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Schienentechnikkonzern Ex-Bahn-Chef Grube wird Chefaufseher bei Vossloh

Viele Ex-Bahn-Manager zieht es zum Bahntechnikkonzern Vossloh: Rüdiger Grube kann als neuer Chefkontrolleur dem chinesischen Großkonzern CRRC helfen, in Europa Fuß zu fassen.
06.01.2020 Update: 06.01.2020 - 19:21 Uhr Kommentieren
Der Logistikmanager wird Aufsichtsratschef bei Vossloh Quelle: dpa
Rüdiger Grube

Der Logistikmanager wird Aufsichtsratschef bei Vossloh

(Foto: dpa)

Werdohl Der frühere Bahn-Chef Rüdiger Grube soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Schienentechnikkonzerns Vossloh aus Werdohl in Westfalen werden. Ein Gericht soll den 69 Jahre alten Hamburger als Mitglied des Kontrollgremiums bestellen, danach soll Grube zum Vorsitzenden aufrücken. Das teilte das Unternehmen an diesem Montagabend mit. Der Manager war von 2009 bis 2017 Vorstandschef der bundeseigenen Deutschen Bahn AG.

Grube werde „die weitere Entwicklung des Vossloh-Konzerns mit seiner umfassenden Erfahrung und Expertise in der Bahnindustrie maßgeblich unterstützen“, hieß es. Zuvor hatte Bernhard Düttmann wegen seiner Verpflichtung als Chef des Elektronikkonzerns Ceconomy sein Aufsichtsratsmandat zum 31. Dezember 2019 niedergelegt. Der bisherige Vorsitzende des Gremiums, Ulrich Harnacke, soll wieder den Vorsitz im Prüfungsausschuss übernehmen.

Eine von Grubes ersten großen Aufgaben wird es sein, den Kauf der Vossloh-Lokfabrik Kiel an den chinesischen Großkonzern CRRC unter Dach und Fach zu bringen – und so den Weg für die Chinesen in Europa frei zu machen.

Grube ist nicht der erste Manager des Staatskonzerns, der bei Vossloh anheuert. Noch gar nicht lange ist es her, dass Volker Kefer, Grubes ehemaliger Technik- und Infrastrukturchef bei der Deutschen Bahn, von dem sich Grube getrennt hatte, den Aufsichtsratsvorsitz führte. Und bis September vergangenen Jahres wäre Grube auf einen weiteren ehemaligen Staatseisenbahner getroffen. Andreas Busemann war bis dahin Vorstandsvorsitzender des Unternehmens und zuvor in verschiedenen Managementfunktionen bei der Deutschen Bahn.

Grube ging nach acht Jahren als Bahn-Chef vor fast genau drei Jahren im Streit mit dem Bahn-Aufsichtsrat. Der Konzern wollte dessen Vertrag nur um zwei Jahre verlängern, Grube aber hatte zuvor schon eine längere Vertragszeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden ausgehandelt.

Vossloh schrumpft seit einigen Jahren

Mitten in der Januarsitzung des Kontrollgremiums kündigte Grube. Später handelte er sich heftige Kritik ein, weil er trotzdem 2,2 Millionen Euro als Restvergütung ausbezahlt bekam. Zuletzt bekräftigte der Bundesrechnungshof, die Zahlung sei nicht rechtmäßig gewesen.

Grube ist bereits Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Hafen und Logistik AG HHLA. Darüber hinaus hat er zwei kleinere Kontrollmandate bei mittelständischen Firmen. Seit 2017 ist Grube Chairman der Investmentbank Lazard in Deutschland.
Das Personaltableau von Vossloh ist vor allem seit dem Einstieg des Knorr-Bremse-Großaktionärs Heinz Hermann Thiele in Bewegung geraten.

Thiele hatte vor zehn Jahren damit begonnen, Aktien des Unternehmens aufzukaufen. 2013 stieg er gegen den Willen der damals noch beteiligten Familie Vossloh zum zweitgrößten Aktionär auf, 2015 übernahm Thiele endgültig das Sagen. Derzeit hält der Münchener Unternehmer gut 50 Prozent der Anteile.

Busemann war wie sein Vorgänger nur etwa drei Jahre im Amt. CEO des Unternehmens ist seit dem Herbst Oliver Schuster, zuvor Finanzchef des Unternehmens. Der Vorstand war 2019 von drei auf nur noch zwei Mitglieder reduziert worden. Begründung: Diese Verschlankung der obersten Führungsebene trage der Konzentration auf das Kerngeschäft Bahninfrastruktur Rechnung, hieß es.

Tatsächlich schrumpft Vossloh seit einigen Jahren. Das Unternehmen konzentriert sich auf Schienenbefestigungssysteme und Gleisbearbeitungsmaschinen. Elektrische Fahrzeugausrüstung und andere Randaktivitäten haben die Westfalen abgegeben, darunter ist eine Lokomotivfabrik im spanischen Valencia. Sie gehört nun dem Schweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler.

Spektakulär aber war ein größerer Deal in der jüngeren Vergangenheit: Der Verkauf der Vossloh-Lokfabrik in Kiel an CRRC im Sommer. Das Genehmigungsverfahren unter anderem durch das Bundeswirtschaftsministerium ist noch offen, und es gilt als keineswegs sicher, dass die Bundesregierung das Geschäft genehmigen wird.

Vossloh Kiel ist zwar nur eine kleine Fabrik, für CRRC aber als Markteintritt in Europa sehr wichtig. Die Bahntechnikkonzerne Siemens und Alstom hatten ihren von der EU untersagten Zusammenschluss unter anderem mit dem Vordringen der Chinesen begründet. Die Wettbewerbskommission sah diese Gefahr allerdings nicht.

Ironie der Geschichte: Grube war es, der als Bahn-Chef seine Fühler auch gen China ausstreckte, um CRRC als weitere Einkaufsquelle für Züge und Bahnmaterial zu akquirieren. Damals waren Alstom, Bombardier und Siemens die Hoflieferanten des Staatskonzerns. Wenn unter Grubes Regie als Vossloh-Chefaufseher der Vertrag mit CRRC nun abgeschlossen werden kann, wird sein Plan aufgehen – wenn auch anders und mit einiger Verspätung.

Mehr: Grüne fordern Aufklärung von Scheuer in Sachen Abfindung für Ex-Bahn-Chef Grube. Nach einem Handelsblatt-Bericht über die Millionenabfindung für den Ex-Bahn-Chef hat die Partei einen Brief mit Fragen an den Verkehrsminister geschickt.

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