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Reaktion auf Kurzarbeit Sparmaßnahmen in der Krise: Immer mehr Vorstände verzichten auf Teile ihres Gehalts

Das Management vieler Konzerne schickt seine Belegschaft in die Kurzarbeit. Dafür zeigen sich Vorstände auch solidarisch und kürzen sich die Gehälter.
02.04.2020 - 17:14 Uhr Kommentieren
Auch die Thyssen-Krupp-Chefin verzichtet auf Teile ihres Gehalts. Quelle: AP
Martina Merz

Auch die Thyssen-Krupp-Chefin verzichtet auf Teile ihres Gehalts.

(Foto: AP)

Stuttgart, Düsseldorf, München Es sei eine Frage der Haltung und deshalb ohne Alternative: Am Donnerstag kündigte der Vorstand von Thyssen-Krupp rund um CEO Martina Merz an, auf einen Teil des Gehalts zu verzichten. „Wir sitzen alle im selben Boot. Das gilt ganz besonders, wenn wir jetzt Mitarbeitende in Kurzarbeit schicken müssen“, sagte Vorstandsmitglied Oliver Burkhard. Die 1500 Führungskräfte des Essener Konzerns wurden aufgerufen, dem Beispiel freiwillig zu folgen.

Je länger die Coronakrise dauert und je stärker Firmen und Personal darunter leiden, desto häufiger ist das Topmanagement bereit, selbst Einbußen hinzunehmen. Inzwischen hat eine ganze Reihe von Firmenlenkern in Deutschland und der ganzen Welt angekündigt, sich mit weniger Geld zufriedenzugeben.

So auch Daimler-Chef Ola Källenius. Der 50-Jährige will für neun Monate auf ein Fünftel seiner Grundvergütung verzichten. Das geht aus einem Brief hervor, mit dem sich Källenius am Mittwochabend an seine Führungstruppe wandte. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor. „Die meisten unserer Fabriken weltweit sind derzeit geschlossen. Beschäftigte werden teilweise freigestellt“, erklärt Källenius darin. Zudem gehe der Großteil der rund 170.000 Beschäftigten in Deutschland von Montag an in Kurzarbeit und müsse Gehaltseinbußen in Kauf nehmen.

Källenius will, dass auch das Management des Stuttgarter Autoproduzenten in dieser schweren Zeit einen Beitrag leistet. Sein Ansatz: Die acht Vorstände des Konzerns werden ebenso wie der Aufsichtsrat für neun Monate auf 20 Prozent ihres Fixums verzichten.

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    Bei den leitenden Führungskräften der obersten drei Ebenen soll darüber hinaus die Grundvergütung um zehn Prozent gekürzt werden. „In der Finanzkrise 2009 haben wir eine ähnliche Maßnahme durchgeführt. Wir gehen auch dieses Mal von einer breiten Zustimmung aus, da wir so alle einen weiteren Beitrag für das Unternehmen leisten können“, schreibt die Daimler-Führung um Källenius in dem Brief.

    Gehaltsverzicht durch unbezahlte Urlaubstage

    Die größten Zulieferer der Autoindustrie ziehen mit. Vorstand und Vertreter der Führungskräfte von ZF hätten sich darauf geeinigt, für die Dauer der Kurzarbeitsphase je nach Managementposition freiwillig auf bis zu zehn Prozent ihres fixen Monatsgehalts zu verzichten, teilte der Konzern aus Friedrichshafen auf Anfrage mit.

    Darüber hinaus würden variable Gehaltsbestandteile aufgrund der Coronakrise niedriger ausfallen. Im Ausland würden länderspezifisch andere Regelungen gelten, zum Beispiel in den USA: Dort leisteten Führungskräfte ihren Beitrag, indem sie unbezahlten Urlaub nähmen.

    Diesem Beispiel folgt Branchenprimus Bosch. Der Autozulieferer hat einen Gehaltsverzicht durch unbezahlte Urlaubstage beschlossen. Das betreffe die Führungskräfte an den von Kurzarbeit betroffenen Standorten sowie den gesamten obersten Führungskreis von Bosch, also auch CEO Volkmar Denner. Bei Konkurrent Continental kürzt das Topmanagement sein April-Gehalt um zehn Prozent. Der im Dax notierte Konzern kündigte diese Woche an, rund 30.000 Mitarbeiter, die Hälfte der Belegschaft in Deutschland, in Kurzarbeit zu schicken.

