Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Praktika Kaffee kochen und kopieren war gestern

Neue Studien zeigen: Firmen behandeln ihre Praktikanten besser als gedacht. Viele Betriebe fühlen sich mittlerweile einer Initiative des Handelsblatts verpflichtet. Auch die Vergütung ist kontinuierlich gestiegen – die genaue Höhe hängt dabei weniger von der Unternehmensgröße als von der Branche ab.
  • Ulrike Heitze
6 Kommentare
Mehr als Kaffee kochen: Unternehmen binden ihre Praktikanten mehr und mehr ins Tagesgeschäft ein. Quelle: dpa

Mehr als Kaffee kochen: Unternehmen binden ihre Praktikanten mehr und mehr ins Tagesgeschäft ein.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Unternehmen beuten Schüler und Studenten flächendeckend in schlecht oder gar nicht bezahlten Praktika aus. Dieses Klischee wird nach wie vor immer wieder gerne bemüht. Zwei aktuelle Untersuchungen können diesen Vorwurf nun alles andere als bestätigen.

So kommt die Personalberatung Alma Mater in ihrer aktuellen Gehaltsstudie, für die sie 400 Unternehmen befragte, zu einer mittleren Praktikantenvergütung (Median) von 535 Euro. Im Minimum nannten die Firmen 200, im Maximum verblüffende 2300 Euro. Dabei zeigte sich auch, dass die Höhe der Entlohnung nicht, wie sonst bei Gehältern üblich, stark von der Unternehmensgröße abhängt. Dafür von der Branche: Das untere Ende der Skala ist vom öffentlichen Dienst besetzt, der seinen studentischen Mitarbeitern im Schnitt 300 Euro pro Monat zahlt. Es folgen die Zeitarbeits- und die Medienbranche mit 500 Euro. Zu den Gutzahlerbranchen zählen laut Alma Mater die Wirtschaftsprüfer und Steuerberater mit im Schnitt 780 Euro, die Konsumgüterindustrie mit 670 und die EDV-Branche mit 660 monatlichen Euro.

Größere Wertschätzung

Bei der Bemessung der Praktikantenvergütung orientieren sich die Unternehmen auch an Wettbewerbern, wie Boris Wörter, Leiter Human Ressources beim Antriebstechnikspezialisten Festo, bestätigt: „In unserer Branche wäre es gar nicht möglich, Praktikanten ohne Vergütung zu beschäftigen. Wir sind hier im Epizentrum der Metall- und Autoindustrie und konkurrieren stark mit anderen namhaften Firmen um Praktikanten.“

Katja Ruf, Referentin Personalentwicklung beim Fassadenbauer Josef Gartner, ergänzt: „Schüler- oder Vorpraktika vergüten wir nicht, dort investieren wir viel Zeit und vermitteln ausschließlich Wissen. Aber Studenten, die richtig wertschöpfend mitarbeiten, nicht zu bezahlen ist bei uns absolut tabu.“

Viele Unternehmen fühlen sich mittlerweile der Fair-Company-Initiative des Handelsblatts verpflichtet. Darin haben über 1400 Unternehmen zugesagt, Praktika zu fairen Konditionen anzubieten. Mit der zunehmenden Debatte über Werte und Corporate Governance erklärt auch der Finanz- und Vermögensberater MLP die Entwicklung der Praktikantengehälter: „Seit 2006 ist die durchschnittliche Vergütung kontinuierlich gestiegen“, sagt Personalleiter Christian Kugelmeier zu den aktuellen Ergebnissen aus der „MLP Gehalts- und Qualifikationsdatenbank“. „Von 506 Euro in 2006 über 580 in 2007 bis 626 Euro im vergangenen Jahr.“

Auch bei der Aufgabenverteilung erfahren Praktikanten mittlerweile eine größere Wertschätzung, wie eine Umfrage des Karriere-Ratgebers Jobguide Praktikum unter 34 Unternehmen feststellt. Kaffee kochen war gestern, heute nutzt man sie aktiv zur Zuarbeit und bindet sie ins Tagesgeschäft ein. 85 Prozent der befragten Firmen lassen den Nachwuchs eigenständige Projekte bearbeiten. Beim Kundenkontakt winkt dagegen jeder dritte Betrieb ab, und nur bei jedem fünften können die Studenten ein eigenes Thema mitbringen.

Wie die Befragung zeigt, beschäftigen Unternehmen Praktikanten längst nicht nur aus altruistischen Motiven, etwa um ihnen Praxiserfahrung zu ermöglichen und um von ihrer Arbeitskraft zu profitieren. Längst werden die studentischen Stippvisiten auch als Recruitinginstrument eingesetzt. „Egal ob über Schüler- oder Studentenpraktika, wir wollen darüber natürlich auch Gartner bekanntmachen“, räumt Personalerin Katja Ruf ein. „Wir suchen Maschinenbauer, und bei denen sind wir nicht so als potenzieller Arbeitgeber präsent. Über Praktika können wir uns vorstellen – und natürlich auch von den frischen Ideen profitieren.“

