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Ralf Teckentrup Dieser Mann soll die Fluggesellschaft Condor retten

Nach der Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook steht Condor-Chef Ralf Teckentrup vor seiner bisher schwierigsten Mission.
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Der Condor-CEO kennt die Luftfahrtbranche aus dem Effeff. Quelle: Photothek/Getty Images
Ralf Teckentrup

Der Condor-CEO kennt die Luftfahrtbranche aus dem Effeff.

(Foto: Photothek/Getty Images)

Frankfurt Die Erleichterung des Ralf Teckentrup ist selbst durch die Telefonleitung zu spüren. „Diese Zusage ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung unserer Zukunft“, sagt der Chef der Ferienfluggesellschaft Condor. Und atmet tief durch: „Condor ist ein profitables Unternehmen und wird es auch im laufenden Jahr sein.“

Es ist 21 Uhr am Dienstag. Gerade hat Teckentrup vom Bundeswirtschaftsministerium und vom Land Hessen die gute Nachricht erhalten. Condor soll – sofern die EU zustimmt – einen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro bekommen.

Nun kann Teckentrup, der in wenigen Wochen 62 Jahre alt wird, das machen, was er mutmaßlich am besten kann: die Airline mit ihren 4900 Mitarbeitern strategisch so ausrichten, dass sie ohne die bisherige Mutter Thomas Cook weiterarbeiten kann. Parallel dazu muss er einen Investor suchen, denn ohne den wird es auch der erfahrene Airline-Manager kaum schaffen, Condor in eine stabile Zukunft zu führen.

„Da liegt nun eine Menge Arbeit vor uns“, sagt Teckentrup, „wir werden das aus unserer Sicht auch meistern.“ Wie schon so oft in seinem Managerleben. Der asketisch wirkende Mann hat zahlreiche Krisen bewältigt, er kennt die Luftfahrtbranche bis in ihre Verästelungen.

Nach dem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens in Hamburg begann er seine Luftfahrtkarriere 1986 als Projektleiter Konzernorganisation bei Lufthansa. Über zahlreiche Führungsaufgaben wurde er 1998 Bereichsvorstand für das Netzmanagement von Lufthansa Passage, dem Kerngeschäft des Konzerns.

Er gilt als „Aufräumer“

In dieser Zeit suchte der britische Reisekonzern Thomas Cook einen Krisenmanager. Die Tochter Condor war tief in die roten Zahlen gerutscht – ein Sanierungsfall. Mit seiner breiten Erfahrung schien „Tecke“, wie er in Luftfahrtkreisen gern mal genannt wird, eine Idealbesetzung für den Chefposten dort zu sein.

2004 wurde Teckentrup in den Vorstand der deutschen Thomas Cook AG berufen und übernahm gleichzeitig den CEO-Posten bei Condor. „Teckentrup ist ein Aufräumer. Wenn einer die Condor sanieren kann, dann er“, kommentierte damals ein Manager.

Er sollte mit dieser Einschätzung recht behalten. Teckentrup – begeisterter Jogger, Skifahrer und Squashspieler – brachte „den Condor“ wieder in die schwarzen Zahlen. Mehr noch: Die deutsche Airline wurde zum Gewinnbringer für die Mutter Thomas Cook.

Doch was erst einmal positiv klingt, entwickelte sich für den Topmanager zunehmend zum Problem. Die Mutter sog das Geld von Condor förmlich auf, für Investitionen in die Airline blieb kaum etwas übrig. „Ich bekomme Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, was man aus Condor machen könnte, wenn wir neue Flugzeuge hätten“, klagte er dann und wann. Freilich hinter vorgehaltener Hand, schließlich galt es, gegenüber der Mutter loyal zu bleiben.

Unsere Winterliquidität wurde in London, ich sage es mal drastisch, verbuddelt. Ralf Teckentrup (Condor-Chef)

Doch damit ist seit der Insolvenz von Thomas Cook Schluss. Teckentrup, ein Freund klarer Worte, geht auf Distanz zum britischen Konzern. Er sagt: „Unsere Winterliquidität wurde in London – ich sage es mal drastisch – verbuddelt.“ Man müsse sich von Thomas Cook abschirmen, damit nicht am Ende über irgendwelche Forderungen der insolventen Mutter Gelder aus dem deutschen Bürgschaftskredit nach London fließen würden.

Teckentrup – verheiratet und Vater zweier Kinder – will die neue Freiheit sofort nutzen, auch für die Suche nach einem neuen Eigner. Dass er diese Suche erfolgreich zu Ende bringen wird, davon geht man in der Branche aus. „Teckentrup ist bestens vernetzt, das hilft natürlich“, sagt ein Airline-Manager.

Und auch die Belegschaftsvertreter sichern ihm volle Unterstützung zu: „Die Gewährung des Brückenkredits ist das Ergebnis einer guten Zusammenarbeit zwischen der Arbeitgeberseite, Arbeitnehmern und Gewerkschaften“, sagt Janis Schmitt, Sprecher der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit. Unter dieser Voraussetzung stehe es außer Frage, einen Beitrag zu leisten.

Mehr: Condor erhält die Staatshilfe über 380 Millionen Euro, der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet. Die Ereignisse im Newsblog.

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1 Kommentar zu "Ralf Teckentrup: Dieser Mann soll die Fluggesellschaft Condor retten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ralf Teckentrup soll die Condor retten ... ein Mann, der sich dokumentiert für keine Schweinerei und auch Straftaten zu schade ist. So erlebt, als dieser 2016 PERSÖNLICH ein Mandat an Berater für ein Projekt "Flower Broker 24" vergab, an welchem Teckentrup und sein Schwiegervater sich privat zu 51% engagierten, um dann zu scheitern.

    Und das obgleich die Berater diesem von Anfang an abrieten sich zu engagieren, tat dieser es doch. Und genau diese vertraglich verpflichteten Berater zahlte der "Topmanager" später nicht, mit fadenscheinigen Gründen.

    Und die Tatsache, dass die Hessische Landesregierung nun OHNE valide Prüfung hier Zusagen an CONDOR machte ist abenteuerlich. Das CONDOR heute ein Pleitekandidat ist, ist den Handelnden anzulasten. Kennen wir ja bereits von AIR BERLIN.

    Und das die Handelnden in Anbetracht der bevorstehenden Pleite hierüber auch die Behörden nicht rechtzeitig informiert haben, das ist ggf. auch juristisch zu bewerten.

    So oder so ist die Causa CONDOR ein weiterer Beleg für die Managementqualitäten. Und Ralf Teckentrup ein Beleg dafür, welche Kräfte in diesen Konzernen agieren.
    Teckentrup gehört zu jener Spezies "Manager", die es bravourös verstehen Menschen zu blenden. Und das diese Typen noch nie auch vor großangelegten Betrug zurückgeschreckt haben, ist beinahe in jedem Dax-Unternehmen längst Alltag. Das wird hier keine Sekunde anders sein.

    Umso erstaunlicher, das die Regierung jetzt für Darlehn und Bürgschaften zu Lasten des Steuerzahlers gerade stehen sollen, während diese Manager trotz ihres Totalversagens sich regelmäßig auch noch Millionen-Bonis einstreichen (siehe alle Cook Manager). Das scheint längst niemanden mehr zu berühren.

    Und Typen wie Teckentrup gehören zur Gattung Mehdorn, die viel versprechen, aber am Ende an sich selber scheitern. Denn diese sind alles, nur keine Manager.

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