    Als einer der ersten Konzerne hierzulande hatte die Führungsetage der Lufthansa bereits Mitte März Abstriche am eigenen Gehalt angekündigt. Aus gutem Grund: Die Fluggesellschaft wurde durch die Ausbreitung des Virus früher getroffen als die meisten anderen großen Unternehmen. Bei der Airline fallen für sechs Monate von April bis September jeweils 20 Prozent der Fixvergütung des Vorstands weg, in der zweiten Führungsebene sind es 15 Prozent.

    Einigen Konzernen dürfte in den nächsten Monaten gar nichts anderes übrig bleiben, als die Management-Vergütung zu kappen. Der Bundestag hat bereits eine „Boni-Bremse“ für Vorstände großer Unternehmen beschlossen, falls diese Mittel aus einem Rettungsfonds erhalten. Für diese Zeit soll es keine Dividenden, Boni, Aktienpakete oder andere Sonderzahlungen für Vorstände und Manager geben.

    Die Italiener agieren

    Es sind aber nicht nur die Industrieunternehmen, die jetzt an den Gehältern des Spitzenpersonals sparen. Beim Turnschuh-Hersteller Puma will der Vorstand um Björn Gulden angesichts eines drastischen Umsatzrückgangs für den April ganz auf sein Gehalt verzichten – das dürften etwa 170.000 Euro sein. Für 2019 hatten die drei Vorstände zusammen Fixgehälter von zwei Millionen Euro bekommen. Die zweite Führungsebene gibt ein Viertel des April-Gehalts ab.

    Der Vorstand des Lokalrivalen Adidas hat derweil sein Gehalt vorübergehend um die Hälfte gekürzt, die zweite Führungsebene um 30 Prozent. Vorstandschef Kasper Rorsted verzichtet damit erst einmal monatlich auf gut 80.000 Euro.
    Auch Filialisten wie die Parfümeriekette Douglas reagieren: „Das gesamte Topmanagement hat sich zu einem teilweisen Gehaltsverzicht bereit erklärt. Es geht um einen Verzicht im deutlich zweistelligen Prozentbereich, den rund zwei Dutzend Top-Führungskräfte leisten“, sagte CEO Tina Müller dem Handelsblatt.

    Im Ausland fallen die Gehälter an der Spitze ebenfalls erst einmal niedriger aus, vor allem in Italien. So kürzen die Topmanager des Autobauers Fiat vorübergehend ihre Bezüge. Konzernchef Mike Manley schreibt in einem Brief an die Mitarbeiter, er werde sein Gehalt für die kommenden drei Monate halbieren, um Stellenstreichungen im zweiten Quartal zu verhindern.

    Verwaltungsratschef John Elkann und die übrigen Mitglieder des Gremiums würden bis Jahresende auf ihre Löhne verzichten. Und die Chefs der italienischen Großbank Unicredit werden angesichts der ungewissen wirtschaftlichen Aussichten 2020 keine Boni bekommen.

    Nicht alle Firmenlenker müssen aber in diesen Tagen Einbußen hinnehmen. Bei BMW gebe es keinen expliziten Gehaltsverzicht, teilte der Autoproduzent auf Anfrage mit. Bislang geht das Unternehmen davon aus, trotz der Coronakrise in diesem Jahr in den schwarzen Zahlen zu bleiben.

    Die finanziellen Auswirkungen werden die Führungskräfte aber über die Boni spüren, die im kommenden Jahr sinken dürften. Die Vorstandsvergütungen seien zu zwei Dritteln erfolgsabhängig, erklärte ein Sprecher. Auch bei VW verringern sich die Bezüge mit der schlechteren Geschäftslage automatisch.

    Mehr: In einem Gespräch mit der Kanzlerin wollten die Manager ausloten, wie die Konzerne ihre Produktion wieder aufnehmen können.

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