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Rollenwechsel Ex-Siemens-Chef Kleinfeld wird Berater des saudischen Kronprinzen

Der frühere Siemens- und Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld wird nun Berater des Kronprinzen von Saudi-Arabien. Es ist ein bemerkenswerter Rollentausch.
03.07.2018 - 17:08 Uhr Kommentieren
Soll „Entwicklung Saudi-Arabiens fördern“. Quelle: Norbert Essing Kommunikation GmbH
Klaus Kleinfeld

Soll „Entwicklung Saudi-Arabiens fördern“.

(Foto: Norbert Essing Kommunikation GmbH)

Berlin Es klingt wie eine Karriere aus 1001 Nacht: Der aus einer Bremer Arbeiterfamilie stammende frühere Siemens- und Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld wird persönlicher Berater des mächtigen saudischen Kronprinzen. Dabei soll der Deutsche mit amerikanischem Pass dem erst 32 Jahre alten Thronfolger Mohammed bin Salman Al Saud beim Umbau des wichtigsten Petrostaats der Welt helfen.

Der 61-Jährige werde damit vom 1. August an „größere Zuständigkeiten übernehmen, um die wirtschaftliche, technologische und finanzielle Entwicklung Saudi-Arabiens zu fördern“, heißt es in einer Erklärung des Herrscherhauses vom Dienstag.

Die Nachricht liest sich wie eine Beförderung, die sich durch die fast dreiwöchige Begleitung des Kronprinzen bei dessen US-Tour im März bereits andeutete. Dabei war in Industriekreisen in Riad bereits seit Monaten über eine Abberufung Kleinfelds als CEO des ambitionierten Megaprojekts Neom gemunkelt worden, da er nicht längerfristig nach Saudi-Arabien habe umziehen wollen.

Der Kronprinz, den im Königreich alle ehrfurchtsvoll als MbS bezeichnen, pflegt einen unkonventionellen Arbeitsstil: Er arbeitet sehr viel nachts – wenn er nicht gerade leidenschaftlich Computerspiele spielt.

Dann lässt er Minister und CEOs wichtiger Unternehmen per Helikopter zu sich bringen, um zu nachtschlafender Zeit mit ihnen seine „Vision 2030“ zu diskutieren. Oftmals auf einem der Decks seiner 134 Meter langen und vom russischen Wodka-König Juri Schefler für angeblich 500 Millionen Euro abgekauften Luxusjacht Serene.

Von einem Umzug nach Saudi-Arabien sei „nie die Rede gewesen“, heißt es aus Kleinfelds Umfeld. Im Gegenteil habe der Kronprinz den von 2005 bis 2007 als Siemens-Chef und später als CEO des US-Aluminiumkonzerns Alcoa amtierenden Topmanager als Berater enger an sich binden wollen.

„Geehrt und begeistert“

„Ich fühle mich geehrt und bin begeistert, die Führungsrolle zu übernehmen“, hatte Kleinfeld dem Handelsblatt in Riad nach seiner Ernennung zum Neom-Chef gesagt. Den mehr als 1000 Seiten umfassenden detaillierten Plan für Neom habe Kleinfeld nun gerade fertiggestellt, nun beginne die konkrete Bauphase. Deshalb tausche er den Job als Neom-CEO nun gegen den einflussreichen Beraterjob, heißt es in Kleinfelds Umfeld.

Neom ist die für 500 Milliarden Dollar geplante, 26.500 Quadratkilometer – und damit etwa so groß wie Mecklenburg-Vorpommern – umfassende, modernistische, neue Gigantenstadt im Dreiländereck Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten, in der mehr Roboter als Menschen arbeiten sollen. Neom, als dessen CEO Kleinfeld bei der Vorstellung des Gigaprojekts Mitte Oktober erst ernannt worden war, soll in Kürze starten.

Neom ist wesentlicher Bestandteil der „Vision 2030“ des Kronprinzen Mohammed bin Salman: Damit will er den bisher erzkonservativen Petrostaat in die Neuzeit führen, mit Jobs für Frauen, der gerade erfolgten Aufhebung des Frauenfahrverbots, einer Liberalisierung des wahhabitischen Islams sowie Milliardeninvestitionen in neue Wirtschaftszweige fit für die Zeit nach dem Öl machen.

Während Kleinfeld in das Board des Neom-Projekts wechselt, übernimmt seinen Job Nadhmi Al-Nasr. Der studierte Chemiker hat mehr als 30 Jahre lang für den weltgrößten Ölriesen Saudi Aramco gearbeitet und war Interim President der King Abdullah University of Science and Technology.

Verschlechterte Beziehungen

Kleinfelds Rollenwechsel geschieht in einer Zeit deutlich verschlechterter deutsch-saudischer Beziehungen: Im November 2017 hatte der damalige Außenminister Sigmar Gabriel Saudi-Arabien „Abenteurertum“ vorgeworfen und die Politik des Königreichs damit im Hinblick auf regionale Konflikte abqualifiziert.

Die Saudis waren so nachhaltig verstimmt, dass sie daraufhin aus Protest ihren Botschafter aus Berlin nach Riad zurückriefen – und bis heute nicht zurück an die Spree entsandten. Seither, so berichten Industrievertreter in Riad, bekämen deutsche Firmen nur noch „sehr mühsam bis zumeist gar nicht“ Aufträge in der größten Volkswirtschaft am Golf.

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