Firmen leisten sich Alumni-Clubs

82 Prozent der befragten Unternehmen halten Kontakt zu ihren ehemaligen Praktikanten, das Gros beschränkt sich aber auf ausgewählte Kandidaten. Beliebt ist dabei der lose, persönliche Draht. Jede dritte Firma lädt zu internen Veranstaltungen, jede vierte leistet sich einen Alumni-Club. „Wir halten eine lockere Verbindung, wollen das aber auf längere Sicht etwas mehr systematisieren“, erklärt Festo-Personalchef Wörter. „Aber so etwas kostet eben auch Zeit und Geld.“ Auf jeden Fall haben ehemalige Praktikanten bei der Jobsuche einen Stein im Brett. Immerhin 61 Prozent der Firmen geben an, Ex-Praktikanten bei einer späteren Bewerbung bevorzugt zu behandeln. Bei 42 Prozent zumindest die, die man zuvor im Talentepool bei Laune gehalten hat.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

6 Kommentare zu "Praktika: Kaffee kochen und kopieren war gestern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hier kann ich nur s5p zustimmen. ich bin derzeit noch Schüler und darf ein Pflichtpraktikum bei zwei Unternehmen absolvieren. bei meinem ersten unbezahlten Praktikum, hab ich Aufgaben bekommen, die nichts mit kopieren oder Kaffe kochen zutun hatten. Mein erste Praktikum hab ich im Finanzwesen absolviert. Mein jetziges und gleichzeitig zweites unbezahltes Praktikum mache ich gerade in einer namhaften Unternehmensberatung. Hier durfte ich von Anfang an richtig gute und sehr interessante Aufgaben bearbeiten, die mir für meine Zukunft bestimmt weiterhelfen.
    Um auf den Punkt zukommen, macht es mir wenig aus das ich kostenlos für ein Unternehmen arbeite, solange ich dort auch etwas neues lerne.

    Meine Einstellung zu Praktikas

  • Gäbe es die Praktikanten nicht, so müßte man Mitarbeiter über Sklavenfirmen oder gar direkt einstellen. Es sind billigste Arbeitskräfte. Nicht weniger. Hier muß eigentlich ein Riegel vorgeschoben werden. ist mit der bieneMaja-Koalition aber nicht zu erwarten.

  • Der Unterschied zur Leiharbeit ist:

    Die Praktikanten oder Diplomanten bekommen ein offizielles Zeugnis vom Unternehmen.
    Diese Zeugnisse sind anerkannt. Das ist der Unterschied vom Praktikant oder Diplomant zur diskriminierenden Leiharbeit.
    ich forderte damals ein offizielles Zeugnis von Eba Gutachter Feucht bei Alcatel über meine Arbeit.

    Da ich 5 Jahre als Leiharbeiterin bei Alcatel von deutschen Subunternehmen lediglich ausgebeutet worden bin und seitdem arbeitslos bin, alles unter Aufsicht auch von Feucht, der es ganz genau weiß oder die hochpensionierten Personalabteilungen von Alcatel.

    Obwohl Riesensummen geflossen sind im Hintergrund, nicht nur für mich. Eben darum geht es.
    Profitieren tut alleine das Leih- Subunternehmen welches 0 Euro in mich investiert hat und ich dort zahlreichen Mobbingaktionen durch Projektleiter die immer noch in hochbezahlten Positionen sitzen ausgebeutet wurde.

  • ich kann den Eindruck den der Artikel vermittelt nur bestätigen. Man bekommt heute in vielen Unternehmen fast übertrieben komplexe Aufgaben. Da dauert dann die Einarbeitung um ein vielfaches länger, als das man produktiv arbeitet. Das wird heute eben als Teil der Ausbildung von Studenten gesehen und gleichzeitig als Versuch als Unternehmen interessant für Studenten zu sein. Wer heute im Praktikum Kaffee kocht und kopiert ist selbst schuld.

  • Und verändert hat sich doch wieder nichts
    Zwar siehen die Firmennamen im Lebenslauf, bei denen man praktiziert hat je nach internationalität b.z.w. Kapazität gut aus, gebracht hat es jedoch nicht viel; Eben weil ein jeder Praktikant Kaffee kocht (aber hey wenigstenst darf er ab und zu auch kopieren). Vielleicht sollten intensivere Studien zur Sache kommen, aber denke ich, müssten auch wir Praktikanten etwas unternehmen. Erfahrungsberichte in Unternehmen, die man später veröffentlicht wäre doch ein Anfang.

  • Komisch, da war wohl mein bekanntenkreis und auch ich stets bei den falschen Unternehmen. bei vielen gab es gar nichts und bei einem Teil bestand die Arbeit lediglich aus stupider und ewiger internetrecherche (der modernen Fassung des Kaffeekochens), ca. 10 bis 12 Stunden am Tag. Da wir/ich damals kurz vor dem Diplom standen, hätten wir auch ganz anders eingesetzt werden können.
    Und Alumnipool oder überhaupt Kontakt halten von Seiten des Unternehmens halten? Kein einziges, weder von den kleinen Unternehmen noch von den großen DAX-Konzernen.
    Manche davon sind ja auch nicht einmal in der Lage innerhalb eines Jahres (!) eine Zu- oder Absage zu schreiben.

    bei dieser Studie wurden wohl nur Unternehmen befragt, keine Praktikanten.

Serviceangebote