Rüdiger Grube wird 65 Der Bahnchef ist erst auf halber Strecke

Er ist so freundlich wie eh und je, obwohl die Zeiten schwierig sind. Bahnchef Rüdiger Grube steht mit 65 Jahren vor großen Herausforderungen. Warum ausgerechnet die kommenden Wochen dabei entscheidend sein werden.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG will noch bis Ende 2017 arbeiten. Quelle: dpa
Rüdiger Grube

Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG will noch bis Ende 2017 arbeiten.

(Foto: dpa)

BerlinEs klang zuversichtlich, aber auch bescheiden. Die „ersten Erfolge“ stellten sich nach einem Jahr Konzernumbau ein, das zeige sich auch in der Bilanz, resümierte Bahnchef Rüdiger Grube das erste Halbjahr 2016. Gute Fahrgastzahlen im Fernverkehr und ein besseres Betriebsergebnis legte er vor, dann aber beschrieb er eine Fülle von Problemfeldern.

An seinem 65. Geburtstag am Dienstag denkt Grube nicht an Ruhestand. Die Deutsche Bahn steckt im Umbruch, und der Vorstandsvorsitzende möchte ihn noch ein paar Jahre gestalten - wenn man ihn lässt.

Das sind die größten Regional-Konkurrenten der Bahn
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In Großbritannien transportiert die Gesellschaft Go-Ahead eigenen Angaben zufolge mit 26.000 Mitarbeitern rund ein Drittel aller Bahnreisenden. So zum Beispiel „Ozzy“ Osbourne, Ex-Lead-Sänger der Band Black Sabbath, in Birmingham (Foto, Mitte). Das Unternehmen, das 1987 im Zuge der Privatisierung städtischer Busnetze durch ein Management-Buyout entstand, gehört inzwischen zu 30 Prozent der französischen SNCF-Tochter Keolis. In Baden-Württemberg will die 2014 in Berlin gestartete Deutschlandtochter nach der nun gewonnenen Ausschreibung 2019 Zugverbindungen aufnehmen.

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Die Pariser Gesellschaft Keolis, die in Deutschland die „Eurobahn“ (Foto) betreibt, ist eine 70-Prozent-Beteiligung der französischen Staatsbahn SNCF. Die restlichen 30 Prozent gehören einer kanadischen Pensionskasse. Keolis beschäftigt weltweit 60.000 Mitarbeitern und setzte zuletzt 5,6 Milliarden Euro um. Die von Düsseldorf aus gesteuerte Deutschland-Tochter ist in Ostwestfalen-Lippe, im sogenannten Hellweg-Netz zwischen Münster und Dortmund sowie zwischen Maas, Rhein und Lippe im Regionalverkehr aktiv. Ihr Marktanteil: Zwei Prozent.

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Die Hessische Landesbahn GmbH (HLB, Foto) gehört dem Land Hessen. Sie betreibt im Schienenverkehr die Strecken Lahntal-Vogelsberg-Rhön und Main-Lahn-Sieg. Hinzu kommen Verbindungen in der Wetterau, das Taunusnetz sowie die 3LänderBahn. In Deutschland kommt sie damit auf einen Marktanteil von drei Prozent.

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Das europaweit operierende Nahverkehrsunternehmen Abellio (Foto) wurde 2001 von der holländischen Staatsbahn Nederlandse Spoorwegen als NedRailways gegründet. Es beschäftigt mehr als 17.000 Mitarbeiter. Hierzulande zählen die Regionen Nordrhein Westfalen (Westfalen-Bahn) und Mitteldeutschland (Saale-Thüringen-Südharz-Netz) zu den Schwerpunkten. Gesteuert wird der Deutschlandbetrieb aus der Firmenzentrale in Berlin. Die operativen Einheiten sind Hagen, Halle/Saale und seit kurzem auch aus Stuttgart. Der Marktanteil liegt bei vier Prozent.

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Der Nahverkehrsanbieter Benex, der sich aus „Better Nexus“ („bessere Verbindung“) abkürzt, gehört zu 51 Prozent der Hamburger Hochbahn AG (HHA). Den Rest stellt der britische Infrastrukturfonds International Public Partnerships. Das Unternehmen mit 1.890 Mitarbeitern und 330 Millionen Euro Umsatz betreibt unter anderem die Regionallinien Metronom (Foto) und Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG), was ihm einen deutschen Marktanteil von rund vier Prozent bringt.

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Die 2003 in Hamburg gegründete Tochter des damals britischen Transportkonzerns Arriva, die sich 2011 den Namen Netinera gab, ist nach eigenen Angaben nach Deutscher Bahn und Transdev das drittgrößte Eisenbahnunternehmen Deutschlands ¬ mit einem Marktanteil von vier Prozent. Nach dem Verkauf Arrivas an die Deutsche Bahn ging die Deutschland-Tochter 2010 an ein Konsortium der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato (51 % der Anteile) und eines französisch-luxemburgischen Infrastrukturfonds. Die 3.800 Mitarbeiter betreiben unter anderem die Regentalbahn, die Berchtesgadener Landbahn und die Vlexx (Foto), die auch nach Frankreich fährt.

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Der französische Bahn-Verfolger Transdev gehört der staatlichen staatlichen Caisse des Dépôts und Veolia. Der Konzern zählt 119.000 Beschäftigte und erwirtschaftete einen Umsatz von acht Milliarden Euro. In Deutschland betreibt die Gesellschaft unter anderem die Bayerische Oberlandbahn (Foto), die Nord-Ostsee-Bahn in Schleswig-Holstein und die Nordwestbahn in Niedersachsen – mit einem deutschen Marktanteil von vier Prozent.

Bedrohlich ist die Lage des Staatskonzerns nicht, aber er steht längst nicht so gut da, wie man es von einem Transportriesen im prosperierenden Deutschland erwarten könnte. Vom Ziel des „profitablen Marktführers“ aus der „Strategie DB 2020“ hat sich Grube verabschiedet, jetzt strebt er nur noch an, „profitabler Qualitätsführer“ zu werden. Das steht exemplarisch für seine siebenjährige Amtszeit: Grube hat viel angekündigt, aber vieles bislang nicht erreicht. Der Manager befindet sich mit seiner Bahn auf halber Strecke.

Der Anfang im Mai 2009 war schwer und leicht zugleich. Er musste die Wunden der Datenaffäre heilen, die sein gestürzter Vorgänger und Freund Hartmut Mehdorn aufgerissen hatte. Und er begann bei der Bahn mitten in der akuten Finanzmarktkrise. Andererseits konnte er mit seiner offenen Art rasch den angeschlagenen Ruf der Bahn aufpolieren.

Mit Charme und Fleiß gewann er Vertrauen bei Mitarbeitern, Regierenden, Verkehrspolitikern und Kunden. Im Jahr 2010 gelang Grube die Übernahme des europaweit aktiven Bus- und Bahnbetreibers Arriva, der Jahr für Jahr steigende Gewinne abwirft. Seit diesem Coup fehlt das Geld für Zukäufe in ähnlicher Größenordnung.

Grube war vor allem mit dem Versprechen angetreten, sich um das „Brot- und Butter-Geschäft“ zu kümmern, den Eisenbahnverkehr in Deutschland. Genau dort klemmt es noch immer. Im wichtigen Regionalverkehr verliert die Bahn weiterhin bei Ausschreibungen Strecken an die Konkurrenz. Es gibt zwar ein Konzept für ein größeres Fernverkehrsnetz bis zum Jahr 2030. Im Brennpunkt steht derzeit aber die Pünktlichkeit.

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