Geschichte zurück verfolgen.

    Da gibt es z. B. die heute zu beschmunzelnde sogenannte "Tuplenmanie" der Holländer. In dieser Zeit wurden die Terminkontrakte erfunden, Verbindlichkeiten in die Zukunft. Diese Probleme mit Terminkontrakten dürften heute recht gut reguliert sein.

    In Deutschland gab es auch deshalb einen Börsen-Chrash, weil Unternehmen ihre eigenen Aktien kauften. Dieser Tatbestand ist heute mit § 71 AktG hoffentlich ausreichend reguliert. Damals handelte es sich aber auch um Verbindlichkeiten die von den Vorständen in Erwartung auf bessere Zeiten gemacht wurden.

    Unser heutiges Problem ist, dass uns jeglicher Mechanismus wie in § 71 AktG für staatliches Handeln fehlt und Staaten in ihre Gesetze reinschreiben, dass Banken keinerlei Eigenkapital nachweisen müssen, wenn sie Staatsanleihen aufnehmen.

    In diesem Bereich entsteht also gerade die ungedeckte Geldaufnahme der Staaten in die Erwartung auf bessere Zeiten.

    Was wir bräuchten, wäre ein internationales Insolvenzrecht für Staaten, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Auf Europaebene wäre ein solches Gesetz auch schon ein Erfolg.

    Aber ich fürchte, dass die Verlockungen für die Menschheit für ungedeckte Schulden in die Zukunft mal wieder größer ist, als der Wille Armut zu bekämpfen.

    Unter den Tieren ist der Mensch eben das bequemste "Tier" und so wurde er zum Mensch.

  • Armut wird gemacht: zB durch die Machenschaften der EU in Süd- und Osteuropa.

  • "Auch vor der Weltwirtschaftskrise 1929 glaubte man, dass der Hunger und die Armut der Welt besiegt wäre."

    Dieser Optimisus lag übrigens daran, dass ungefähr 10 Jahre vor Einsetzen der Krise ein riesiger Wirtschaftsboom Wohlstand in den USA schaffte.

    Eine Ursache für die Krise damals war die Golddeckung der Währungen. Als man sich davon verabschiedete, war auch die Krise zuende.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise

  • Manchmal frage ich mich, ob sich Geschichte doch wiederholt.

    Auch vor der Weltwirtschaftskrise 1929 glaubte man, dass der Hunger und die Armut der Welt besiegt wäre. Damals spekulierten die Menschen in fast allen Bevölkerungsschichten mit Aktien. Jeder verdiente für einen Wimpernschlag in der Geschichte der Menschheit gut.

    Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Hoover, sagte, "Wir sind dem endgültigen Sieg über die Armut heute näher als je zuvor in unserer Geschichte".

    Wenige Monate später erlebten "wir" weltweit einen Börsen-Crash. Zuvor aber zogen Investoren ihr im Ausland investiertes Kapital ab, auch in Deutschland.

    Da möchte ich nur daran erinnern, dass derzeit in Deutschland die Investitionen im Industriesektor sehr auffällig abnehmen.

    Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen. Aber für mich stellt sich die Frage, ob sich Geschichte eben doch wiederholt. Natürlich hat die Geschichte keinen Regieplan für die Zukunft und sie wiederholt sich in diesem Sinne also nicht.

    Aber die existierenden Vorzeichen sollten wir ernst nehmen, Vergleiche ziehen und sehr genau darauf schauen, welchen Regieplan wir gerade fahren.

    Die existierende Explosion der Geldmenge hat jedenfalls die gleiche Wirkung wie die fantastische Kursentwicklung an den Börsen vor 1929. Und die Dollarmengen in China sind ein gefährlicher Nährboden im Konflikt mit Japan.

    Beide Effekte haben gemeinsam, dass sie sehr abstrakt sind für die Betrachtung von Armut. Wer die Armut besiegen will, der muss jeden Tag sein Handeln analysieren. Da melde ich in der derzeit zu beanstandenden internationalen Politik meine Bedenken an.

    Und trotzdem: Vielen Dank an Bill Gates. Ich bewundere seine Arbeit sehr.

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