Regionalmarketing Siegen lernen in Südtirol

Seite 2 von 2:

Das Problem ist vor allem, dass eine Region wenig Einfluss auf ihr Produkt hat. „Bei der Fußball-WM vor zwei Jahren gingen die schönen Eindrücke von der Fanmeile in Berlin um die Welt. Wer aber ein paar Monate später zum G8-Gipfel dorthin reiste, konnte brennende Autos sehen“, erinnert Balderjahn.

Die Hauptstadt scheint dieses Dilemma erkannt zu haben. Denn mit ihrer Kampagne will sie in erster Linie ihre eigenen Bürger umschmeicheln – damit das mühsam aufgebaute Image zumindest nicht durch mürrische Einwohner zerschossen wird. Die Metropole verpasst sich deshalb eine „neue Willkommenskultur“. Zehn Mill. Euro steckt der Senat in den Aufbau seiner neuen Marke „Sei Berlin“. Auf Plakaten grüßt ein Berliner Koch, der sich sozial nach oben gekämpft hat, oder die Schüler der berüchtigten Neuköllner Rütli-Schule.

Die Botschaft an die Einwohner: Jeder Berliner soll die Besucher der Stadt mit Enthusiasmus anstecken. Ob das funktioniert, bezweifeln Experten. „Ich bin sehr skeptisch, ob man allein über diese Kommunikationsmaßnahmen ein Wirgefühl entwickeln kann“, sagt Marketingexperte Balderjahn.

Ein Vorbild für viele Regionalwerber könnten die Südtiroler sein. Vor fünf Jahren beauftragten die Politiker der italienischen Provinz eine Agentur, ihnen ein einträgliches Image zu verpassen. Für einen Bruchteil der Summen, die deutsche Regionen für ihre Marken ausgeben, entwickelten die Werber ein einheitliches Logo, mit dem fortan sowohl Hotels als auch Bauern ihre Produkte anpriesen. Auf Äpfeln und Milch prangt das Zeichen der Region, das unter dem eigens entwickelten Schriftzug „Südtirol“ in hellen bunten Farben die Silhouette der Alpen nachbildet – alles im frischen Ökostil. Das Kalkül der Werber: Wem in Deutschland ein Südtiroler Apfel schmeckt, der bekommt vielleicht Lust, auch seinen nächsten Urlaub dort zu verbringen.

Mittlerweile dient das Etikett als Qualitätssiegel für Erzeugnisse wie Grappa oder Beeren. Doch nicht jedes Produkt aus Südtirol darf automatisch mit dem Logo werben. „Sie müssen einlösen, was die Marke verspricht“, sagt Uli Mayer-Johanssen. Sie ist Vorstandsvorsitzende der Berliner Agentur Metadesign und hat mit ihrem Team an der neuen Marke gebastelt. Mittlerweile drucken über 3 000 Firmen die Plakette auf ihre Produkte. Jedes Jahr verläßt eine halbe Milliarde Äpfel die Höfe der Südtiroler Bauern – viele kleine Werbebotschafter. Die Agentur schulte Mitarbeiter der Betriebe, und ein eigens gegründeter Beirat aus Südtirolern entscheidet heute, wer das Logo tragen darf. „In Südtirol merkt man, dass da Power dahintersteckt“, urteilt Marketingprofessor Balderjahn, „dort besteht eine sehr gute Organisation, die stabil erscheint.“ Damit sei das Marketing dieser Region deutlich besser als bei anderen.

Innerhalb Deutschlands gibt es nur wenige Konzepte, die mithalten können. Neue Probleme entstehen, wenn sich die Bundesländer kaum noch voneinander absetzen können, weil 16 Kampagnen auf die gleiche Weise werben. Dann müssen neue Ideen her, denen sich Firmen längst bedienen. Seit Jahren locken sie mit eigenen Klängen und Gerüchen die Sinne ihrer Kunden. „Die Spielwiese für Standortmarketing ist noch lange nicht ausgereizt“, glaubt deshalb Werbeexpertin Mayer-Johanssen.

Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%